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Klaus Holzkamp

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Architektonische Räume des Wissens

19.03.2015: Eine historische Betrachtung zur Universität Frankfurt

  
 

Forum Wissenschaft 1/2015; Foto: Sönke Rahn / Wikimedia Commons

Im Laufe des letzten Jahrzehnts hat die Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität ihren Standort gewechselt. Sukzessiv wurden die verschiedenen Institute und Fachbereiche vom Stadtteil Bockenheim in das Westend verlagert. Dieser Ortswechsel steht zugleich für eine gesellschafts- und wissenschaftspolitische Transformation, wie Klaus Ronneberger in seinem historischen Abriss erläutert.

Während der alte Campus mit seinen funktionalen Zweckbauten die fordistische Massenuniversität verkörpert, scheint die aufwendige Architektur der neuen Universität dem neoliberalen "Exzellenz-Cluster" zu entsprechen. Doch Bauformen sind nicht unmittelbar bestimmten sozialen Verhältnissen zuzuordnen. Sie haben keinen "Sinn" an sich, er wird ihnen vielmehr durch bestimmte Diskurse zugeschrieben. Entsprechend muss eine Analyse der beiden Universitätstypen den jeweiligen historischen Kontext und die spezifischen Auftragsbedingungen berücksichtigen.

Die Kramer-Universität: Demokratisierung und Standardisierung

Die Johann Wolfgang Goethe-Universität wurde 1914 als einzige Bürgerstiftung des Deutschen Kaiserreiches gegründet. Der bis heute bestehende neobarocke, schlossartige Gebäudekomplex des sogenannten Jügelhauses, sichtbarer Ausdruck großbürgerlicher Repräsentationsbestrebungen, bildete für viele Jahrzehnte den baulichen Kern des universitären Betriebs. Als nach dem Ersten Weltkrieg infolge der Inflation die Stiftungsgelder weitgehend verloren gingen, kam es 1923 zu einem Vertrag zwischen dem Staat und der Stadt Frankfurt, demzufolge beide Seiten jeweils zur Hälfte für die finanziellen Defizite der Universität aufzukommen hatten. Im selben Jahr wurde auch das Institut für Sozialforschung (IfS) - gewissermaßen als progressives Gegenprojekt - mit Hilfe einer großzügigen privaten Stiftung gegründet. Doch nach der nationalsozialistischen Machtergreifung mussten die Vertreter der Frankfurter Schule (darunter Adorno und Horkheimer) Deutschland verlassen und das Institut emigrierte in die USA. Während des Zweiten Weltkriegs zerstörten alliierte Bombenangriffe große Teile der Universität, darunter auch das IfS-Gebäude.

Im Herbst 1946 bekundete die Frankfurter Universitätsleitung gegenüber Horkheimer (1895-1973) den Wunsch, die Gesellschaft für Sozialforschung möge doch zurückkehren. Trotz vieler Bedenken nahm der Philosoph die Einladung an. Er wurde wieder als ordentlicher Professor für Sozialphilosophie an die Universität Frankfurt berufen, 1951 dann zum Rektor gewählt und 1952 für eine weitere Amtszeit bestätigt. Horkheimer glaubte, dass die Institution der Hochschule einen enormen Einfluss auf die weitere Entwicklung der postfaschistischen Nachkriegsgesellschaft haben würde. Die Universität stellte für ihn einen zentralen Ort dar, an dem selbständiges Denken eingeübt werden konnte.

Im Jahre 1952 kehrte auch der Architekt und Designer Ferdinand Kramer (1898-1985), ein Jugendfreund von Adorno, aus der Emigration in seine Geburtsstadt Frankfurt zurück. Als Leiter des Universitätsbauamtes sollte er planerisch und architektonisch an der Gründung einer demokratischen Hochschule mitwirken. Kramer hatte sich in den zwanziger Jahren zunächst als Gestalter von Möbeln, Öfen und anderen Alltagsgegenständen und dann als Mitarbeiter des Neuen Frankfurt einen Namen gemacht. Der neue Baudirektor sah sich vor vielfältige Probleme gestellt: Das Hauptgebäude der Universität war im neobarocken Stil wiederhergerichtet worden und viele Institute hatten sich in Villen oder Mietshäusern einquartiert. Kramer ging bei seinen Planungen von einem erheblichen Anstieg der Studentenzahlen aus. Deshalb hatte er ursprünglich eine cité unversitaire auf der "grünen Wiese" mit Studentenwohnheimen und Sportanlagen nach dem Vorbild amerikanischer Campusstädte geplant, doch der Senat der Universität konnte sich mit dieser Idee nicht anfreunden. Trotz solcher Widerstände ließ Kramer nicht nur aus funktionalen, sondern auch aus symbolischen Gründen als erste Baumaßnahme das viel zu enge Portal des gerade wiederhergestellten Hauptgebäudes mitsamt Säulen und Figurenschmuck beseitigen und auf einen sieben Meter breiten Glaseingang erweitern. Gleichzeitig verlagerte er das Rektorat ins Erdgeschoss hinter eine Glasbauwand, genau in die Blickachse des Eingangsbereichs. Kramer verstand diesen Umbau nicht zuletzt als Geste des Aufbruchs in ein neues demokratisches Zeitalter. Doch seine Aktion stieß in der Öffentlichkeit auf vehemente Proteste.1

Der Architekt orientierte sich bei seiner Universitätsplanung am Modell der Fabrik. Dafür stand exemplarisch die Errichtung eines Heizkraftwerks mit einem 120 Meter hohen Betonschlot inmitten des Universitätsgeländes. Dieses technische Funktionsobjekt, das den Campus weithin sichtbar überragt, fassten viele Zeitgenossen als eine Provokation gegen die Würde des "akademischen Geistes" auf. Doch Kramer war der Ansicht, dass man den Arbeitscharakter der Hochschule nicht verbergen, sondern betonen sollte. Sein Konstruktionssystem, Betonfachwerke zu erstellen, deren tragende Teile unverputzt blieben, während die auszufüllenden Flächen mit hellgelben Klinkern verkleidet wurden und im Innenbereich eine flexible Disposition von Zwischenwänden für unterschiedliche Nutzungsweisen erlaubten, erwies sich als ausgesprochen kostensparend.

Kramer entwarf für die Universitätsbauten auch die gesamte Inneneinrichtung. So ließ er beispielsweise in allen Räumen Stahltische mit grauen Kunststoffplatten aufstellen. Diesen Farbton hatte der Architekt aufgrund einer Anregung des Leiters der Augenklinik ausgewählt. Eine elegante Sonderausführung der Kramer-Möbel kam auch ins Rektoratszimmer, doch Horkheimer ließ die Ausstattung aus Repräsentationsgründen durch eine neobarocke Garnitur ersetzen.2

Nach Kramers Ausscheiden gaben Neubauten und Erweiterungen dem Campus ein anderes Gesicht. Für die fordistische Massenuniversität stand insbesondere der sogenannte AfE-Turm ("Abteilung für Erziehungswissenschaften"), der 1972 schräg gegenüber dem Institut für Sozialforschung fertiggestellt wurde und im brutalistischen Architekturstil sein Stahlbeton-Skelett ganz offen zur Schau trug. In den Räumen dieses 116 Meter hohen Gebäudes fanden die Seminare der Fachbereiche für Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften statt, von denen häufig Streik- und Besetzungsaktionen für die gesamte Universität ausgingen. Inzwischen ist der Turm gesprengt worden, um neuen spekulativen Immobilienbewegungen Platz zu machen.

Der Umzug ins I.G. Farben-Haus

Die Architektur Kramers geriet im Laufe der Zeit in einen erbärmlichen Zustand. Ende der achtziger Jahre gab es deshalb im Rahmen von Erweiterungsplänen der Universität auch Überlegungen deren Bausubstanz zu retten. Doch nach dem Bekanntwerden der Auszugspläne der US-amerikanischen Streitkräfte aus dem ehemaligen I.G. Farben-Haus im März 1994 entstand eine völlig neue Situation. In der Debatte über die Verwendungsmöglichkeiten der unter Denkmalschutz stehenden Anlage konnte sich letztlich der damalige Universitätspräsident Werner Meisner mit seinem Vorschlag durchsetzen, den sanierungsbedürftigen Campus einfach aufzugeben und einen Neubeginn auf dem ehemaligen I.G. Farben-Areal zu wagen.

Allerdings stieß der geplante Umzug wegen der Historie des I.G. Farben-Hauses auch auf Widerspruch: Der Chemiekonzern hatte sich aktiv an der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik beteiligt und war deshalb nach dem Krieg von den Besatzungsmächten aufgelöst und die vormalige Frankfurter Konzernzentrale als Sitz des US-amerikanischen Militärgouverneurs für Deutschland genutzt worden. Im Gefolge des Zusammenbruchs des Warschauer Paktes im Jahre 1989 und dem Ende der Blockkonfrontation übergaben dann im Mai 1995 die Vereinigten Staaten den gesamten Gebäudekomplex an die Bundesregierung.

Das I.G. Farben-Haus wird wegen seiner neoklassizistischen Architektur häufig als ein "proto-faschistisches" Bauwerk bezeichnet. Eine Zuschreibung, die angesichts der Entwurfsgeschichte des Gebäudes zu kurz greift. In einem beschränkten Wettbewerb erhielt 1928 Hans Poelzig (1869-1936), damals einer der bekanntesten Architekten in Deutschland, den ersten Preis und wurde mit der Planung des 1928-31 errichteten Gebäudes beauftragt. Nach den Vorstellungen der Bauherren sollte kein rein funktionales Gebäude im Stil des Neuen Bauens entstehen. Tatsächlich gab es damals in den USA und Europa eine ganze Reihe von Verwaltungszentralen für Großunternehmen, die aus repräsentativen Gründen repräsentativ-monumentale Großbauten bevorzugten.

Der Grundriss des I.G. Farben-Hauses besteht aus einem 250 Meter langen Kreisbogensegment, an dem sich sechs radial angeordnete Querflügel aufreihen. Obwohl das Gebäude nur sieben Vollgeschosse umfasst, ragt es wegen der hochliegenden Kellergeschosse bis zu einer Höhe von 35 Metern auf.3 Dabei nimmt die Geschosshöhe nach oben hin leicht ab (von 4,6 auf 4,2 Meter) und das fensterlose Dachgeschoss bildet einen kantigen Abschluss. Die äußere Erscheinung ist durch eine Lochfassade im Stil der Neuen Sachlichkeit und den großflächigen Einsatz von Travertin geprägt, mit dem Poelzig das tragende Stahlskelett des Gebäudes umkleiden ließ. Die gekrümmte Kammstruktur der Anlage "zeichnet zwar den Abfall des Parkgeländes nach und mildert für das Auge die Länge der inneren Korridore. Doch mit dem sechsmal wiederholten Takt der Querflügel, dem gerundeten Eingangsbauwerk und der beherrschenden Hauptachse hinauf zum Casino, spiegelt sie auch den Geltungsanspruch des gewaltigen neuen Industriekonzerns."4 Entworfen als "Stadtkrone" auf einem Hügel, vom umliegenden Stadtraum durch Grünanlagen getrennt, vermittelt die kompakte Anlage mit ihrer horizontalen Betonung und der Natursteinverkleidung den Eindruck einer Festung.5

Nachdem 1996 die Entscheidung fiel, zunächst die geisteswissenschaftlichen Fachbereiche in das I.G. Farben-Haus zu verlagern und dann auf dem umliegenden Gelände den neuen Universitäts-Campus zu errichten, galt es zunächst dem historisch vorbelasteten Gebäude ein neues Image zu verpassen. Durch die Umbenennung in Poelzig-Ensemble sollte nach Bekunden des damaligen Präsidenten Meißner eine "Reinwaschung von national-sozialistischen Bezügen"6 erfolgen. Der Umzug aus dem schäbigen Bockenheim-Campus in den neuen "Premium"-Standort entsprach ganz der Logik der postfordistischen Event-Strategie: "Die neue Universität in Frankfurt", so der spätere Präsident Rudolf Steinberg in einem Interview von 2008, "wird die schönste Universität Deutschlands sein. Sie ist das Gegenteil zu dieser abweisenden Beton-Architektur vieler Universitäten, die kein gedeihliches Umfeld für Wissenschaft bietet. Im Poelzig-Bau gibt es nach sechs Jahren keinerlei Schmierereien an Wänden oder sonstige Zerstörungen. Ich betrachte dies als die zivilisierende Kraft der Ästhetik."7 Dass sich diese Sauberkeit vor allem einer rigiden Ordnungspolitik verdankte, die jegliche Spuren unerwünschter studentischer Aktivitäten (Graffitis, Plakate etc.) umgehend beseitigte, blieb bei diesem Statement unerwähnt.

Der Westend-Campus: Repräsentation und Exzellenz

Der Umzug der Geisteswissenschaften in das aufwendig restaurierte I.G. Farben-Haus im Jahre 2001 und der stufenweise Ausbau des neuen Campus führten dazu, dass die Kramer-Bauten mehr denn je vernachlässigt und teilweise auch abgerissen wurden. Dieser lieblose Umgang mit dem architektonischen Erbe einer sich demokratisch verstehenden Nachkriegsmoderne symbolisierte zugleich den neuen Geist der Hochschulpolitik. Am 1. Januar 2008 trat ein vom Hessischen Landtag beschlossenes Gesetz in Kraft, mit dem die Johann Wolfgang Goethe-Universität in eine rechtlich verselbständigte Stiftung umgewandelt wurde. Dies vergrößerte ihre Autonomie - nicht zuletzt in finanziellen Fragen - und bescherte der Hochschule zusätzliche Gelder und privat gesponserte Lehrstühle. Die neu gewonnene Freiheit der Selbststeuerung, versehen mit den Machtbefugnissen eines Präsidiums, das keiner demokratischen Kontrolle unterlag, verlieh der bereits zuvor eingeleiteten Vermarktlichung von Forschung und Lehre im Zuge der Bologna-Reform zusätzlichen Schwung.

Bezüglich des weiteren Campus-Ausbaus waren sich die Universitätsleitung und die Verantwortlichen des Landes Hessen darüber einig, dass man die "Jahrhundertchance in prominenter Lage" dazu nutzen müsse, einen "internationalen Hochschulstandort mit unverwechselbarem und identitätsstiftendem Gepräge zu entwickeln."8 Als künftiger Bauherr legte das Land Hessen Gestaltungsregeln für die weitere Entwicklung des Campus fest. Im Zentrum stand die Vorgabe, dass die Neubauten, was Material, Farbe und Gestalt anbetraf, mit dem I.G. Farben-Haus zu korrespondieren hätten. "Als erkennbares verbindliches Element sollten Natursteinfassaden ausgebildet werden, die sich in ihrer Farbigkeit und Anmutung gegenüber der Travertinverkleidung der Poelzig-Bautengruppe respektvoll zurücknehmen und die Wirkung des Bestandsgebäudes nicht überhöhen. Auch sollte der Glasflächenanteil nicht überwiegen."9 Solche Überlegungen stießen innerhalb der Fachwelt auf ein geteiltes Echo. Vielfach war von einer rückwärtsgewandten Interpretation der Poelzig-Architektur die Rede. Doch trotz solcher Einwände hielten die Verantwortlichen an ihren gestalterischen Prämissen fest.

2003 wurde ein städtebaulicher Realisierungswettbewerb ausgeschrieben, aus dem der Frankfurter Architekt Ferdinand Heide als Sieger hervorging. Sein Masterplan für den neuen Campus war so angelegt, dass die dominierende Stadtkrone im Sinne Poelzigs erhalten blieb und damit die räumliche Abgrenzung gegenüber der städtischen Umgebung geradezu betont wurde. Ein schärferer Gegensatz zum alten Campus lässt sich kaum denken, denn dort sind die Universität und der Stadtteil Bockenheim eng miteinander verzahnt.

In einem ersten Bauabschnitt wurden 2008 auf der zentralen Bebauungsachse im Anschluss an das Casino ein weiteres Mensagebäude, das Hörsaalzentrum sowie das Wohnheim der katholischen Hochschulgemeinde errichtet. Westlich davon realisierte man das House of Finance und das Doppelgebäude für die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Im zweiten Bauabschnitt kamen u.a. die Neubauten für den Fachbereich Psychologie, Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften (PEG), für das Präsidium der Universität und den Exzellenzcluster Die Herausbildung normativer Ordnungen hinzu. Der letzte Bauabschnitt sieht auf dem 35 Hektar großen Gelände noch weitere Hochschuleinrichtungen vor, darunter die Universitätsbibliothek.

Architekturkritiker wie der FAZ-Autor Dieter Bartetzko zeigten sich von der Realisierung des Masterplans begeistert: "[...] alles führt Poelzigs klassische Moderne fort, aber wandelt deren ernstes Pathos in heitere Gelassenheit. Man assoziiert moderne Renaissance."10 Nüchtern betrachtet kann man eher von einem "disziplinierten Campus"11 sprechen, wo die sogenannte Berliner Schule ein großes Betätigungsfeld fand. Gemäß den vorgegebenen Gestaltungsregeln sind die Gebäude, was deren Architektursprache anbetrifft, als Gesamtensemble in den Spielarten des Neorationalismus konzipiert und nehmen in unterschiedlicher Weise Bezug auf das I.G. Farben-Haus. So lehnt sich Heides Entwurf der Mensa und sein gegenüberliegendes Hörsaalzentrum mit einem toskanischen Travertin an die Struktur und den Farbton der Poelzig-Bauten an. Deren Herrschaftssprache wird nicht gebrochen, sondern affirmativ fortgesetzt. Ein lang gestrecktes Bassin auf dem weitläufigen Platz zwischen Mensa und Hörsaalgebäude schreibt die Verlängerung der Mittelachse fort und spiegelt zugleich das hinter dem I.G. Farben-Haus liegende Wasserbecken wider. Die am Rande des Grüneburgparks gelegenen Institutsbauten der Büros Kleihues+Kleihues (House of Finance) und Müller/Reinmann (Rechts- und Wirtschaftswissenschaften) sind mit einer hellen, fast weißen Travertinsorte verkleidet. "Beide variieren das Thema ›Berliner Lochfassade‹, während Heides Bauten als gemäßigt ›skulpturale‹ Großformen angelegt sind."12 Mensa und Hörsaalgebäude wirken mit ihren großen Glasflächen und den in den Steinkubus eingeschnittenen Fenstern eher wie hypermoderne Museen.

Bei dem House of Finance, das atmosphärisch tatsächlich einem Bankinstitut gleicht, handelt es sich um ein Public-Private-Partnership-Projekt. Die Einrichtung wird von Sponsoren aus der Finanzwirtschaft mitfinanziert. Entsprechend sind in dem universitären "Leuchtturm" die Hörsäle nach den jeweiligen Spendern benannt. Eine Einflussnahme des Kapitals auf Forschung und Lehre gilt von Seiten der Stiftungsuniversität als produktive Bereicherung des Verhältnisses von Theorie und Praxis. Insofern stellt der Campus Westend die steingewordene Architektur einer Hochschulpolitik dar, die auf "Exzellenz" und Marktkonformität setzt.

Anmerkungen

1) Fabian Wurm 1989: "Bauten für den zweiten Blick - Die Architektur des Ferdinand Kramer", in: Die Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte. Februar 1989: 145.

2) Helene Rahms 1982: "Ferdinand Kramers Frankfurter Universitätsbauten", in: Ferdinand Kramer - Architektur & Design. Ausstellung im Bauhaus-Archiv Museum für Gestaltung Berlin, Berlin: 25.

3) Rainer Stommer/Dieter Mayer-Gürr 1990: Hochhaus. Der Beginn in Deutschland, Marburg: 158.

4) Wolfgang Pehnt 2005: Deutsche Architektur seit 1900. München: 170.

5) Heike Heer 2013: "True Colours", in: Diskus 1/2013: 19.

6) Zit. nach Johannes Rhein 2013: "Immer wieder das Gleiche. Noch einmal zur Geschichte des schönsten Campus Deutschlands", in: Diskus 1/2013: 8.

7) Zit. nach Jürgen Schardt 2013: "Paradigmenwechsel. Anmerkungen zum Umzug der Uni Frankfurt", in: Diskus 1/2013: 47.

8) Peter Rost 2013: "Der Neubau der Goethe-Universität", in: Rudolf Steinberg (Hg.): Die neue Universität Frankfurt am Main, Frankfurt am Main: 94.

9) Ebd.: 95.

10) Zit. nach Peter Rost 2013: 102.

11) Oliver Elser 2009: "Der disziplinierte Campus", in: Bauwelt, Heft 27-28/2009: 32.

12) Ebd.: 35.


Klaus Ronneberger lebt und arbeitet als Freelancer in Frankfurt am Main.

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