BdWi - Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

»Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen.«

Klaus Holzkamp

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Forum Wissenschaft 2/2021

11.06.2021: Umkämpfte Wissenschaftsfreiheit. Reale Bedrohung oder Mythos?

  
 

Forum Wissenschaft 2/2021

Mit großem Medienrummel wurde Anfang Februar 2021 das "Manifest" eines "Netzwerks Wissenschaftsfreiheit" öffentlich vorgestellt.
Weite Passagen des "Manifests" lesen sich wie eine Erinnerung an den 2015 aufgelösten langjährigen Widerpart des BdWi, den "Bund Freiheit der Wissenschaft". Das Netzwerk, dem sich bis Ende April über 400 Wissenschaftler*innen angeschlossen hatten, will "die Freiheit von Forschung und Lehre gegen ideologisch motivierte Einschränkungen [...] verteidigen und zur Stärkung eines freiheitlichen Wissenschaftsklimas bei[...]tragen." Die Initiator*innen beklagen, dass "Cancel Culture und Political Correctness [...] die freie und kontroverse Debatte [...] an den Universitäten zum Verschwinden gebracht" hätten.
Die Veröffentlichung rief große Resonanz in Medien und Politik hervor, in diversen Feuilletons wird die Dominanz einer ominösen "cancel culture" beschworen, die AfD-Bundestagsfraktion beklagt ein "Klima der Repression und Einschüchterung" an Universitäten, das "von selbsternannten Wächtern sogenannter politischer Korrektheit" geschürt werde.
Der BdWi hat das Auftreten des neuen Netzwerks aufmerksam registriert, schließlich ist die Verteidigung der Wissenschaftsfreiheit auch eines seiner Grundanliegen. Wissenschaftsfreiheit steht aber immer in einem Spannungsverhältnis zur gesellschaftlichen Verantwortung von Wissenschaft - und findet darin ihre Grenzen. Dieses Spannungsverhältnis bedarf der kontroversen Diskussion. Dazu gehört, dass Wissenschaft aus einem demokratischen Prozess heraus entsteht und frei von äußeren Einflüssen stattfinden kann - der neoliberale Umbau der Hochschullandschaft der vergangenen drei Dekaden führt jedoch dazu, dass die demokratischen Strukturen und die öffentliche Finanzierung von Hochschulen an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig sind Hochschulen pluraler und diverser geworden. Diese Entwicklung findet ihren Ausdruck eben auch im Ringen gesellschaftlich marginalisierter Gruppen um einen gleichberechtigten Platz in Hochschule und Wissenschaft, in der Kritik und im Abbau diskriminierender Strukturen und Wissensbestände.
So erscheint das Narrativ, das die Wissenschaftsfreiheit vom Phantasma eines "linken Mainstreams" und von diversitätsfördernden Antidiskriminierungsmaßnahmen bedroht sieht, sehr verzerrt. Tatsächlich wird die Freiheit der Wissenschaft aber bedroht durch eine neoliberale Hochschul- und Wissenschaftspolitik und von rechten Demokratiefeinden, die kritische Wissenschaft bedrohen. Diesen Entwicklungen gilt es kritisch entgegenzutreten.

Aus dem Inhalt:

Wissenschaftsfreiheit

  • Alex Demirovic erörtert die historische Genese der Wissenschaftsfreiheit
  • Martin Kutscha fordert Wissenschaftsfreiheit in Zeiten der "unternehmerischen Hochschule"
  • Für eine diversitätsgerechte Hochschulbildung plädieren Gudrun Hentges und Julia Reuter
  • Vergleichende Überlegungen von Nikolai Wehrs zwischen dem "Bund Freiheit der Wissenschaft" und dem "Netzwerk Wissenschaftsfreiheit"
  • Tobias Buhlmann setzt sich mit dem Vorwurf der "cancel culture" auseinander
  • Bedrohungen der akademischen Freiheit in Indien skizziert Spoorthy Raman
  • Asli Telli Aydemir schildert aktuelle Entwicklungen an türkischen Hochschulen
  • Myriam Kaskel und Christian Schaft kritisieren mangelnde Pluralität in den Wirtschaftswissenschaften
  • Ein Zwischenruf für kontroverse Debatten und deren Grenzen von Jos Schnurer
  • Der "Radikalenerlass" ist immer noch aktuell, findet Dominik Feldmann

Bildung und Wissenschaft

  • Carlotta Kühnemann erläutert die Folgen des Ökonomisierungsdrucks für die Sozialwissenschaften
  • Eine offene Debatte über die Verknüpfung von Hochschul- und Allgemeinpolitik fordert der AStA der Uni Frankfurt

Nachruf

  • Georg Fülberth erinnert an Karl Hermann Tjaden

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