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Klaus Holzkamp

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Forum Wissenschaft

Spät studieren

15.12.2005: Beispiel neuer Alterskultur

  
 

Forum Wissenschaft 4/2005

Die bildungspolitische Forderung lebenslangen Lernens, seit Jahrzehnten mit Blick auf Arbeits- und Erwerbsbiografien in technologischen Umbruchsphasen erhoben, richtet sich grundsätzlich an alle Generationen. Die jetzt lebende ältere Generation ist die erste, die an wissenschaftlicher Weiterbildung durch ein Hochschulstudium in nennenswertem Maß interessiert ist und sie praktiziert. Ilse Krisam, selbst Spät- und Zweit-Studierende, versteht dies als Anspruch Älterer auf gesellschaftliche Teilhabe. Sie berichtet über ihre Erfahrungen.

Unter den Schlagworten "demographischer Faktor" und "Generationenkonflikt" werden kontroverse Debatten geführt. Diskutiert wird dabei - unter dem Motto, was ältere Menschen unter unseren Studierenden eigentlich zu suchen hätten - über das Studieren noch im Alter im Allgemeinen und über ein reguläres Studium älterer Menschen im Besonderen. Bezweifelt wird vor allem, dass dies einen gesellschaftlichen Nutzen habe.

Ich will unter Einbeziehung öffentlich geäußerter Argumente gegen das Studium Älterer eine Übersicht über den Sinn und die Bedürfnisse geben, die ältere Menschen zu einem Studium motivieren. Dem liegt eigene Erfahrung zu Grunde: Nach meiner Pensionierung als Grundschullehrerin habe ich ein Diplom-Pädagogik-Studium absolviert und abgeschlossen sowie anschließend mit einer empirischen Forschungsarbeit über das reguläre Studium älterer Menschen promoviert.1

Die deutsche Gesellschaft altert. Der Anteil alter Menschen in unserem Land steigt seit Jahren und wird in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen. Demografischer Wandel wird in der öffentlichen Meinung immer mehr als Bedrohung empfunden. Politiker2 wissen nicht, wie sie Probleme der Gesundheitsversorgung und der Rentenkassen lösen sollen. So steigen auch in der Bevölkerung die Sorgen der alten und jungen Menschen. Alter wird so, vor allem unter dem Fürsorgeaspekt, zur "Altenlast".

Darüber dürfen positive Aspekte nicht vergessen werden. Für die meisten älteren Menschen bietet das Alter heute Chancen, die frühere Generationen kaum hatten. Sie bleiben länger gesund und können sich früher vom Arbeitsmarkt zurück ziehen; für Frauen verkürzt sich die Familienphase durch den frühen Weggang der Kinder. Diese Entwicklung, die bei Anderen berechtigte Sorgen auslöst, bewirkt für viele betroffene Menschen häufig, dass sie eine Alters-Freizeit "geschenkt" bekommen, die mehrere Jahrzehnte umfasst. Sie ist für viele ein Viertel bis ein Drittel ihres gesamten Lebens. Mit Recht teilt man deshalb Alter heute vielfach in das noch überwiegend aktive "Dritte Lebensalter" und in das "vierte Lebensalter" der Hochaltrigkeit ein, wobei letzteres allerdings gesundheitliche Defizite erwarten lässt.

Die heute lebenden alten Menschen gehören zur ersten Generation, der ein so großer Lebensabschnitt als drittes Lebensalter zur Verfügung steht. Sie haben nicht nur die Freiheit, diese Jahre weitgehend selbst zu bestimmen, sie haben auch die Verantwortung, sie mit Werten zu füllen. Sie müssen neue Lebensentwürfe entwickeln. Die Politik sollte sie dabei unterstützen. Denn das, was heute gelebt wird, geschieht auch vorbildhaft für kommende, ebenfalls länger lebende Generationen. Es geht um Werte, die der eigenen Lebensqualität im Alter, aber auch der dazu gehörenden Familie, dem Umfeld und der Gesellschaft zu Gute kommen. Durch verantwortungsvollen Umgang mit der Zeit - ihrer späten Lebenszeit - können ältere Menschen auch in der Öffentlichkeit negative Stereotypen des Alters verändern und zeigen, wie sich Alter sinnvoll leben und mit Werten füllen lässt, wie also eine neue "Alterskultur" entwickelt werden kann. In unserer Gesellschaft fehlen Entwürfe für eine solche Kultur. Mit ihrem Studium versuchen Ältere, sie zu entwickeln. Das kann ein erster Schritt sein mit Blick auf kommende Generationen, in denen der Anteil älterer Gebildeter mit Hochschulzugangsberechtigung wachsen wird. Wenn die Zahl der über 60jährigen im Jahr 2035 schätzungsweise fast so groß sein wird wie die der Jungen unter 20 Jahren, dann werden aktive Ältere dringend gebraucht werden, und v.a. gut Gebildete.

Neuere Forschungen, besonders der Heidelberger und Bonner Forschungsgruppen um Ursula Lehr sowie die Untersuchungen von Paul W. Baltes, belegen, dass Aktivitäten, die bis ins hohe Alter realisiert werden, den körperlichen und geistigen Abbau wesentlich verlangsamen. Und Langzeituntersuchungen zeigen, dass Menschen bis ins hohe Alter lernfähig bleiben, wenn sie denn ihre geistigen Kräfte regelmäßig aktivieren. Neue Untersuchungen der Universitäten Regensburg und Jena glauben sogar feststellen zu können, dass unser Gehirn auch im Erwachsenenalter noch neue Zellen entwickelt, wenn es entsprechend gefordert wird.

Damit erhält Bildung im Alter einen neuen, wichtigen Stellenwert. Wenn die Älteren als große Gruppe innerhalb der Gesellschaft ernst genommen und gehört werden wollen, müssen sie gleichermaßen wie andere Altersgruppen Zugang zu Wissen, zum heutigen Wissensstand und zu Bildung haben und so gut wie möglich informiert sein. Dann können sie kompetent mitreden und auch mitentscheiden.

Bildungsmarkt und Nachfrage

In den letzten Jahren hat sich ein großer Markt mit Bildungsmöglichkeiten für fast jedes Interesse und auf sehr unterschiedlichem Niveau entwickelt. Auch die Universitäten reagierten auf diese Entwicklung. Sie haben sich seit über 20 Jahren für Gasthörer geöffnet und für ältere Studierende besondere Konzepte entwickelt3. Schon Mitte der 1990er Jahre waren unter den fast zwei Millionen Studierenden an den 335 Hochschulen der BRD etwa 55.000 Studierende über 50 Jahre alt. Das waren zwar nicht einmal 3% aller Studierenden, aber immerhin so viele, wie damals an den größten deutschen Universitäten wie München (mit 57.000 Studierenden) oder Köln (55.000) studierten.

Zur gleichen Zeit, 1995, machten z.B. in Nordrhein-Westfalen im WS 1995/96 die 5.100 ordentlich studierenden Senioren - d.h. diejenigen, die ein reguläres Studium absolvierten - nur 1,3% der rund 400.000 Studierenden aus. Nimmt man an, dass dieser Prozentsatz auch für die Hochschulen anderer Bundesländer galt, so kommt man auf damals etwa 14.000 ordentliche Studierende im Alter über 50. Das damalige Bundesministerium für Bildung und Forschung schätzte laut den Studienführern 1996 und 2001, die regulär Studierenden im Alter über 50 Jahren machten nur ein Viertel aller älteren Hochschulstudierenden aus. Ein weiteres Viertel waren danach Gasthörer, die Hälfte sog. Seniorenstudierende4. Drei Viertel studierender Älterer hatten damals also nur den Gasthörer-Status, nur ein Viertel den regulär Studierender.

Das Argument, "Alte" an Universitäten nähmen Jungen Studienplätze weg, könnte sich also nur auf das Viertel dieser normal eingeschriebenen Alten beziehen. Sie treffen aber meist auch noch eine "preiswerte" Fächerwahl. Alte Studierende dürfen z.B. kein numerus-clausus-Fach studieren. Man findet sie also nicht in Labors, Kliniken oder auf Experimentalstellen mit kostenaufwändig ausgestatteten Studienplätzen, sondern fast ausschließlich in den Geisteswissenschaften.5 Und hier sind sie überwiegend in Vorlesungen anzutreffen. Wenn einige von ihnen dort - manchmal zum Missfallen der Jungen - Plätze in den vorderen Reihen einnehmen, dann sind das bei Gasthörern nicht etwa Studien-, sondern nur Sitzplätze; häufig genug in überfüllten Vorlesungen aber auch auf den Treppen. Nur wenige der älteren Hörer der Massenveranstaltungen studieren regulär. Sie trifft man überwiegend in den vorgeschriebenen Seminaren.

Mit der kontroversen Diskussion, ob ältere Menschen am universitären Studium teilnehmen sollten, sind der Stellenwert der Bildung in unserer Gesellschaft und der Auftrag unserer Universitäten angesprochen. Ist die möglichst umfassende Bildung jedes einzelnen Bürgers und jeder Bürgerin entsprechend ihren jeweiligen persönlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten ein unaufgebbares Anliegen unserer Gesellschaft oder nicht? Und die Frage an die Universitäten: Ist es ihre einzige Aufgabe, Wissen an Menschen weiterzugeben, um diese auf einen Beruf vorzubereiten, damit sie dort zum Segen der Gesellschaft "funktionieren"?

Keine Frage: die Aufgabe, junge Menschen möglichst optimal für einen Beruf zu qualifizieren, ist ein sehr wichtiger Auftrag für unsere Universitäten. Aber wer Bildung nur als Ausbildung für einen Beruf oder auf Weiterbildung innerhalb eines Berufes definiert, reduziert sie auf ökonomische Nützlichkeit. Bildung stellt darüber hinaus einen fundamentalen Wert in unserem Leben dar. Forschung, wie sie die Universitäten betreiben sollen, dient doch dazu, unser Wissen um die Welt und das Leben zu erweitern und zu vertiefen, damit wir den Ergebnissen entsprechend leben. Dazu gehört zum einen, der Natur mit ihren Geheimnissen und Wundern auf die Spur zu kommen, zum anderen aber auch, das Leben und die zwischenmenschlichen Beziehungen zu verstehen und bewusster gestalten zu können.

Das uns mögliche Wissen ist so umfangreich und hat so viele Facetten, dass wir uns nur einen bescheidenen Ausschnitt davon erarbeiten können. Selbst wenn wir in einem Fach umfangreich gebildet sind, kennen wir uns nur in etwa in einem Bruchteil des möglichen globalen Wissens aus. Daraus lässt sich ermessen, welchen Wert ein Zweit- oder Drittstudium oder sogar ein lebenslanges Studium hat. Angesichts der Menge möglichen Wissens lässt sich dessen Aneignung kaum nur auf die Ausbildung für einen Beruf zu reduzieren. Und Universitäten haben immer noch die Aufgabe, im Humboldt’schen Sinn "Wissenschaft um ihrer selbst willen zu betreiben".

Von den Möglichkeiten und den Bedürfnissen älterer Studierender her ist ihr Studium im Alter nicht auf den schnellen Übergang in einen Beruf fokussiert. Es ist "altersbegleitend" und "intrinsisch" auf den Erwerb von breitem Wissen, in Ruhe erarbeitet, angelegt. Wegen gesundheitlicher und familiärer Belastung vieler Älterer muss es auch auf einen weiteren zeitlichen Rahmen ausgelegt sein.

Finanzierung: Ungleichheit

Wegen der öffentlichen Finanzierungsprobleme sind in den einzelnen Ländern Studiengebühren und deren Höhe in die Diskussion gekommen. Die Einrichtung von sogenannten Studienkonten in NRW 2003 war ein Kompromiss. Für alle über die curricular vorgesehene Semesterzahl hinaus gehenden Semester müssen Studierende eine Studiengebühr von 650 Euro zuzüglich der üblichen Semestergebühren entrichten, die man als "Strafgebühren für Bummelanten" deutet.

In NRW sind für über 60-jährige Studierende Studienkonten mit einer von Gebühren zeitweise befreiten Phase nicht vorgesehen. Sie müssen grundsätzlich vom ersten Semester an Studiengebühren zahlen. Ältere Studierende nehmen dies als eine Diskriminierung des Alters wegen wahr. Zwar gehen sie im allgemeinen von einer längeren Studienzeit aus, als die Universitäten vorgeben. Während junge Studierende versuchen müssen, prüfungsrelevantes Wissen zügig zu erwerben, schnell ins Examen und dann in einen Beruf zu gehen, stehen Ältere nicht unter diesen Zwängen des schnellen Studierens auf einen Abschluss hin. Ihr Bedürfnis ist meist, sich gründlich und in die Tiefe gehend mit ihrem Fach zu beschäftigen. Überdies benötigen manche Ältere wegen gesundheitlicher Probleme mehr Zeit. Gerade für sie hat das Studium oft auch therapeutische Wirkung.

Jedenfalls hat die Einführung von Studiengebühren für über 60-jährige zu einer starken Abnahme der Immatrikulation Älterer geführt, die sich dann als Gasthörer angemeldet haben. Statistische Zahlen darüber liegen noch nicht vor. Auf die Ungleichbehandlung bei der Einrichtung kostenfreier Studienkonten für die Jungen haben viele Ältere mit Protestschreiben an die Universitäten und an das Kultusministerium in NRW reagiert und um die Etablierung von Studienkonten auch für Ältere gebeten. Sie baten um besondere Berücksichtigung der

  • Älteren mit kleinen Renten,
  • Bildungsbenachteiligten, die in ihrer Jugend aus finanziellen Gründen nicht studieren konnten,
  • Frauen, denen oft erst nach dem Aufziehen der Kinder ein Studium möglich ist, unter ihnen besonders derjenigen, die erst im Erwachsenenalter das Abitur erworben haben, um studieren zu können,
  • Studierenden der sogenannten "Orchideenfächer" Archäologie, Judaistik u.a., die einen wissenschaftlichen Beitrag zu solchen Fächern leisten, die wegen der schlechten Berufsaussichten nur wenige Junge studieren. Vor einigen Jahren noch wurden mit diesem Argument ältere Studierende für das Studium dieser Fächer geworben - jetzt nimmt man den meisten unter ihnen die Möglichkeit, den versprochenen Abschluss zu erreichen,
  • Menschen mit einer längeren Studiendauer.

Diese Einwände blieben bisher ohne sichtbaren Erfolg. Es muss abgewartet werden, ob die neue CDU-Regierung in NRW bei ihrer Studiengebührenregelung zu einem gerechteren Kompromiss kommt.

Individuell sinnhaft

Quantitative und qualitative Untersuchungen, Interviews mit älteren Studierenden und, zum Vergleich, auch mit jüngeren sowie mit Professoren verweisen auf folgende Bedeutungen des Studiums älterer Menschen: Sie erleben eine neue, wertvolle und befriedigende Aufgabe in einem aktiven 3. Lebensalter; ältere Studierende bleiben oder werden kompetent, an neuen Entwicklungen teilzuhaben und anstehende wichtige Veränderungen in der Gesellschaft zu erkennen und zu beeinflussen; sie haben Zeit, sich in Muße ein sie interessierendes aktuelles Wissensgebiet auf universitärem Niveau in Ruhe und in die Tiefe gehend zu erarbeiten, und sie finden Antworten auf Lebensfragen; sie können frühere Bildungsbenachteiligung ausgleichen und erwerben damit neues Selbstbewusstsein; sie lernen durch das gemeinsame Studium mit jungen Menschen die junge Generation besser kennen und schätzen - und sie beugen durch das Studium prophylaktisch psychischem und physischem Abbau vor und erhalten sich Flexibilität und Stabilität - eine auch die Kassen von teuren therapeutischen und medizinischen Hilfen entlastende Wirkung.

Auch Universitäten profitieren davon, dass sie Ältere in die wissenschaftliche Arbeit mit Jungen einbeziehen. In der Seminararbeit hat die gemeinsame Arbeit an wissenschaftlichen Fragen einen besonderen Reiz. Das ist bereichernd für Junge, Alte und auch für Dozierende; gemeinsames Arbeiten kommt auch der Qualität der wissenschaftlichen Arbeit an den Hochschulen zugute. Ältere bringen Berufs- und Lebenserfahrung in die Diskussion; das bringt mancher "Theorielastigkeit" etwas mehr Praxisnähe. Jungen bringen ihren spontanen Ideenreichtum, ihr Interesse und ihre Flexibilität in die gemeinsame Arbeit ein. In gemeinsamen Diskussionen zu wissenschaftlichen Fragen bieten Universitäten so eine der wenigen Nischen, in denen sich die Generationen gegenseitig bei der Arbeit ergänzen, kennen und schätzen lernen können. Das ist auch ein Beitrag zum Abbau von Generationenkonflikten.

… und gesellschaftlich nützlich

Das Studieren Älterer ist nicht zuletzt ein Nutzen für die Gesellschaft. Auch sie bringen das Gelernte im eigenen Lebensumfeld, oft zudem als ehrenamtlich Tätige wieder in die Gesellschaft ein. Zu Ehrenamts-Tätigkeiten einige Beispiele aus meinen empirischen Studien: Eine der "jungen" älteren Frauen holte während ihrer Familienphase das Abitur nach, bekam kurz vor ihrem 50. Lebensjahr die Zulassung zum Medizin-Studium, ist inzwischen approbierte Ärztin, arbeitet in einem Krankenhaus und wird von ihm immer wieder freigestellt für den Einsatz in Krisengebieten wie Irak und jetzt Afghanistan. - Eine über 60jährige Drogenberaterin wollte sich für diese ehrenamtliche Tätigkeit, die sie seit Jahren leistet, professionalisieren, studierte neben dieser Tätigkeit Sozialpädagogik und anschließend Diplom-Pädagogik. - Zwei ältere Studentinnen der Germanistik bzw. der Diplom-Pädagogik, die ehrenamtlich in der Hausaufgabenhilfe und Sprachförderung für Ausländer arbeiten, betonen, dass ihnen dabei ihr Studium wertvolle Hilfen leistet. - Von den Älteren, die ich befragt habe, arbeitet über ein Drittel neben dem Studium ehrenamtlich. Auch wenn sie nicht zu dem Zweck studieren, sich für ein Ehrenamt zu qualifizieren, ist doch anzunehmen, dass sich das so erworbene Wissen in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit auswirkt.

Der Wert des Angebotes der Universitäten, auch ältere Menschen am Studium der jungen Menschen teilnehmen zu lassen, kann deshalb gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Universitäten leisten damit seit über 20 Jahren einen viel zu wenig bekannten gesellschaftspolitischen, bildungspolitischen und sozialpolitischen Beitrag zur Altenpolitik und zur Lösung der Probleme, die durch die demographische Veränderung unserer Gesellschaft entstanden sind. Man kann nur wünschen, dass die Verantwortlichen in Universität und Gesellschaft dessen Wert erkennen, anerkennen und weiter unterstützen.


Anmerkungen

1) Ilse Krisam: Zum Studieren ist es nie zu spät. Statistische Daten, soziokulturelle Basis, Motivationen, Inhalte und Gestaltung eines ordentlichen Studiums im dritten Lebensabschnitt, Münster 2002 (Waxmann Verlag, Reihe Studium im Alter).

2) Die "männliche" Formulierung dieser und weiterer genannter Gruppen soll auch deren weibliche Mitglieder einschließen.

3) Vgl. den vorangegangenen Beitrag von Magdalene Malwitz-Schütte (Red.).

4) Vgl. a.a.O. (Red.).

5) Ältere ordentliche Studierenden wählen als Fächer in absteigender Reihenfolge Geschichte (junge Studierende: 12. Platz); Erziehungswissenschaften, europäische Sprachen, Germanistik und Philosophie (junge: 20. Platz). Umgekehrt rangieren Wirtschaftswissenschaften und Informatik in der Fächerwahl junger Studierender an erster Stelle, bei den älteren erst an 10. Stelle.


Dr. Ilse Krisam, Jahrgang 1922, war Grundschullehrerin, studierte nach ihrer Pensionierung Diplom-Pädagogik an der Universität Duisburg-Essen und promovierte 2002 - mit 80 Jahren - an der Universität Münster zum Dr. phil. Sie war (bis 2003) die erste Vorsitzende des 2000 gegründeten Vereins Lebenslanges Lernen (LLL) zur Förderung des Studiums im fortgeschrittenen Alter an der Universität Essen e.V.

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