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Klaus Holzkamp

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Zu wenig Professoren ...

15.11.2007: ... für erneuerbare Energien

Die Zahl der Studiengänge, mit denen sich junge Leute fit für einen Job in der Wachstumsbranche machen können, ist immens gewachsen, ergab eine Studie des Wissenschaftsladens Bonn. Doch die öffentliche Hand geizt mit den Stellen. Theo Bühler vom Wissenschaftsladen Bonn beschreibt die Lage.

Jede zehnte Ingenieurstelle hat heute bereits mit erneuerbaren Energien zu tun, schätzt der Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Und der Anteil wird, betrachtet man den Wachstumskurs der Branche, weiter wachsen. „Firmen und Experten fordern einen starken Ausbau der branchenspezifischen Ausbildungs- und Studienangebote“, sagt Theo Bühler, Arbeitsmarktexperte beim Wissenschaftsladen Bonn. Gefördert vom Bundesumweltministerium untersuchte der Wissenschaftsladen Bonn, welche Ausbildungsangebote es zur Zeit gibt und welche Anforderungen die Unternehmen stellen. Die Unternehmen, so ein Ergebnis, haben massive Probleme, ausreichend geschulte Fachkräfte zu bekommen. Ihre Strategie: Sie schulen die meisten neuen Mitarbeiter aufwändig durch ‚Training in the Job‘.

245 Studienangebote, die sich mit erneuerbaren Energien beschäftigen, benannten die Bundesländer dem Wissenschaftsladen Bonn. Doch da schmückt sich manches Bundesland, manche Hochschule mit dem Modethema: 101 dieser Angebote haben nur einzelne Seminare oder sonstige Lehrveranstaltungen im Programm. Theo Bühler: „Vollständig auf Erneuerbare Energien bzw. auf Windenergie, Geothermie oder Bioenergie ausgerichtet sind gerade einmal 41 dieser 245 Studienangebote.“ 103 Studienangebote setzen immerhin einen Schwerpunkt in diesem Thema (s. Grafik). Die meisten Angebote machen dabei die Hochschulen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Nur 35 Professoren in Deutschland befassen sich ausschließlich mit Lehre und Forschung im Bereich Erneuerbare. 295 Profs, so ergab die Untersuchung, machen Erneuerbare in Teilzeit, die meisten mit einem Arbeitsumfang von deutlich unter 40 Prozent. Bühler: „Das ist zu wenig, um diesem dynamischen Arbeitsbereich, vor allem aber den steigenden Lehr-Anforderungen gerecht zu werden.“ Mit mindestens vier Fachprofessoren sollten Unis normalerweise einen Masterstudiengang ausstatten. Bei den Erneuerbaren hat nicht einmal jeder Studiengang einen Prof, der sich nur dem Thema widmet. Bühlers Fazit: „Bundesländer und Hochschulen nehmen das Thema noch nicht richtig ernst.“ So ist die Zahl derer, die nach der Hochschule einigermaßen fit sind für die Branche, weiterhin mager: Vollständig auf erneuerbare Energien ausgerichtete Studiengänge besuchen knapp 1.200 Studierende.


Diesen Beitrag publizieren wir mit freundlicher Genehmigung des Wissenschaftsladens Bonn und der von ihm herausgegebenen Zeitschrift WILA-inform (Nr. 56, 3/2007, S.3; www.wilabonn.de/WILAinform_56.pdf ). Ansprechpartner beim Wissenschaftsladen für dieses Thema und weitere Informationen ist Theo Bühler. Vgl. auch www.jobmotor-erneuerbare.de .

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