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Klaus Holzkamp

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ReOrganize the Left - Prekarisierung, soziale Kämpfe und Suchprozesse einer Erneuerung der Linken

Donnerstag, 11.09.2014, 14:00 Uhr bis Sonntag, 14.09.2014, 13:00 Uhr

Herbstakademie von BdWi und Rosa-Luxemburg-Stiftung in Werftpfuhl

Ort: Kurt-Löwenstein-Haus, Werftpfuhl
Veranstalter: BdWi, Rosa-Luxemburg-Stiftung, u.a.

Die Organisierungsfrage als Gespenst in der Krise

Im Europa der Krise haben die Bewegungen der „Empörten“ einen neuen Zyklus sozialer Bewegungen eröffnet. Den Bewegungen stellt sich die Frage, wie ausgehend von den neuen Formen der Selbstorganisierung im prekären Alltag ein gesellschaftlicher Organisierungsprozess entwickelt werden kann, der in der Lage ist, effektive Brüche mit dem neoliberalen Kapitalismus voran zu treiben. Dabei entstehen auch vielfältige, wechselseitige Lernprozesse und Verknüpfungen zwischen Bewegungen und der organisierten Linken. Sie nehmen auch die Form neuer, in den Bewegungen verankerter, Parteien wie Syriza in Griechenland oder Podemos in Spanien an. Die Bewegungen werfen daher die Frage auf, wie sich eine „konstituierende Macht“ von unten organisieren und welche Rolle die Parteiform für eine radikale gesellschaftliche Transformation spielen kann.

Die „Organisierungsfrage“ der sozialistischen und kommunistischen Bewegungen taucht als ein Gespenst in neuem Gewand auf. In der Suche nach neuen Antworten auf alte und neue Fragen und Widersprüche wie die im Verhältnis von Basis und Führung, Theorie und Praxis, Selbstorganisation und Repräsentation, Differenz und Einheit, Reform und Revolution geht es darum, die Erfahrungen vergangener und aktueller Bewegungen produktiv „aufzuheben“. Zentral für die Organisierungsfrage ist daher nicht nur das Verhältnis von Theorie, Strategie und „Tagespolitik“ sozialer Kämpfe, sondern auch die theoretische Praxis als Weiterentwicklung des Erbes einer herrschaftskritischen Theorie emanzipatorischer Organisierung selbst.

Wie lässt sich Organisierung angesichts der Intersektionalität (Verwobenheit) von Macht- und Herrschaftsverhältnissen in Allianzen sozialer Kämpfe weiter denken? Wie können Führung und Arbeitsteilungen in Organisierungsprozessen demokratisiert, kollektive Selbstermächtigung befördert, die Kritik und die Erneuerung der Organisierungsformen selbst realisiert werden?

Re-Organize the Left!

Organisierung der Prekären, Allianzen sozialer Kämpfe und das Verhältnis von „Partei“ und „Bewegung“ in Deutschland Die Herausforderungen der Organisierungsfrage gehen über die besondere Situation in Südeuropa hinaus. Auch wenn die Bedingungen linker Politik in Deutschland angesichts des hier „erfolgreichen“ neoliberalen Krisenmanagements nicht zu vergleichen sind, braucht es Prozesse der „Übersetzung“ der Fragen und Erfahrungen in eigene Fragen und Antworten. Re-Organize the Left verstehen wir als Einladung zu einer spektrenübergreifenden Diskussion über Organisierungsformen und der Verbindung prekärer Kämpfe, der Stärkung der gesellschaftlichen Verankerung emanzipatorischer und sozialistischer Politik und des Aufbaus von Hegemonie. Ausgangspunkt sind die widersprüchlichen Erfahrungen sozialer Kämpfe der letzten Zeit, der Arbeitskämpfe im Gesundheits-, Pflege- und Erziehungsbereich, der Bewegung der Geflüchteten, der Kämpfe gegen steigende Mieten, Verdrängung und für ein „Recht auf Stadt“. Es geht darum, wechselseitige Lernprozessen zu organisieren, sich auf die Suche nach politischen Gemeinsamkeiten und verbindenden Perspektiven sozialer Kämpfe zu begeben und nach neuen Formen und Strategien linker Organisierung zu fragen.

Wir wollen dazu einladen, die Organisierungsfrage in drei Perspektiven zu diskutieren:

(1) Wie kann eine neue emanzipatorische Klassenpolitik und – organisierung in der Perspektive der Intersektionalität und der Hegemonie aussehen? Welche Ansatzpunkte gibt es in aktuellen Kämpfen um prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen?

(2) Kann von einem neuen Verhältnis von Partei und Bewegung und einer Transformation der Partei(form) ein Aufbruch in der Organisierungsfrage ausgehen? Wie können Formen außerparlamentarischer Organisierung weiter entwickelt werden?

(3) Wie muss kritische Gesellschaftstheorie weiter entwickelt werden, um die relative Autonomie und praktische Verschränkung der Politikformen und der Orte der Kämpfe zu begreifen?

Programmentwurf:

Donnerstag, 11.9.

Ab 12:00 Uhr Anreise und Mittagessen
13.30 Uhr Begrüßung
14.00 Uhr Programmbeginn

  • Frank Deppe (Uni Marburg): The making of class. Klassenbewegungen, Partei(form) und die Widersprüche der Organisierungsfrage in der ArbeiterInnenbewegung
  • Alex Demirovic (Institut für Gesellschaftsanalyse; Redaktion prokla, Beirat des BdWi): Der Kommunismus als wirkliche Bewegung und die Organisierungsfrage... Überlegungen zu einer kritischen Theorie sozialistischer Organisierung

Nach dem Abendessen:
Kennenlernen im World-Cafe: Wie lebe ich und wie organisiere ich mich politisch? Welche Wünsche und Fantasie haben wir für Veränderungen linker Organisierung?

Freitag, 12.9.

Workshop-Tag : „Herrschaftskritik, soziale Kämpfe und Organisierungsfrage“ (ganztägig)


Bei Anmeldung (siehe unten folgendes Formular) bitte einen Workshop angeben!

Workshop I: „Prekäre Allianzen“ und kollektives Subjekt – zur Verbindung von Klassenfrage, antirassistischen und queer-feministischen Perspektiven in Kämpfen um Prekarisierung“

Workshop mit:

  • Ceren Türkmen (Uni Gießen): Klassenzusammensetzung, migrantische Selbstorganisierung und Widersprüche in der Verbindung sozialer Kämpfe
  • Salih Wolter (Co-Autor: „queer und Anti-Kapitalismus“): Prekarisierung, Klasse und die Intersektionalität von Herrschaftsverhältnissen aus der Perspektive queer-feministische Kapitalismuskritik
  • Moderation: Janek Niggemann

Workshop II: „Herrschaftskritik und die radikale Transformation der Parteiform“ - Workshop zu Staat(skritik), Parteiform und der Diskussion um eine „verbindende Partei“

Gemeinsame Diskussion auf der Basis von vorbereiteten Texten. Inputs von

  • Alex Demirovic: Parlamentarismuskritik und Fragen einer herrschaftskritischen Theorie der Parteiform
  • und
  • Flo Becker (Institut für Gesellschaftsanalyse): Radikale Transformation der Parteiform? Diskussionen um die Form linker Parteien von Gramscis „modernem Fürsten“ zur „verbindenden Partei“

Abendprogramm:

„Nach Bedürfnissen und Interessen organisieren ...“ - Das „Sozialistische Büro“ und die Erfahrungen sozialistischer Organisierung im Kontext der sozialen Bewegungen der 1970er

mit:

  • Gottfried Oy (Historiker und Bewegungsforscher; Autor von „Ein anderes 1968. Jenseits von Partei und Spontaneismus: Das Sozialistische Büro“)

Samstag, 13.9

Workshop-Phase (vormittags)
Workshop I: Care-Revolution!? Organisierungsansätze, Bündnisse und feministisch-sozialistische Transformationsperspektiven

  • Barbara Fried (Institut für Gesellschaftsanalyse; leitende Redakteurin der Zeitschrift „luxemburg“): Suchprozesse einer Organisierungs- und Bündnispolitik um „Care“ und Perspektiven feministisch-sozialistischer Transformation
  • Jana Seppelt (verdi Stuttgart, Netzwerk „links in verdi“; angefragt): Kämpfe im Erziehungsbereich – zum Verhältnis von gewerkschaftlicher Politik und sozialistisch-feministischer Perspektive
  • Kalle Kunkel (verdi Berlin, Netzwerk „links in verdi“; angefragt): Organisierungs- und Bündnisansätze im Gesundheits- und Pflegebereich

Moderation: Julia Dück

Workshop II: Organisierung der Prekären: Soziale Kämpfe, transformative Organizing und „organisierende Kampagnen“

  • Christina Kaindl (Leiterin der Abteilung „Strategie und Grundsatzfragen“ die LINKE): Kampagnen, Bündnisse und Organisierung neu denken. Eine Kampagne um Prekarisierung als Projekt einer Mosaik-Linken?
  • Margit Mayer (FU Berlin; Stadtforschungsnetzwerk INURA; angefragt): Transformative Organizing und Recht auf Stadt als Organisierungsansatz
  • N.N. Kotti & Co (Berlin; angefragt): Zum Verhältnis von Basisorganisierung im Alltag und Bündnispolitik um Mietenproteste und „Recht auf Stadt“

Moderation: Flo Becker

Nachmittags:

Freie Zeit zum Spazieren, Schlafen oder weiter diskutieren in (spontanen) AGs

16.00 Uhr:

  • Christina Kaindl (Leiterin der Abteilung „Strategie und Grundsatzfragen“ die LINKE):
  • Die LINKE als „verbindende Partei“? - Ansätze und Probleme der Erneuerung der linken Partei(form) und ein neues Verhältnis von Partei und Bewegung

Abends: Gemeinsamer Abend in der Kneipe, Möglichkeit zur Fortsetzung der Diskussion „Wie lebe ich und wie organisiere ich mich politisch? Welche Wünsche und Fantasien haben wir für Veränderungen linker Organisierung?“

Sonntag, 14.9

Abschlussdiskussion: „Sozialistische Transformationslinke“? Perspektiven der Erneuerung linker Organisierung in Deutschland

mit

  • Mario Candeias (Direktor des Institut für Gesellschaftsanalyse)
  • Eva Völpel (Journalistin; gemeinsam mit Mario Candeias Autorin des Buches „Plätze sichern. Zur Reorganisation ReOrganisierung der Linken in der Krise. Zur Lernfähigkeit des Mosaiks in den USA, Spanien und Griechenland“):
  • Mosaik-Linke und sozialistische Transformationslinke. Lernprozesse und Widersprüche einer Erneuerung linker Politik und Organisierung in der Krise

  • N.N. Aktive aus Interventionistischen Linken (angefragt): Die Perspektive einer radikalen Transformation und Herausforderungen für eine Erneuerung eingreifender, antikapitalistischer Politik und Organisierung

12.30 Mittagessen und Abreise

Der Zeit- und Themenplan wird noch aktualisiert, bitte auf Ankündigungen achten auf der Webseite: www.bdwi.de

Organisation und Konzeption der Tagung:
Flo Becker (florian.becker@rosalux.de)
Janek Niggemann
Julia Dück

Teilnahmebeitrag: 50 Euro bei Unterkunft im Mehrbettzimmer, 75 Euro im Doppelzimmer
Überweisung bitte bis 5. September an:
FIB beim BdWi
Volksbank Mittelhessen
BLZ: 513 900 00
Konto: 164 869 14
IBAN: DE84 5139 0000 0016 4869 14
BIC: VBMHDE5FXXX

Anmeldung an: FIB beim BdWi, Gisselberger Str. 7, 35037 Marburg
E-Mail: fib@bdwi.de

Für die Unterstützung der Tagung danken wir der Rosa-Luxemburg-Stiftung, dem AStA der Uni Hamburg und der Forschungs- und Informationsstelle beim BdWi (FIB).

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