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»Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen.«

Klaus Holzkamp

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Gain und Drain

09.04.2016: Kolumne

  
 

Forum Wissenschaft 1/2016; Foto: Pressmaster / shutterstock.com

Wenn Sie die Homepage Ihrer Uni aufsuchen, stoßen Sie schnell auf den Button "Weltoffene Hochschulen - gegen Fremdenfeindlichkeit". Es ist eine Initiative der Rektorenkonferenz. Weitere Links führen zu den Aufrufen zahlreicher Hochschulen gegen Rassismus und zu Projekten vor Ort. Informiert wird über Studienzulassung und -vorbereitung sowie finanzielle Unterstützung. Die "Philipp Schwartz-Initiative" der Alexander von Humboldt-Stiftung gibt, wie letztere bekannt gemacht hat, "Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutschland die Möglichkeit, gefährdete Forschende im Rahmen eines Vollstipendiums für 24 Monate aufzunehmen. Derzeit stehen Mittel für 20 Stipendien bereit, die im Rahmen einer Auswahlrunde vergeben werden und einen einheitlichen Förderbeginn am 1. Juli 2016 haben."

Wer nicht allein an das Gute im Menschen glaubt, erinnert sich an ein ziemlich neues Wort: "Braingain". Ein Land, das in Immigration investiert, gewinne dadurch Humankapital.

Der britische Ökonom Paul Collier sieht das genauso, wertet es aber anders. Der Welt vertraute er an:

"Es machen sich vor allem die vergleichsweise gut ausgebildeten und relativ Wohlhabenden auf den Weg. Genau diese Menschen werden auch nicht wieder zurückgehen, wenn sie einmal im Westen Fuß gefasst haben. Den Krisenländern fehlen dann genau jene Menschen, die sie für eine stabile Zukunft am dringendsten brauchten." Er spricht (zumindest nach der deutschen Übersetzung in der Welt) von "Wohlstandsflüchtlingen", die in den "Wohlstandshimmel" wollen.

Also: Der Braingain der einen ist der Braindrain der anderen. Collier ist dagegen. Die Flüchtlinge sollen in sicheren Nachbarländern ihrer eigenen Staaten bleiben.

Wie lange es dauern wird, bis ein zerbombtes Land oder ein Failing State wieder imstande ist, das Humankapital der Menschen, die von dort fliehen mussten, zu nutzen, weiß auch Collier nicht. Diejenigen, die ihre Qualifikation jetzt einsetzen wollen, wissen, dass sie nur einmal leben. Wenn es Freizügigkeit für Waren und Kapital gibt, warum dann nicht auch für Menschen?

Vielleicht wäre es schlauer, über die Beseitigung des Gefälles zwischen den Wohlstandhimmeln und -höllen nachzudenken.

Georg Fülberth

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