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»Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen.«

Klaus Holzkamp

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Die Frage kommender 68er

15.11.2007: Klimawandel: Nicht vorherzusehen?

Generationen-Fragen ändern sich. Hans-Jochen Luhmann prognostiziert eine und nennt die Achsen, auf denen die Antwort des bisherigen Handelns lag.

Hartmut Graßl ist der Altmeister der Klimaforschung in Deutschland. Er hat, altersweise, Klärung zu einer Frage geboten, die gegenwärtig als latenter Konflikt zwischen Jung und Alt lediglich schmort – in wenigen Jahren wird sie offen zu Tage treten.

Heute herrscht noch Begriffsstutzigkeit. Die schützt die Alten, weil die Jungen nicht sehen. Ist das endlich überwunden, so wird den Alten Sturm ins Gesicht blasen. Dann wird den Alt-68ern die ihnen bekannte Frage in den Ohren klingeln: Wieso habt Ihr die frühen Anzeichen nicht ernst genommen? Ihr entzieht Euch mit der Formel ‚Es war wissenschaftlich nicht abzusehen‘? Ihr, wer sonst, wusstet doch: Wissen kommt von Neugier – gegen alle Angst.

Geschrieben ist Graßls Text für „Gaia“.1 Das ist eine wissenschaftliche Zeitschrift anderer Art. Ihr Motto: „Undiszipliniert! Forschung ohne Fachgrenzen.“ Dort wird nach international üblichen Qualitätsmaßstäben und zugleich leserInnenbezogen geschrieben – so etwas gibt’s.

Was Graßl klärt, ist die Struktur: Über den Zeitpunkt, zu dem wir wissenschaftlich vom Klimawandel gewusst haben, wurde zwingenderweise nicht-wissenschaftlich entschieden – also von uns Alten selbst. Sie hing nämlich ab von der Anforderung an die Gewissheit, mit der wir etwas ‚wissen‘ wollen. Je mehr Gewissheit zu verlangen wir entschieden haben, desto mehr wurde zwischenzeitlich die Grundlage des Lebens der Kinder und Enkel destabilisiert, also Unsicherheit produziert.

Söhne und Töchter werden ihre Eltern somit fragen: Wieso wart ihr in so extremer Weise auf Eure Gewissheit des Wissens fixiert, zu Lasten der Sicherheit unserer Lebensgrundlage? Von Eltern erwarten wir eigentlich nicht Extremismus, sondern (mindestens) fairen Ausgleich.

Anmerkung

1) www.oekom.de/zeitschriften/gaia/archiv/detail/heft/337.html .


Dr. Hans-Jochen Luhmann ist am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie verantwortlich für Grundsatzfragen in der Forschungsgruppe Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen. Seine Arbeitsgebiete sind insbesondere Klima-, Steuer- und Wahrnehmungspolitik.

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