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»Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen.«

Klaus Holzkamp

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Corona-Krise und die Herausforderungen für kritische Wissenschaft

25.05.2020: Kurzbericht zum Webinarvortrag von Alex Demirovic am 16. Mai 2020

In dem ersten Webinar des BdWI mit Sozialwissenschaftler und BdWi-Beirats-Mitglied Alex Demirovic standen die Rolle der kritischen Wissenschaft sowie Herausforderungen in der Corona-Krise im Fokus.

In einem kurzen Vortrag zu Beginn der Online-Veranstaltung, an der knapp 30 Interessierte teilnahmen, stellte Alex Demirovic die Rolle von Wissenschaft in politischen Entscheidungsprozessen heraus - aufgrund der Dynamik und der hohen Anforderungen an fachliche Auseinandersetzung seien Wissenschaftler*innen insbesondere aus den Bereichen Virologie, Medizin, Biologie zu wichtigen Figuren der Meinungsbildung geworden. Hier beschrieb er die Aufgabe von kritischer Wissenschaft, einer Entwertung wissenschaftlicher Erkenntnisse entgegenzuwirken, die durch die Vermischung von wissenschaftlicher Arbeit und Meinung entstehe. Wissenschaftliche Forschung führt zu Erkenntnissen, die den Charakter objektiver Wahrheiten annehmen und nicht mit einer individuellen "Meinung" verwechselt werden dürfe. Andererseits bedürfe es aber auch einer fundierten kritischen Auseinandersetzung mit mangelhaften Datengrundlagen wissenschaftlicher Einrichtungen, auf denen politische Entscheidungen aufgebaut werden. Zudem beschrieb er auch den Bedarf der Auseinandersetzung mit dem Weg der Entscheidungsfindung und mit demokratischen Prozessen. In der aktuellen Krise sei der Verordnungsweg für einschneidende Einschnitte in das gesellschaftliche Leben gewählt worden, um schnelle Entscheidungen herbeizuführen. Dieser Weg sei in der aktuellen Lage ggf. nötig gewesen, jedoch erfordere es auch in der Nachbetrachtung einer kritischen Auseinandersetzung mit der Frage, wie eine Beteiligung der Gesellschaft an Entscheidungen auch in Krisenzeiten sichergestellt werden kann. Dazu seien sicherlich auch neue demokratische Beteiligungsformen zu entwickeln.

Schlussendlich rief Alex Demirovic dazu auf, es brauche einen Streit und einen wissenschaftlichen Diskurs um gesellschaftliche Werte, die auch in Krisenzeiten eingehalten werden müssen.

Im Rahmen der sich anschließenden Diskussion wurde darüber hinaus auch die Anforderung formuliert, dass auch Industrien und die Versorgung umgebaut werden müssten, um gesellschaftlichen Bedürfnissen zu entsprechen. Zudem zeige sich durch die Krise insbesondere durch Home-Office, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zunehmend für die Bereitstellung und Beschaffung von Arbeitsmitteln verantwortlich gemacht würden, diese Verteilung müsse ebenfalls hinterfragt werden.

Für die Unterstützung der Veranstaltung danken wir der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW.

Zum Nachhören haben wir einen etwa 24minütigen Audio-Mitschnitt des Inputs von Alex Demirovic bereitgestellt:

Zugehörige Dateien:
2020-05-16_BdWi_Alex_Audio.mp3Download (22027 kb)

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