Forum Wissenschaft 3/2026
03.09.2026: 250 Jahre USA
Demokratie, Macht und Wissen
2026 jährte sich die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten zum 250. Mal. Ein solches Jubiläum lädt zur Rückschau ein und damit auch zu der Frage, welche Geschichte eigentlich gefeiert wird. Die Geschichte der USA ist vielfach als Erfolgsgeschichte von Freiheit, Demokratie und politischer Selbstbestimmung erzählt worden. Zugleich ist sie eine Geschichte von Kolonialismus und der gewaltsamen Enteignung indigener Gesellschaften, von Sklaverei und Rassismus, von wirtschaftlicher und politischer Machtkonzentration sowie von der Entstehung einer globalen Hegemonialmacht.
Wir nehmen das Jubiläum zum Anlass, hegemoniale oder etablierte Erzählungen über die Vereinigten Staaten zu hinterfragen und nach den Widersprüchen zu fragen, die ihre Geschichte bis in die Gegenwart prägen. Dabei lassen sich Entwicklungen beobachten, die für demokratische Gesellschaften insgesamt von Bedeutung sind: die Frage nach der Begrenzung politischer Macht, das Verhältnis von Demokratie und wirtschaftlicher Ungleichheit sowie die zunehmende Bedeutung von Wissenschaft und Technologie für staatliche und gesellschaftliche Macht. Die amerikanische Geschichte zeigt, dass formale demokratische Institutionen und gesellschaftliche Machtverhältnisse nicht deckungsgleich sind. Demokratie ist immer auch eine Frage der Verteilung von Handlungsmöglichkeiten und der Kontrolle über gesellschaftlich relevante Ressourcen.
Damit rückt eine weitere Dimension in den Blick: die Rolle von Wissen und Wissenschaft. Die Vereinigten Staaten gehören zu den wichtigsten Zentren globaler Wissensproduktion. Universitäten, Forschungsinstitutionen, Technologieunternehmen und staatliche Forschungseinrichtungen haben maßgeblich zur wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte beigetragen.
Zugleich ist wissenschaftliche Forschung in politische, ökonomische und geopolitische Interessen eingebunden. Insbesondere unter der zweiten Trump-Administration transformiert sich das US-amerikanischen Wissenschaftssystem. Beobachten lässt sich die zunehmende politische Einflussnahme auf Forschungsförderung und wissenschaftliche Institutionen, Veränderungen institutioneller Autonomie sowie die wachsende Bedeutung von Technologien mit strategischer und militärischer Relevanz.
Die Beiträge führen damit von der Geschichte indigener politischer Institutionen über das Verhältnis von wirtschaftlicher und politischer Macht bis hin zur gegenwärtigen politischen Transformation wissenschaftlicher Institutionen. Sie verbindet eine grundlegende Frage: Wie lässt sich gesellschaftliche Macht demokratisch begrenzen und kontrollieren?
Aus dem Inhalt
250 Jahre USA
- Die US-Wissenschaft unter Donald Trump II
- Die Vereinigten Staaten und die globale Gesundheit
- Before the American Revolution
- From Colony to Empire
- US-Hegemonieverlust?
- Entwicklungen im US-Militär
Bildung und Wissenschaft
- Digital offen, sozial exclusiv?
- Nicht mit uns!
Gesellschaft
- Zur Frage der europäischen Demokratie
- Der ›afrikanische Fußball‹ ist zutiefst europäisch
- Die Gendern-Revolution und ihre Kinder
- Kabarett gegen die NS-Diktatur
- Was ist Glück?
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