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Klaus Holzkamp

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Entfristungsoffensive an den Hochschulen!

25.12.2016: Wittenberger Erklärung der Bildungsgewerkschaft GEW

  
 

Forum Wissenschaft 4/2016; Juergen Faelchle / Shutterstock.com

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert Bund und Länder auf, mit einer "Entfristungsoffensive" für bundesweit 50.000 zusätzliche Dauerstellen an den Hochschulen zu sorgen. Das ist eine der zentralen Forderungen der Wittenberger Erklärung, die die Bildungsgewerkschaft zur 9. GEW-Wissenschaftskonferenz vom 28.9. bis 1.10.2016 in Lutherstadt Wittenberg vorgelegt hat.

Die Wittenberger Erklärung ist zum einen ein Beitrag zur 2010 mit dem Templiner Manifest1 gestarteten Kampagne für den "Traumjob Wissenschaft". Darauf haben etliche Hochschulen mit Selbstverpflichtungen im Sinne der Vorschläge des 2012 vorgelegten Herrschinger Kodex "Gute Arbeit in der Wissenschaft"2 reagiert. Einige Länder haben ihre Hochschulgesetze novelliert bzw. einen Rahmenkodex für gute Beschäftigungsbedingungen ausgehandelt, so Nordrhein-Westfalen, Sachsen und zuletzt Bremen. Im Februar 2016 ist das novellierte Wissenschaftszeitvertragsgesetz in Kraft getreten.3 Im Juli folgte die Zustimmung der Regierungschefinnen und Regierungschefs des Bundes und der Länder zum Programm für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Mit der Wittenberger Erklärung möchte die GEW die Dynamik der Auseinandersetzung um verlässliche Karrierewege und faire Beschäftigungsbedingungen in der Wissenschaft aufrechterhalten: Über ein Programm zur Schaffung von Tenure-Track-Professuren hinaus soll durch eine Entfristungsoffensive für mehr Dauerstellen für Daueraufgaben im Mittelbau gesorgt werden.

Insofern ist die Wittenberger Erklärung zugleich ein Beitrag zur Debatte über die Bildungs- und Wissenschaftsfinanzierung und schlägt die Brücke zur im Sommer 2016 von der GEW gestarteten Initiative "Bildung. Weiter denken!"4 Unter dem Motto "Geld her - oder wir schließen …" macht sich die GEW für eine "Bildungs- und Wissenschaftsfinanzierung aus einem Guss" stark. Dabei stützt sie sich auf eine wissenschaftliche Expertise, die das Institut für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung vorgelegt hat.5 Danach muss allein an den Universitäten die Zahl der Professorinnen und Professoren um über 80 Prozent, die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um mindestens 30 Prozent erhöht werden. In weiteren Abschnitten der Wittenberger Erklärung fordert die GEW eine Reform der Studienfinanzierungen sowie bessere Studienbedingungen für eine inklusive Hochschule.

Aus Sicht der GEW ist die Zeit jetzt reif für eine Entfristungsoffensive im akademischen Mittelbau. Nachdem das Kooperationsverbot im Grundgesetz für den Wissenschaftsbereich bereits 2014 gelockert worden ist, kann sich der Bund nicht länger aus der Verantwortung stehlen: Er muss den Ländern bei der Verbesserung der Grundfinanzierung der Hochschulen unter die Arme greifen. Darüber hinaus macht sich die Bildungsgewerkschaft für eine Aufstockung des Pakts für den wissenschaftlichen Nachwuchs stark, über den Bund und Länder 1.000 Tenure-Track-Professuren an den Universitäten schaffen wollen. Außerdem sollten sie auch für Fachhochschulen ein Tenure-Track-Programm auflegen. Vielen Fachhochschulen fehlen qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber für ihre Professuren, weil diesen die geforderte Berufserfahrung in der Praxis fehlt. Mit 500 Tenure-Track-Professuren für die Fachhochschulen sollten Bund und Länder qualifizierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Option eröffnen, die fehlende Praxisqualifikation im Rahmen eines "Tenure Track Professional" zu erwerben.

Anmerkungen

1) www.templiner-manifest.de.

2) www.herrschinger-kodex.de.

3) Vgl. Andreas Keller / Sonja Staack 2016: "Endlich gute Arbeit in der Wissenschaft? Nach der Novelle des Befristungsrechts", in: Forum Wissenschaft 3/2016: 22-25.

4) www.gew.de/weiter-denken/.

5) Anke Burkhardt 2016: Professorinnen, Professoren, Promovierte und Promovierende an Universitäten. Leistungsbezogene Vorausberechnung des Personalbedarfs und Abschätzung der Kosten für Tenure-Track-Professuren, Frankfurt am Main, www.gew.de/presse/pressemitteilungen/detailseite/neuigkeiten/gew-bund-und-laender-muessen-entfristungsoffensive-an-hochschulen-starten/.

Dr. Andreas Keller, Stellvertretender Vorsitzender der GEW und Vorstandsmitglied für Hochschule und Forschung.

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