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»Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen.«

Klaus Holzkamp

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Workshop: Imperialismus als Reichtumssicherung

Workshop im Rahmen des Kongresses "Ungleichheit als Projekt".
Samstag, 25.11., vormittags

Beschreibung des Workshops

Imperialismus und Kolonialismus gelten als überkommene Epochen der Geschichte. Zwar wurde der Begriff "Imperialismus" auch nach dem Zweiten Weltkrieg - vornehmlich von marxistischen Theoretikern aus den sozialistischen Ländern - noch benutzt, um das von den USA dominierte internationale System der "Freien Welt" zu charakterisieren, aber das wurde im Westen immer verstanden als polemischer Angriff, nicht als wissenschaftliche Charakterisierung; mithin gegenstands- und bedeutungslos nach dem Zusammenbruch des Sozialismus. Demgegenüber aber gilt es darauf hinzuweisen, dass weder mit der Abschaffung des formellen Kolonialismus noch mit dem Verstummen "realsozialistischer" Polemiker der reale Sachverhalt des Imperialismus aus der Welt geschafft wurde.

Im Kern ist der Imperialismus eine über nationale Grenzen ausgeweitete, im Idealfall globale Erweiterung des Kapitalismus. Der Kapitalismus wiederum ist auch schon in nationaler Hülle jeweils ein strukturell-hierarchisches System ökonomischer Gewinnoptimierung mittels maximaler Ausbeutung nationaler oder internationaler Arbeitskraft, deren Gefügigkeit wenn nötig mit polizeilicher Gewalt erzwungen wird. Die dem Imperialismus angenehmste und für seine Ziele effektivste Wirkungsweise war und ist die freiwillig bzw. als "rechtmäßig" akzeptierte Ausdehnung und Absicherung privatrechtlicher Eigentums- und Aneignungsformen aus den kapitalistischen Ursprungsländern in andere Weltteile. Die mit Hilfe nationalstaatlicher Gewalt durchgesetzte formell-koloniale Form des Imperialismus war eine durch historische Umstände bedingte, temporäre Sonderform, die relativ ineffektiv und kostspielig war. Der im Vergleich zu den Arbeitskräften in den "Mutterländern" in der Regel erhöhte Grad der Ausbeutung nicht-weißer Arbeitskräfte sowie eine etwaige Übervorteilung nicht-weißer Geschäftspartner wurde und wird in der Regel durch rassistische Ideologien legitimiert.

Die klassische ideologische Widerspiegelung des informellen Imperialismus erscheint im 19. Jahrhundert zunächst im Denken der englischen Freihändler Cobden und Bright, zu Beginn des 20. Jahrhunderts dann in der "ultraimperialistischen" (Kautsky) Weltanschauung des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson, der Frieden unter den "zivilisierten Völkern" schaffen wollte, um die unzivilisierten in solidarischer Kooperation mit allen "Demokratien" umso effektiver ökonomisch ausbeuten zu können. Der Wilsonismus ist im Prinzip seit den frühen vierziger Jahren bis zum heutigen Tag konsensuelle Selbstverständigungs- und Legitimationsideologie für die Macher amerikanischer Außenpolitik, einschließlich George W. Bush und der meisten seiner erklärten Gegner. Die Unterschiede zwischen verschiedenen US-Präsidenten und der meisten ihrer internen Kritiker sind solche des Temperaments, des Stils, der Taktik, des diplomatischen Geschicks undwahl taktischer Überlegungen ("politics"). Aber sie berühren fast niemals den strategischen Konsens. Und so wird es bleiben, auch wenn 2008 wieder ein Demokrat den US-Präsidentensessel einnehmen wird.

Referent

Frank Unger

Dr. Frank Unger, bis 2005 Professor for European Studies an der University of British Columbia, Vancouver, gegenwärtig Gastprofessor am John F. Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin. Forschungsschwerpunkte Internationale Politische Ökonomie, US-Aussenpolitik, Politische Kulturforschung.

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