Ungleichheit als Projekt. Globalisierung - Standort - Neoliberalismus
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3-924684-82-0 |
Regina Stötzel (Hg.)
Forum Wissenschaft Studien 43
ISBN 3-924684-82-0, November 1998, 472 Seiten, 25,00 EUR
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Die Welle der Deregulierungen, die gegenwärtig um die Welt rollt und mit dem Hinweis auf die Zwänge der Globalisierung gerechtfertigt wird, betrifft in erster Linie den Abbau von Regelungen, die ArbeitnehmerInnen, Umwelt oder öffentliche Haushalte vor dem Zugriff der Privatwirtschaft schützen. Gleichzeitig nimmt die Regulierungsdichte zu, wenn es darum geht, die Anspruchsvoraussetzung von Arbeitslosen, Armen, Kranken und mittlerweile auch Älteren auf gesellschaftliche Unterstützung zu beschränken. Der Zugang der Länder der Dritten Welt zu den Märkten der Ersten Welt wird stärker reglementiert und Entwicklungshilfe mehr denn je an Regulierungen gebunden, die mehr im Interesse der Weltmarktunternehmen als in dem dieser Länder liegen. Der Staat wird schlank, wenn es darum geht, Geld für Bildung, Sozialpolitik oder Umweltschutz auszugeben. Wenn es um den Ausbau der Polizei oder um - in militärischer wie ökonomischer Hinsicht - irrwitzige Rüstungsprojekte wie den Eurofighter geht, nimmt er an Umfang und Gewicht zu.
Die neoliberale Begriffstriade Globalisierung (als Weltschicksal), Standortkonkurrenz (als nationales Schicksal) und Wettbewerbsfähigkeit (als nationale Aufgabe) verwandelt den rational begreifbaren und politisch gestaltbaren Prozess der Internationalisierung in eine Bedrohung, der man nur durch Anpassung und Verzicht auf egalitäre und emanzipative gesellschaftliche Reformansprüche, durch gesellschaftlichen Rückschritt auf breiter Front entgehen könne. Sie dominiert auch die Politik der Europäischen Union und missbraucht die Idee der europäischen Einigung zur Durchsetzung eines neoliberalen Fundamentalismus zu Lasten der Mehrheit der Menschen und zugunsten der Kapital- und GeldvermögensbesitzerInnen sowie exportstarken Unternehmen.
Dieser Rückschritt ist mittlerweile überall sichtbar. Sein Name ist zunehmende Ungleichheit auf allen Ebenen. Sie ist Bewegungsform und Ziel eines Projekts.
Inhalt
- Einleitung
- Michael R. Krätke: Die neue Weltunordnung
- Jörg Huffschmid: Globalisierung als Gegenreform
- Wolfgang Fach: Eine Art Seelenwanderung
- Globalisierung und Ungleichheit - Inklusion und Exklusion in der Weltwirtschaft
- Reinhart Kössler: Nationalstaaten unter den Bedingungen ungleicher Globalisierung
- Brigitte Young: Globalisierung und Genderregime
- Ulrich Brand: Öko-Kapitalismus?
- Ulrich Briefs: Wer trägt unter marktwirtschaftlichen Verhältnissen die Kosten von High-tech und Globalisierung?
- Globalisierung und Ungleichheit - Das Weltsystem nach dem Ende der Systemkonkurrenz: Europa
- Ingo Schmidt: Arbeitsteilung in einem hierarchischen Europa
- Susanne Schunter-Kleemann: Die Modernisierungpatriarchaler Gewaltverhältnisse
- Thomas Dietz, Thomas Sauer: Die politische Instrumentalisierung der Wirtschafts- und Währungsunion und ihre übersehenen Chancen
- Globalisierung der Finanzmärkte - Internationale Wettbewerbsfähigkeit - Regulierung
- Michael Heine: Konsequenzen der Deglobalisierung für Wachstum und Beschäftigung
- Hermannus Pfeifer: Wirtschaftspolitische Konterrevolution?
- Kai Eicker-Wolf, Wilfried Mählmann: Mythos und Realität der Globalisierungs- und Standortdiskussion am Beispiel der internationalen Direktinvestitionen
- Ungleiche Raumregulation
- Wolfgang Krumbein: Wider die Veränderungsdramatik
- Ursula Richter: In der Ökologisierung der Wirtschaft liegt die Innovationschance der Regionen
- Hermann Bömer: Möglichkeiten und Grenzen der EU-Regionalpolitik unter den Bedingungen der Währungsunion und der Osterweiterung
- Klaus Brake: "Global Cities"
- Standort - vor Ort: Kultur
- Ralf Adelmann: Positionierung und Visualisierung
- Jutta Held: Kulturelle Ostpolitik der Dresdner Bank
- Harald Kimpel: "Twingo grüßt documenta X"
- Elisabeth von Dücker: Von der Chance des Unbehaust-Seins oder: Was eigentlich suchen Frauen im Museum?
- Standort - vor Ort: Wissenschaft und Hochschule
- Ursula Müller: Asymmetrische Geschlechterkonstruktionen an der Hochschule
- Andreas Keller: Grüne Hochschulpolitik - eine Alternative zum Neoliberalismus?
- Marianne Kriszio: Neue Steuerungs- und Leitungsmodelle in ihren Konsequenzen für Gleichstellungspolitik an Hochschulen
- Neoliberalismus: Ideologien, Denker, Akteure
- Hans-Peter Krebs: Global Culture: Politik zwischen Ideologie und Identität
- Dieter Plehwe, Bernhard Walpen: Eine "Art von internationaler fünfter Kolonne des Liberalismus"
- Globalisierung und gesellschaftliche Transformation
- Max Koch: Underclass and Social Exclusion
- Uta Ruppert: Globalisierung, Global Governance und internationale Frauenbewegung
- Philip Wotschak: "Den Zeitdieben auf der Spur"
- Standort & Politik: der schlanke Standortstaat
- Birgit Sauer: Globalisierung versus Demokratisierung: Ist feministische Politik im "standortgerechten" Sozialstaat möglich?
- Hans-Jürgen Urban: Globalisierung, Staat und Gewerkschaften
- Bernd Röttger: Integral-ökonomische Komplexe im neoliberalen Transformismus
- Entwurf zur Erklärung der Tagung "Ungleichheit als Projekt. Globalisierung - Standort - Neoliberalismus"
Über diesen Titel
"Den Schluß des Bandes bildet der Entwurf einer Abschlußerklärung der Tagung. Er steht in einer linkssozialdemokratischen Traditon, verteidigt sozusagen die goldenen 70er Jahre gegen Blair und Schröder. [...] Das Buch ist trotzdem nicht zu ökonomistisch, da es, wie schon angedeutet, auch Artikel zu "weichen Themen" wie Kultursponsoring auf der documenta oder zur Bilanz der Frauenförderungspolitik an Universitäten enthält. Die Quote von feministischen Artikeln beträgt für solche Verbände gar sensationelle 20 Prozent und das Buch enthält keinen Beitrag von Joachim Hirsch oder Elmar Altvater. Wenn sie also zu faul..., äh, zu wenig Zeit haben, ein ganzes Buch zu Globalisierung zu lesen, sind sie mit dem vielfältigen Buch Ungleichheit als Projekt gut bedient. Ehrlich."
(Bernd Hüttner in: Contraste. Monatszeitung für Selbstorganisation. März 1999)
"Im November 1997 organisierte der Bund demokratischer WissenschaftlerInnen (BdWi) in Marburg eine Tagung zur Globalisierungsdiskussion [...]. Obwohl seit der Tagung geraume Zeit vergangen ist und im Zeitalter der Globalisierung auch in der Wissenschaftswelt nur das Aktuellste zählt, ist dieser Sammelband dringend zu empfehlen, auch wenn nicht alle Beiträge exklusiv und brandneu sind. [...] Unüblich für solche Sammelbände sind der relativ große Anteil an Beiträgen von Frauen und die integrale Behandlung feministischer Theorieansätze. [...] Viele Beiträge, viele Sichtweisen, aber keineswegs beliebig."
(analyse und kritik - Zeitung für linke Debatte und Praxis, Ausgabe 427, 10.06.1999)

