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»Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen.«

Klaus Holzkamp

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Standesfragen

08.10.2015: Kolumne

  
 

Forum Wissenschaft 3/2015; Foto: Torbz – fotolia.com

In einem Urteil von 1972 legte das Bundesverfassungsgericht fest, Beschränkungen des Hochschulzugangs dürften nicht mit dem Bedarf an Absolvent(inn)en eines Fachs begründet werden, aber mit der Knappheit an vorhandenen Studienplätzen.

In der gleichen Zeit begann die Zahl der Abiturient(inn)en, also der Studienberechtigten, zu steigen. So entstand eine Klemme zwischen Angebot und Nachfrage, denn die Hochschulen wurden einige Jahre lang zwar ebenfalls kräftig ausgebaut, aber nicht in dem Maße, das nötig gewesen wäre. Engpässe entstanden insbesondere in Fächern mit hohem technischen Aufwand (Bereitstellung von Laborplätzen) und in der Medizin. Beim Numerus clausus spielten die Abiturnoten die entscheidende Rolle, nach einiger Zeit auch für andere Fächer.

Hierüber ist nunmehr eine Diskussion entstanden. Die Best-Zensur, letztlich die 1 vor dem Komma, falle zu oft an, sie sei entwertet. Eltern, die ihre Sprösslinge für höchstbegabt halten (oder auch dieser Nachwuchs selbst, der ebenfalls dieser Ansicht ist), klagen über Schmutzkonkurrenz: offensichtlich getrauten sich die Schulen zu wenig, scharf zu differenzieren, aus Feigheit, über ganze Lebensläufe entscheiden zu müssen. Besonders häufig kommt diese Kritik aus Bayern.

Am schärfsten ist die Konkurrenz um Studienplätze in der Medizin deshalb, weil es hier um den Zugang zu einem prestigeträchtigen und nach wie vor gut dotierten Beruf geht, ohne dass eine in Noten ausdrückbare Spezialbegabung nötig ist. Aber auch für die gesamte Breite der Studienfächer gilt: Akademiker(innen) sind im Durchschnitt seltener arbeitslos und verdienen mehr als Menschen ohne Hochschulabschluss. Deshalb steigt der Zustrom ständig an. Mit der Zahl der Absolvent(inn)en sinkt ihr Marktwert. Aufhebung des Numerus clausus würde diesen Prozess beschleunigen. Seine Aufrechterhaltung liegt also - meist uneingestanden - im Interesse derer, die es geschafft haben, einen Studienplatz zu ergattern. Vorher muss ihnen daran liegen, entweder von der angeblichen Noten-Inflationierung zu profitieren oder diese zu bekämpfen. Es geht um Standesangelegenheiten.

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