Forum Wissenschaft 2/2026
10.06.2026: KI in der Wissenschaft
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Forum Wissenschaft 2/2026, BrianPenny / pixabay.com |
Neue Möglichkeiten - neue Unsicherheit
Diese Ausgabe von Forum Wissenschaft widmet sich einem Thema, das gegenwärtig kaum einen Bereich wissenschaftlicher Praxis unberührt lässt: der Integration generativer Künstlicher Intelligenz in Forschung, Lehre und wissenschaftliche Kommunikation. KI-Systeme schreiben, strukturieren, kodieren und visualisieren Inhalte, unterstützen Analysen und greifen damit tief in die Bedingungen wissenschaftlicher Wissensproduktion ein.
Die Debatten bewegen sich dabei zwischen Euphorie und Verunsicherung. Einerseits eröffnen generative Systeme neue Möglichkeiten der Analyse und Verarbeitung großer Datenmengen. Andererseits verschärfen sie bestehende Probleme wissenschaftlicher Produktion und erzeugen neue Formen epistemischer Unsicherheit. Fragen nach Transparenz, Nachvollziehbarkeit und wissenschaftlicher Integrität gewinnen dadurch an Dringlichkeit.
Wie verändern sich wissenschaftliche Praktiken, wenn algorithmische Systeme zunehmend an der Herstellung, Ordnung und Bewertung von Wissen beteiligt sind? Grenzen zwischen menschlicher und maschineller Tätigkeit werden unschärfer, etablierte Vorstellungen von Forschung und Autor:innenschaft geraten unter Druck und wissenschaftliche Erkenntnisprozesse werden neu organisiert.
Die Beiträge zeigen zugleich, dass die Herausforderungen generativer KI nicht durch einfache Gegenüberstellungen von "Mensch" und "Maschine" oder technokratische Kontrollphantasien zu bewältigen sind. Vielmehr bedarf es reflexiver Praktiken, die wissenschaftliche Integrität über Transparenz, kritische Urteilskraft und kollektive Aushandlungsprozesse sichern. Hochschulen und wissenschaftliche Institutionen werden damit zu zentralen Orten der Auseinandersetzung über den legitimen Einsatz generativer Systeme. Die Debatten um KI verweisen zudem auf ein grundlegenderes Problem moderner Wissenschaft: die zunehmende Automatisierung epistemischer Prozesse. Wenn Systeme Texte generieren und analytische Entscheidungen vorbereiten, stellt sich neu, welche Rolle Unsicherheit, Interpretation und situatives Urteilen künftig noch spielen. Die Auseinandersetzung mit KI wird damit auch zu einer Debatte über das Selbstverständnis von Wissenschaft insgesamt.
Dieses Heft versteht die Ausbreitung generativer KI als Anlass, wissenschaftliche Praktiken, Institutionen und Begriffe neu zu befragen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie wissenschaftliche Glaubwürdigkeit, Verantwortung und kritische Reflexion unter den Bedingungen algorithmischer Wissensproduktion bewahrt und weiterentwickelt werden können.
Aus dem Inhalt
KI in der Wissenschaft
- Lebendige Arbeit, enteigneter Intellekt
- Human-in-the-Loop in der Hochschullehre
- Von Digital Divide zu AI Divide?
- Lehre im Zeitalter von KI
- KI als neuer Recruiter
- Kann KI forschen?
- Large Language Models in Qualitative Research
- R.I.P. Seminararbeit?!
- Deep-Research-gestützte Literature-Reviews
- KI im Studium der Sozialen Arbeit
- Coding für alle (?)
- Vertrauen statt Kontrolle
- Wer arbeitet wie für die Künstliche Intelligenz?
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