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Klaus Holzkamp

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"Die Widersprüche sind unsere Hoffnung." (Brecht) - Wiederentdeckung der Dialektik im Neoliberalismus

Freitag, 29.09.2006, 14:00 Uhr bis Dienstag, 03.10.2006, 16:00 Uhr

Herbstakademie, Werftpfuhl b. Berlin

Kaum ein Satz hat das Selbstverständnis des Neoliberalismus so geprägt wie Margaret Thatchers „There is no alternative“. Er ging als so genannte „TINA“-Formel in die politischen und sozialwissenschaftlichen Diskussionen ein. Alternativen unsichtbar und unerfahrbar zu machen, die Rede vom „Ende der Geschichte“ wurden zu einem wichtigen politischen und ideologischen Einsatz neoliberaler Politik. Nicht zuletzt deshalb ist die Losung „Eine andere Welt ist möglich“ für die Bewegung der Bewegungen gegen den Neoliberalismus gewählt worden.

Wer die derzeitige Verfasstheit der Welt aber nicht als Endpunkt sehen will, muss die Realität als von Widersprüchen durchzogen denken können, diese analysieren und mit ihnen „operieren“ (Brecht) können. Der Begriff in marxistischer Tradition für das Denken von Widersprüchen ist „Dialektik“. Dabei ist die Geschichte der Dialektik in den linken Diskussionen keineswegs gradlinig und unumstritten. Das Denken von Widersprüchen ist vor allem im „Marxismus an der Macht“ immer wieder zu einer Sammlung von Lehrsätzen erstarrt; dagegen haben etwa Gramsci und Brecht neue Ansätze von Dialektik entworfen. Den Verwerfungen und Neuanfängen dialektischen Denkens will die Tagung nachspüren, um nach möglichen Traditionslinien für eine aktuelle Wiederentdeckung der Dialektik zu fragen.

Wir wollen die Entwicklungen in Wissenschaften und Alltagskultur analysieren, die Widersprüche ruhig stellen und die Angebote zu kohärenten Lebensentwürfen in zerrissenen Verhältnissen machen, durch Angebote der Selbst-Kohärenz in sozialer oder psychologischer Arbeit und Kultur. Wie können die Subjekte in von Widersprüchen zerrissenen gesellschaftlichen Verhältnissen Handlungsfähigkeit erlangen?

„Die Widersprüche sind unsere Hoffnung“ wenn es darum geht, Politiken zu entfalten, die das Bestehende verändern und überwinden können sollen. Doch auch in linken Politiken werden Widersprüche vereindeutigt, der Bezug auf Konzepte wie „pc“ und Identität soll mobilisieren und zum Handeln befähigen, macht aber gerade die Widersprüche unsichtbar, die Ansatzpunkte für die Veränderung des Bestehenden wären. Den Möglichkeiten einer anderen Politik in den Widersprüchen soll hier nachgespürt werden.

ReferentInnen:

Mario Candeias: Von der Dialektik des Neoliberalismus zu den Widersprüchen der Bewegungen
Alex Demirovic: „Dialektik ist an der Zeit.“ (Adorno)
Boris Friele: Konstruktivistische Rationalitätskritik als ideologisches Alltagsdenken? “Meine Wahrheit, Deine Wahrheit - Die Wahrheit ist für uns alle da!“
Wolfgang Fritz Haug: Dialektik neu entdecken – für Theorie und Praxis
Michael Heinrich: Wider eine Überstrapazierung des Dialektik-Begriffs
Uwe Hirschfeld: Vom Nutzen der Hilfe und der Hilfe des Widerstands - Widersprüche Sozialer Arbeit
Christina Kaindl: Widersprüche denken können: Zwischen Alltagsverstand und Wissenschaft
Iris Nowak: Soziologische Analysen von Widersprüchen in neoliberaler Arbeits- und Lebensweise
Jörg Nowak: Die Widersprüche des Universalismus. Nach Badiou und Hardt/Negri
Katharina Pühl:Von der Dialektik der Aufklärung zu Paradoxien im Neoliberalismus. Einige zeitdiagnostische Gedanken zu veränderten Geschlechterverhältnissen zwischen Kritischer Theorie und Diskurstheorie
Catharina Schmalstieg: Operieren können mit Antinomien: Herausforderungen an eine gewerkschaftliche Politik in den Widersprüchen der hochtechnologischen Produktionsweise
Thomas Weber: Elemente einer "dekonstruktiven" Dialektik bei Brecht und Benjamin: Dialektik als Verfremdung, Dialektik der Extreme
Frieder Otto Wolf:Dialektik nach der Postmoderne

Die Akademie wird veranstaltet vom BdWi, der Hellen Panke zur Förderung von Politik, Bildung und Kultur und der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Zeit: Freitag, 29.09.2006 bis Dienstag, 03.10.2006
Ort: Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein
Freienwalder Chaussee 8-10, 16356 Werftpfuhl
Das Haus liegt im Nordosten von Berlin, 30 km von der Stadtmitte am Rande des Erholungsgebietes “Gamengrund”. Der Bahnhof Werftpfuhl ist 200 m entfernt.
Teilnahmebedingungen: Aufgrund begrenzter Platzkapazitäten bitten wir um eine verbindliche Anmeldung. Die Tagung wird von den VeranstalterInnen finanziell bezuschusst.
Teilnahmegebühr: Pro Person 50,00 Euro, inkl. Unterkunft und Vollverpflegung im Doppel- oder Mehrbettzimmer für 5 Tage Seminardauer.
Die TeilnehmerInnen erhalten vor der Tagung Reader und Vorbereitungsthesen.
Überweisung des Teilnahmebeitrags an: BdWi, Verwendungszweck: Herbstakademie
Volksbank Mittelhessen, Konto: 16 40 88 08, BLZ: 513 900 00
Anmeldung bei: BdWi, Gisselberger Str. 7, 35037 Marburg
Tel.: (06421) 2 13 95, Fax (06421) 2 46 54, E-Mail: bdwi@bdwi.de

Dateien:
herbstakademie.pdf (294 kb)

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