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Klaus Holzkamp

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Hier altern - aber wie?

15.12.2005: Lage und Bedarfe älterer Migrantinnen und Migranten

  
 

Forum Wissenschaft 4/2005

Sie waren damals Pioniere und sind es heute heute wieder: die Arbeitsmigranten1 der ersten Generation, die ab 1950 vor dem Hintergrund von Anwerbeverträgen in die damalige Bundesrepublik kamen. Damals waren sie jung (dazu gesund und arbeitsfähig). Heute ist ein Teil von ihnen bereits alt geworden (und kränker als der Durchschnitt der hier geborenen Gleichaltrigen). Dorothea Grieger besichtigt Asymmetrien und in Gang gekommene Prozesse. Sie gibt einen Überblick über das asymmetrische Verhältnis zwischen den Bedarfen älterer MigrantInnen und dem Stand, auf dem deren Befriedigung institutionell angekommen ist.

Damalige Arbeitsmigrant/innen waren nicht zuletzt dafür eingesetzt, einheimische weibliche Arbeitskräfte vom Arbeitsmarkt fern zu halten;2 sie haben mit ihrer Arbeit auch die deutsche Wirtschaft voran gebracht und bereichert.

Heute sind manche von ihnen Frührentner oder arbeitslos. Migrantinnen und Migranten ab 60 sind eine schnell wachsende Bevölkerungsgruppe: Ende 2003 waren es 758.000 Menschen, davon 441.900 Männer und 316.1000 Frauen. Schätzungen gehen aus von 1,3 Millionen bis zum Jahr 2010, bis 2030 von 2,8 Millionen 3. Der Männeranteil ist höher als der der Frauen und wird es vermutlich bleiben, anders als bei den Deutschen. Hochaltrige ab 80 Jahren sind insgesamt noch selten. Die größte Gruppe unter den hier lebenden Älteren kam aus den ehemaligen Anwerbeländern, unter diesen am häufigsten mit 19,9% spanischer Herkunft, dann kroatischer, griechischer, italienischer, serbischer und montenegrinischer, portugiesischer und türkischer und bosnisch-herzegowinischer. Derzeit sind 10,2 Prozent der in Deutschland lebenden Türkinnen und Türken über 60 Jahre alt, in der Hauptstadt Berlin mit 9,65% leicht unter dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Bestandsaufnahmen

Die Einkommen älterer Migrantinnen und Migranten liegen wesentlich niedriger als die von Deutschen.4 Das bedeutet ein hohes Armutsrisiko. Am stärksten davon betroffen sind ältere Türkinnen und Türken. Gründe dafür sind kürzere Gesamtarbeitszeiten, schlechtere Bezahlung der geleisteten Arbeit (meist aus Un- oder Angelerntentätigkeiten). Auch die häufigere vorzeitige Verrentung aus gesundheitlichen Gründen wegen Schwerarbeit und ungünstiger Arbeitsbedingungen spielt hierbei eine Rolle; demzufolge erhalten die Älteren auch niedrige Renten.

Bis heute sind die Wohnverhältnisse von Migrantinnen und Migranten schlechter als die von Deutschen. Nach Untersuchungen des sozioökonomischen Panels5 gibt es einen "Ausländerfaktor", nach dem die Tatsache, Ausländer oder Ausländerin zu sein, zur Benachteiligung auf dem Wohnungsmarkt beiträgt.

Im Vergleich zur aus der Bundesrepublik bzw. Deutschland stammenden Bevölkerung leben ältere Migrantinnen und Migranten in kleineren und schlechter ausgestatteten Wohnungen. Die nach Herkunftsnationalität aufgeschlüsselte Verteilung auf Ein-, Zwei- und Mehrpersonen-Haushalte zeigt Tab. 1.

Zudem leben sie zu einem erheblich höheren Anteil als Deutsche in Mehrpersonen-Haushalten- ältere Migrantinnen ab 65 Jahren, wie auch ältere deutsche Frauen, zu einem deutlich höheren Anteil in Einpersonenhaushalten als Männer (vgl. Tab. 2).

Ältere Migrantinnen und Migranten vor allem türkischer Herkunft sind eine besonders große Gruppe unter den in Mehrgenerationenhaushalten Lebenden.6 Das kann im Fall von Pflegenotwendigkeiten durch Familienangehörige ein Vorteil sein. Ist die Wohnform des Mehrgenerationenhaushalts aber mit einer kleinen und/oder für Pflegebedürftigkeit nicht ausgestatteten Wohnung gekoppelt, entsteht eine ungünstige Situation für alle Beteiligten.

Als die ersten Arbeitsmigranten in die Bundesrepublik kamen, wurden sie sehr genau auf ihre Gesundheit hin untersucht. Demzufolge waren sie auch lange Zeit weniger häufiger krank als gleichaltrige Deutsche. Dieser "Healthy Migrant Effect" hielt über 20 Jahre lang an. Heute allerdings sind ältere Migrantinnen und Migranten häufiger und früher von geriatrischen Krankheiten betroffen als gleichaltrige Deutsche.7 Häufiger als Deutsche derselben Altersgruppe leiden sie auch unter chronischen Krankheiten und Multimorbidität. Insbesondere ältere Migrantinnen berichten nach neuen nationalen wie internationalen8 Studien über einen besorgniserregend schlechten Gesundheitszustand. Dies betrifft die physische wie psychische Gesundheit.9

Andererseits sind sie von schweren Krankheiten wie Herz- Kreislaufschwäche oder bestimmten Krebsarten (zur Zeit noch) weniger betroffen als Deutsche, und das Sterberisiko von älteren Migrantinnen und Migranten ist (noch) geringer als das der deutschen Bevölkerung gleichen Alters.10 Ein oft vermuteter eigener, besonders für ältere Migrantinnen und Migranten geltender Krankheitsfaktor kann aus der Forschungslage nicht abgeleitet werden: Demenzerkrankungen sind nach neueren Studien bei Menschen mit Migrationshintergrund in etwa gleich häufig wie bei der jeweiligen Mehrheitsbevölkerung.11

Noch: familiäre Netzwerke

Ältere Arbeitsmigrantinnen und - migranten haben selbstverständlich einen Anspruch auf Unterstützung sowie ambulante und stationäre Versorgung im Alter. Im 6. Familienbericht wie auch im 3. Altenbericht der Bundesregierung wird explizit auf die große Bedeutung familiärer Netzwerke in Migrantenfamilien Bezug genommen.12 Dennoch ist eine Versorgung bei Krankheit und/oder im Alter, von der auch deutsche Beratungsdienste wie Altenhilfe und Migrationsberatung manchmal immer noch ausgehen, längst nicht mehr als Selbstverständlichkeit leistbar. Abzusehen ist, dass sich in Migrantenfamilien Strukturen so verändern werden, dass z.B. aus Gründen räumlicher Trennung oder Berufstätigkeit mehrerer Familienmitglieder die Versorgung zunehmend durch die sozialen Regeldienste erfolgen muss.

Emotional befinden sich ältere Migrantinnen und Migranten häufig in einem Dilemma: einerseits möchten sie an ihrem bisherigen Lebensplan festhalten, der die Rückkehr in die Heimat vorsah - eine Vorstellung, die die internationale Migrationsforschung häufig mit dem Begriff "Rückkehrillusion" kennzeichnete, indirekt damit den dauerhaften Charakter der Zuwanderung betonend - , andererseits gibt es in Deutschland durch Kinder und Enkel inzwischen so viele familiäre Bindungen, dass das Weiterleben hier attraktiv wird. Das Pendeln zwischen beiden Ländern als Kompromiss - bei guter Gesundheit und ausreichenden finanziellen Mitteln an sich eine gute Möglichkeit - ist mit zunehmendem Alterungsprozess keine Dauerlösung. Auch rechtliche Einschränkungen behindern das Pendeln: Nach § 37 Abs. 5 des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG) besteht ein Recht auf Wiederkehr für Ausländer, die im Bundesgebiet Rente beziehen und sich über 8 Jahre rechtmäßig in Deutschland aufgehalten haben. Nach § 51 AufenthG erlischt der Aufenthaltstitel jedoch, wenn jemand aus einem "seiner Natur nach nicht vorübergehenden Grund" ausreist oder ausreist und nicht binnen sechs Monaten oder einer von der Ausländerbehörde bestimmten längeren Frist wieder einreist. Ausnahmen hierzu gibt es für Ausländer mit Niederlassungserlaubnis, die sich 15 Jahre rechtmäßig in Deutschland aufgehalten haben, sofern der Lebensunterhalt gesichert ist. Letzteres wird für AusländerInnen und Ausländer mit kleiner Rente, die ergänzende Sozialhilfe beziehen, zumProblem.

Die Annahme und Erwartung, dass die Kinder von Arbeitsmigrantinnen und -migranten Hilfeleistungen erbringen, unterliegt häufig der sozialen Kontrolle der ethnischen Gemeinschaft. Die Auseinandersetzung über unterschiedliche Normen und Werte und dementsprechende Handlungsweisen zwischen den Generationen kann daher schwierig sein. Aber längst nicht alle älteren MigrantInnen erwarten Hilfeleistungen von ihren Kindern, wie es bei älteren Deutschen ebenso der Fall ist, will auch die Mehrheit von ihnen selbständig und selbstbestimmt leben. Vor allem ältere Migrantinnen äußern sich nach der oben genannten Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in diesem Sinne.13

Barrieren und Zugänge

Informationsdefizite und damit Bewertungsschwierigkeiten stellen häufig Zugangsbarrieren gegenüber deutschen Institutionen und der Möglichkeiten ihrer Nutzung dar. "Lieber Knoblauchsuppe zu Hause als Kaninchen im Altenheim", so die Äußerung einer älteren Migrantin aus Spanien.14 Dieser Satz bringt Vorstellungen über die deutsche Altenhilfe auf den Punkt. Die eigenen rechtlich gesicherten Ansprüche an das deutsche Altenhilfesystem sind häufig nicht bekannt, ebenso wenig ambulante Dienste. Auf Seiten der Migranten können Zugangsbarrieren ferner Verständigungsprobleme, Hemmungen vor deutschen Institutionen auf Grund negativer Erfahrungen mit Institutionen sowie Unsicherheiten über rechtliche Konsequenzen bei einer Inanspruchnahme von Sozialleistungen sein.

Seitens der deutschen Institutionen wird die Notwendigkeit interkultureller Öffnung wegen des - scheinbar - noch nicht vorhandenen Bedarfs häufig nicht gesehen. Unkenntnis verursacht eine allgemeine Rat- und Hilflosigkeit bei der Entwicklung von Angeboten, die auch Migrantinnen und Migranten mit einbeziehen. Kenntnisse über das Migrationsgeschehen, Migrationsgeschichte und -entwicklung sind dürftig, Kontakte zur potenziellen Klientel bestehen kaum. Es überwiegen monokulturelle Ausrichtung und wenig Sprachenvielfalt.

Dennoch sind seit einer Reihe von Jahren viele Projekte und Maßnahmen zur Verbesserung der Lage und zur interkulturellen Öffnung der Altenhilfe entstanden. Auf den verschiedensten Ebenen wird dabei auch die Partizipation von Migrantenorganisationen an der Gestaltung von Angeboten thematisiert- ein Beitrag zur Integration. Wertschätzung und Dialog auf gleicher Augenhöhe sind Voraussetzungen für den Erfolg solcher Projekte.

Seit 1998 setzt sich die Informationsreihe "Älter werden in Deutschland" erfolgreich für ältere Migranten aus der Türkei ein.15 Sie wird zur Zeit im Rahmen eines Promotionsvorhabens evaluiert. Außerdem wird die Informationsreihe derzeit für russischsprachige Zuwanderer übersetzt und auch inhaltlich an deren Bedürfnisse angepasst. Im Oktober 2004 haben Träger der Freien Wohlfahrtspflege, das Kuratorium Deutsche Altershilfe und über sechzig weitere Verbände und Einrichtungen der Altenhilfe die Kampagne für eine kultursensible Altenhilfe Aufeinander zugehen - voneinander lernen16 auf den Weg gebracht. Sie soll bis Anfang 2006 vielfältige regionale und lokale Vorhaben für eine kultursensible Altenhilfe anstoßen. Das bereits 2002 vorgestellte Memorandum für eine kultursensible Altenhilfe 17 soll publik gemacht und in die Praxis umgesetzt, konkrete Schritte zur kultursensiblen Altenhilfe und- pflege vor Ort sollen unterstützt und die Partizipation älterer Migrantinnen und Migranten an Altenhilfestrukturen gefördert werden. Ein bedeutender Schritt in der Ausbildung für eine kultursensible Altenhilfe wurde 2002 mit der in Zusammenhang mit der Neuregelung der Altenpflegeausbildung erlassenen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Altenpflegerinnen und -pfleger getan. Die Ausbildungsordnung sieht jetzt vor, dass die Auszubildenden im theoretischen und praktischen Unterricht ethnienspezifische und interkulturelle Aspekte sowie Glaubens- und Lebensfragen erlernen und in die Pflege integrieren können. Eine ähnliche Regelung gibt es inzwischen auch für die Krankenpflegeausbildung.

Mit der bundeszentralen Informations- und Kontaktstelle für die Arbeit mit älteren Migranten (IKoM), die von der Aktion Courage getragen und vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie der Bundesstadt Bonn gefördert wird, ist eine strukturbildende und vernetzende Einrichtung entstanden. IKoM bietet als erste Einrichtung in der Bundesrepublik einen Überblick über die vorhandenen Fachkenntnisse im Bereich Altenhilfe für Migrantinnen und Migranten. Die Kontaktdatenbank enthält Informationen über Projekte und Angebote in ganz Deutschland, und die Literaturdatenbank ermöglicht einen Überblick über Veröffentlichungen zum Thema. Der IKoM-Newsletter informiert in regelmäßigen Abständen über Projekte, Neuerscheinungen, Veranstaltungen und Weiterbildungsangebote. Fachkräfte und Fachstellen erhalten darüber hinaus Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung von Angeboten für ältere Migrantinnen und Migranten.

Erste Schritte - politische Bedarfe

Die Bedürfnisse älterer Migrantinnen und Migranten werden in den letzten Jahren bei den zuständigen Fachstellen des Bundes, der Länder und vieler Kommunen in Planungs- und Projektvorhaben verstärkt berücksichtigt. Beispielsweise bezieht die Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz Berlin in ihren Leitlinien der künftigen Seniorenpolitik auch die Lebenssituation älterer Migrantinnen und Migranten ein. Auch das Land Rheinland-Pfalz unterstützt ihre Integration in bestehende Strukturen durch die Leitlinien seiner Seniorenpolitik. Gleiches gilt für das Land Nordrhein-Westfalen. 2003 bezog der Düsseldorfer Landtag Senioren mit Migrationshintergrund ausdrücklich in die Weiterentwicklung seiner Integrationsoffensive mit ein, und die Enquêtekommission Situation und Zukunft der Pflege in NRW beschäftigt sich im Rahmen einer Bestandsanalyse ebenfalls mit der Versorgung älterer Migrantinnen und Migranten.

Neben der Förderung von Projekten durch Fachministerien findet das Thema Ältere Migranten auch in bestehende und von Bundesministerien initiierte und geförderte Aktivitäten der Altersforschung und -planung Eingang. So wird sich der vom BMFSFJ 2002 in Auftrag gegebene Alterssurvey erstmalig auch mit Lebenslagen älterer Migrantinnen und Migranten beschäftigen. Bei dieser empirisch-quantitativen Untersuchung werden Daten erhoben, die einen Vergleich der Lebenssituationen älterer Deutscher und älterer Menschen mit Migrationshintergrund erlauben. Die Ergebnisse können als Informationsgrundlage für Entscheidungsträger und weitere wissenschaftliche Forschungen dienen. Ebenso wird der 2006 erscheinende 5. Bericht zur Lage der älteren Generation in Deutschland auf der Grundlage wissenschaftlicher Gutachten viele aktuelle Informationen über ältere Migrantinnen und Migranten enthalten.

Vor dem Hintergrund der kontinuierlich steigenden Bevölkerungsanteile älterer Migrantinnen und Migranten in Deutschland wächst auch der Bedarf an einer auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Regelversorgung durch die sozialen Dienste.18 Bei den Angeboten kultursensibler Altenhilfe und Altenpflege sind deutliche Fortschritte zu verzeichnen, die zum Teil bereits strukturbildenden Charakter haben. Von der Existenz einer umfassenden und systematischen kultursensiblen Versorgungslage kann dennoch nicht die Rede sein. Weitere Anstrengungen zur Verstetigung begonnener Prozesse und Erzielung von Nachhaltigkeit werden gebraucht.

Dafür müssen die demografische Entwicklung und die Lebenslagen der älteren Migrantinnen und Migranten aufgearbeitet und systematisch in der Sozialberichterstattung von Bund, Ländern und Kommunen aufgegriffen werden. Eine Aufarbeitung von Daten müsste bedenken, dass die Bedarfe von Menschen mit Migrationshintergrund nicht ausreichend berücksichtigt werden können, wenn dort weiterhin allein das Kriterium der Staatsangehörigkeit zur Grundlage der Erhebungen gemacht wird. Zudem ist eine umfassendere und gründlichere Erhebung der Bedarfe älterer Menschen mit Migrationshintergrund durch gezielte Einzelstudien nötig.

Angemessene Versorgung kann und wird nicht ohne Partizipation der Betroffenen gelingen. Eine nachhaltige interkulturelle Öffnung der Altenhilfe und Altenpflege zu gewährleisten erfordert, dass Fachstellen der Verwaltung und Träger von Versorgungseinrichtungen auf die eigene Beteiligung von Migrantinnen und Migranten besonderen Wert legen. Angesichts der Bedeutung eigenethnischer Netzwerke für die erste Generation älterer Migrantinnen und Migranten sollten Selbsthilfeorganisationen und eigenethnische Netzwerke bzw. deren Multiplikatoren gezielt in die Planung und Ausgestaltung kultursensibler Angeboten der Altenhilfe und Altenpflege einbezogen werden.

Die interkulturelle Öffnung der Regeldienste bleibt eine wichtige Forderung mit Blick sowohl auf eine angemessene Versorgung älterer Migrantinnen und Migranten als auch als Teil der Modernisierung der Altenhilfe. Dieses Ziel sollte in den Leitlinien der Träger und Förderer und damit institutionell verankert werden. Nur wenn Leitungen der jeweiligen Institutionen diesen Prozess unterstützen, wird allerdings die Umsetzung von Leitlinien erfolgreich sein: dafür muss sie von allen getragen werden. Nicht zuletzt geht es um Veränderungen in der Personal- und Organisationsstruktur. Aus - und Fortbildung zu kultursensibler Altenhilfe und Altenpflege sollten deshalb auch fester Bestandteil der Organisations- und Personalentwicklung sein.


Anmerkungen

1) Damals handelte es sich vorwiegend um Männer; die Formulierung ohne weibliche Endung macht hier also Sinn. Auch im Folgenden versucht dieser Beitrag die geschlechterspezifischen Endungen je nach dem sinnhaften Kontext zu verwenden. Er beruht auf einem Vortrag bei der 15. Gerontopsychiatrische Arbeitstagung Alter und Migration am 2. Juli 2005 in Tübingen.

2) Vgl. Knut Dohse, Ausländische Arbeiter und bürgerlicher Staat. Gemese und Funktion von staatlicher Ausländerpolitik und Ausländerrecht. Vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik Deutschland, Königstein/Ts. 1981

3) Die Tabellen wurden erstellt von Heike Bleek, Arbeitsstab der Integrationsbeauftragten.

4) Ingrid Zucci/ Gerd Wagener, Einkommensarmut bei Zuwanderung überdurchschnittlich gestiegen, in: DIW Berlin (Hrsg.), Wochenbericht, H. 5, 2005, Berlin 2005

5) Wochenbericht des DIW (Hrsg.) 30/2001, Berlin 2001

6) Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (Hrsg.), Sechster Bericht über die Lage der Ausländer und Ausländerinnen in Deutschland, Berlin, August 2005

7) Oliver Razum/Ingrid Geiger/Hajo Zeeb/Ulrich Ronellenfitsch, Gesundheitsversorgung von Migranten, in: Deutsches Ärzteblatt 101, H. 43, Deutsches Ärzteblatt Verlag, Köln 2005

8) Minority Elderly Health and Social Care in Europe, Summary Findings of the Minority Elderly Care (MEC) Project, European Commission, Priae Research Briefing, December 2004, Brüssel 2005.

9) Wielant Machleidt/ Dorothea Grieger/Ahmet Kimil/Björn Menkhaus/Ramazan Salman, Integration von älteren Migranten in Psychiatrie, Psychotherapie und psychosozialen Hilfsangeboten - ein Überblick; demnächst in: Psychotherapie im Alter.

10) Razum u.a. 2005, a.a.O.

11) Expertenanhörung Versorgung von psychisch erkrankten älteren Migranten/innen, Berliner Senat (Hrsg.), Berlin 2005

12) Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, jeweils Berlin 2000 und 2001

13) Ingrid Matthäi, Die "vergessenen Frauen" aus der Zuwandergeneration. Zur Lebenssituation von allein stehenden Migrantinnen im Alter, Wiesbaden 2005

14) Angelika Ertl, afw-Arbeitshilfe Praxisfeld Interkulturelle Altenpflege Darmstadt, 2000. Der zitierte Satz, vielleicht mit Gemüse- statt Knoblauchsuppe, könnte freilich auch von hier geborenen Menschen ausgesprochen worden sein - je nach ihrem Blick auf Altenheime und nach tatsächlichen Lagen älterer Menschen in ihnen.

15) Die Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen (Hrsg.), Älter werden in Deutschland, Fachtagung zu einer Informationsreihe für ältere Migranten, Berlin und Bonn 2001

16) Arbeitskreis Kampagne für eine kultursensible Altenhilfe, Deutsches Rotes Kreuz (Hrsg.), Kampagne für eine kultursensible Altenhilfe "Aufeinander zugehen - voneinander lernen", Dokumentation der Auftaktveranstaltung vom 1. Oktober in Berlin, Berlin März 2005. Vgl. auch Pressemeldung des AWO-Bundesverbandes vom 5.7.2005, Zwischenbilanz, unterwww.kultursensible-altenhilfe.de

17) Arbeitskreis Charta für eine kultursensible Altenpflege/Kuratorium Deutsche Altenhilfe (Hrsg.), Für eine kultursensible Altenpflege. Eine Handreichung, Köln, Juni 2002

18) Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (Hrsg.), Sechster Bericht über die Lage der Ausländer und Ausländerinnen in Deutschland, Berlin, August 2005 Web-Adressen: www.integrationsbeauftragte.de (darin u.a.: Sechster Bericht über die Lage der Ausländer und Ausländerinnen in Deutschland; Ältere Migrantinnen und Migranten - Hintergrundinformationen und Handlungsfelder, Berlin, April 2005, u.v.a.);www.bmfsfj.de (Untersuchung zu älteren Migrantinnen, demnächst der fünfte Bericht zur Lage der älteren Generation in Deutschland, mit dem Schwerpunkt "Potenziale des Alters", 30.08.2005 Flyer, der Bericht erscheint 2006;www.ikom.de (Infonetz zu Lage und Versorgung älterer Migrantinnen und Migranten).


Dr. Dorothea Grieger arbeitet als Wissenschaftliche Referentin bei der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte sind der Gesundheitsbereich mit Bezug auf Migration und die psychosoziale und gerontopsychiatrische Versorgung älterer Migrantinnen und Migranten.

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