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"Nach Bedürfnissen und Interessen organisieren..."

12.02.2015: Das Sozialistische Büro und die Erfahrungen sozialistischer Organisierung

  
 

Forum Wissenschaft 4/2014

Die Herbstakademie des BdWi in Werftpfuhl widmete sich in diesem Jahr schwerpunktmäßig Fragen der politischen Organisierung. Impulse zur Diskussion lieferten dafür auch Rückblicke auf historische Erfahrungen emanzipatorischer Organisationsansätze. Gottfried Oy stellte das Modell des Sozialistischen Büros vor - ein Versuch sozialistischer Organisierung im Kontext der sozialen Bewegungen der 1970er Jahre.

Im Dezember 1968 kursierte im linkssozialistischen Spektrum Westdeutschlands ein Entwurf für eine Aufforderung, Voraussetzungen einer unabhängigen sozialistischen Bewegung in der Bundesrepublik zu organisieren: "So wenig eine geschlossene, vereinheitlichte Organisation den gegenwärtigen Bedürfnissen der formellen und informellen sozialistischen Gruppierungen in der Bundesrepublik entsprechen würde, so sehr besteht doch andererseits objektiv und subjektiv das Bedürfnis nach einer gesicherten und beständigen Kommunikationsstruktur unter den Sozialisten und sozialistischen Gruppen und Clubs in der Bundesrepublik. [...] In der gegenwärtigen Situation scheint es uns möglich und dringend notwendig, zwei Instrumente einer kontinuierlichen Kommunikation zu schaffen:

1) eine allgemein zugängliche, nicht auf Oppositionskonsum, sondern auf politische Praxis gerichtete sozialistische Zeitung,

2) ein zentrales, nicht als politische Führungsinstanz, sondern als ›Dienstleistungsstelle‹ operierendes Sozialistisches Büro."1

Etwa 30 Aktivistinnen und Aktivisten, maßgeblich aus dem linkssozialistischen Spektrum und der Ostermarschbewegung kommend und geprägt durch die Erfahrungen im Kuratorium Notstand der Demokratie und im Sozialistischen Zentrum Frankfurt am Main, gründeten auf Grundlage dieser Aufforderung im Februar 1969 in Offenbach die Arbeitsgruppe Sozialistisches Büro . Im März verschickten sie über 20.000 Exemplare der Nullnummer ihrer neuen Publikation: links. Sozialistische Zeitung - die von 1969 bis 1997 erscheinen sollte. Vier inhaltliche Aspekte bestimmten die Arbeit des SB in der Gründungsphase: Zunächst die Positionierung zwischen SPD, DKP und Studentenbewegung, sodann, als wichtiges Stichwort der inhaltlichen Arbeit, die Selbstorganisation in Betrieben, Büros, Schulen, Gemeinden und Wohngebieten. Es ging den SBlerInnen zudem darum, "aus dem Dilemma unbrauchbarer traditionell-bürokratischer Organisationsvorstellungen hier, ebenso unbrauchbarer ›reiner‹ und teils blinder Spontaneität dort herauszufinden"2. Und schließlich bot sich die links als ein "Instrument der besseren Kommunikation" ohne jegliche Monopolansprüche an: "Unsere Zeitung sieht ihre Funktion dort, wo über Theorie der Praxis und Praxis der Theorie informiert und diskutiert wird, illusionslos, undogmatisch, verständlich für jeden, der linke Politik machen will."

Basisgruppen und Arbeitsfeldansatz

Eine der ersten Basisgruppen, die sich dem SB anschließt, ist der im März 1968 in Frankfurt am Main gegründete Sozialistische Lehrerbund (SLB), dessen Kernüberlegungen zentrale Gedanken des späteren Arbeitsfeldansatzes des SB inspirieren. Es gebe, so der Lehrerbund, eine Unzufriedenheit über abweichend-politische Freizeittätigkeit und die Anpassung und Untätigkeit am konkreten sozialen Ort des Berufs: "Der viele Genossen belastende Gegensatz zwischen dem ›linken Bewusstsein‹ meist privater Zirkel und dem ›rechten Sein‹ angepasster beruflicher Tätigkeit musste somit zwangsläufig zu dem Versuch führen, speziell für den Berufsbereich eine politische Organisation zu schaffen" - eine Spitze gegen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). "Eine bestimmte Berufsrolle im kapitalistischen System übernehmen [...] und gleichzeitig nicht auf politisch-verändernde Arbeit zu verzichten durch Rückzug auf private Freizeitpolitik", erfordere für den Lehrerbund, "die Ausfächerung ganz bestimmter, niemals ›reiner‹ Aktions- und Arbeitsformen, die der objektiven Doppelexistenz unter den bestehenden gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen entsprechen".

Ein weiterer Schwerpunkt der politischen Arbeit in den Anfangsjahren war die kritische Sozialarbeit. Auf dem 4. Deutschen Jugendhilfetag im Mai 1970 in Nürnberg protestierte eine Gruppe mit dem Namen Sozialistische Aktion Jugendhilfetag gegen die staatliche Indienstnahme der Sozialarbeit als befriedend und integrierend - durchaus in Anknüpfung an die Heimkampagne der Außerparlamentarischen Opposition Ende der 60er Jahre. Aus der Sozialistischen Aktion Jugendhilfetag ging schließlich der Arbeitskreis Kritische Sozialarbeit hervor, der sich im SB organisierte und den Informationsdienst Sozialarbeit ins Leben rief.

1970 gründete sich zudem als Reaktion auf die Septemberstreiks 1969 ein Arbeitskreis Betrieb und Gewerkschaft im SB, der unter der Herausgeberschaft des SB monatlich die Sozialistische Betriebskorrespondenz - "von Kollegen für Kollegen" - herausgab. Sie fusionierte 1972 mit dem bereits zehn Jahre erscheinenden express international zum ab Dezember 1972 (und noch heute) erscheinenden express, der neuen Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit.

1971 fixierte das SB in den Thesen der Arbeitsgruppe Sozialistisches Büro sein Organisationsmodell. Es gehe um die Formierung einer Bewegung für eine neue sozialistische Linke in der Bundesrepublik, gleichzeitig auch um eine Absage an Parteikonzepte. Neben einer Einschätzung der Situation in der Bundesrepublik und der internationalen Nachkriegsentwicklung betonen die Thesen, dass eine sozialistische Bewegung vor allem die Entwicklung neuer Organisationsformen vorantreiben müsse, "die den Beherrschten emanzipative Lernprozesse und reale Machtentfaltung in ihren unmittelbaren Arbeits- und Lebensbereichen gestatte[n]".3 In der Beschreibung der politischen Situation in der Bundesrepublik der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde der Schwerpunkt auf die integrativen Momente gelegt. Der Antikommunismus als zentrales Element der kapitalistischen Gesellschaftsordnung Westeuropas habe nur im Zusammenhang mit der ökonomischen Prosperität und der Steigerung des militärischen Potentials der USA Fuß fassen können. Keiner sozialistischen Kraft sei es in dieser Situation gelungen "überzeugende Alternativen" zu sozialdemokratischen oder stalinistischen Herrschaftsmodellen zu entwickeln. Das SB nun wolle diese Partnerschaftsideologie von verschiedenen Seiten angreifen, indem es die Legitimationsideologien des Kapitalismus zu zerstören und sozialistische Alternativen zu entwickeln trachte. Immer wieder wird dabei das Moment der Selbstorganisation in den Vordergrund gestellt. Aus dieser politischen Situation ergeben sich für das Sozialistische Büro drei Hauptaufgaben einer sozialistischen Bewegung. Es gehe erstens darum, das Aufbrechen von Widersprüchen im Kapitalismus zur kritischen Bildungsarbeit zu nutzen, zweitens darum, neue Strukturen politischer Arbeit zu schaffen, gemeinsame Ziele zu definieren und eine Gegenmacht aufzubauen. Schließlich werde eine Kooperation sozialistischer Kräfte auf europäischer Ebene angestrebt.

Nicht nur gegenüber Parteien, auch gegenüber Gewerkschaften sei eine kritische Distanz angebracht, denn in der politischen Arbeit der Gewerkschaften zeige sich eindeutig die Schwäche der Partnerschaftsideologie des Sozialstaates. Auf der einen Seite werde bewusst auf eine Mobilisierung der Lohnabhängigen verzichtet und Arbeitskonflikte zu entpolitisieren versucht. Auf der anderen Seite beruhe die große Macht der Gewerkschaftsapparate im Sozialstaat weiterhin auf der Kampfbereitschaft der Lohnabhängigen. Insofern würden die Gewerkschaften mit ihrem Kurs ihre eigene Stellung untergraben. Und eine diesem Gewerkschaftskurs entgegenstehende sozialistische Strategie wäre eine die Selbsttätigkeit in den Mittelpunkt stellende Aktivierung und Organisierung der Lohnabhängigen. Die Thesen des SB empfehlen zwar, grundsätzlich innerhalb der Gewerkschaften zu arbeiten, sehen die eigene Organisation aber auch als notwendige Rückzugsmöglichkeit angesichts der "Feindseligkeiten der Apparate".

Internationale Perspektive

Das Verhältnis zu sozialistischen Staaten hatte im Angesicht des gewaltsamen Endes des Prager Frühlings schon im Vorfeld der SB-Gründung zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Neuen Linken geführt. Die Thesen betonen die Doppeldeutigkeit der weltpolitischen Rolle der sozialistischen Staaten. Einerseits setze ihre Existenz den Kapitalismus unter Legitimationszwang, andererseits sei der Stalinismus zur Grundlage des herrschenden Antikommunismus geworden. Das SB verstehe sich deswegen auch als Unterstützer einer sozialistischen Opposition innerhalb der realsozialistischen Staaten. Auch die Bestandsaufnahme der westdeutschen sozialistischen Bewegung in den Thesen unterscheidet sich nicht wesentlich von früheren Stellungnahmen des SB. Einerseits werden sowohl die DKP, verschiedene Strömungen innerhalb der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften, die K-Gruppen und lokale Basisgruppen zur Bewegung gerechnet, andererseits ist eine deutliche Abgrenzung insbesondere in Richtung des organisierten Kommunismus festzustellen.

Der Abschnitt zur Organisationsfrage leitet schließlich über zur Rolle, die sich das SB selbst zuschreibt. Eine mögliche Organisation könne nur auf der Selbstorganisation der Beherrschten aufbauen - ein zutiefst antiautoritäres Moment, das sich immer wieder in den Selbstbeschreibungen des SB findet: "Ein Bewusstsein von der eigenen Lage und den Möglichkeiten gesellschaftlicher Veränderung kann von den Beherrschten nur durch Selbstorganisation entwickelt werden. Sozialistische Organisationen haben daher die Funktion der strategischen und taktischen Koordination sowie der ständigen theoretischen Reflexion und Vermittlung".

Anfang der siebziger Jahre führte die Mordanklage gegen Angela Davis in den USA zu einer beeindruckenden internationalen Solidaritätskampagne. Der von den Jungdemokraten, dem Bund Deutscher Pfadfinder, der Sozialistischen Jugend Deutschlands "Die Falken", den Jungsozialisten in der SPD und dem Deutschen Bundesjugendring unterstützte Solidaritätskongress Am Beispiel Angela Davis im Juni 1972 in Frankfurt am Main führte mit seinen über 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und zahlreichen berühmten Rednern wie Herbert Marcuse, Wolfgang Abendroth und Ernest Mandel zu einem Ansturm auf das SB, das im Nachklang zwei Taschenbücher im Fischer-Verlag veröffentlichen konnte - den Tagungsband und einen Sammelband mit links-Artikeln, die fünfstellige Auflagen erreichten.4 Vom SB wurde der Kongress als Ausdruck einer "Vereinheitlichungsbewegung" der verschiedensten sozialistischen Basisgruppen angesehen. Insbesondere Gruppen aus ländlichen Regionen hätten sich vom Besuch des Kongresses eine Anbindung an eine sozialistische Organisation versprochen, ohne ihre selbstständige Arbeit vor Ort aufgeben zu wollen. Auch die beteiligten traditionellen Jugendverbände hätten sich sehr offen gezeigt gegenüber dem vom SB angebotenen Organisationsmodell - so Klaus Vack in seinem damaligen Resümee in links.

Auch Der Spiegel entdeckte in der Folge das SB. Oskar Negt, der über den Davis-Kongress zum SB gestoßen war, versuchte in einem Interview das Organisationsmodell des Sozialistischen Büros zu verdeutlichen: "Die Neue Linke muss [...] neue Organisationsformen bilden, und zwar, und das ist das Wichtigste, von unten ausgehend, von der spontanen, autonomen Organisation der Interessen ganz spezifischer Gruppen. [...] Diese Gruppen wollen nicht bloß Direktiven von oben realisieren; sie wollen keine vorfabrizierten Konzepte, die mit ihren eigenen Erfahrungen nichts zu tun haben; sie suchen nach theoretischen Anleitungen für ihre Alltagspraxis."5 Ein solches Organisationsmodell widerspreche keineswegs der marxistischen Theorie, sondern erwachse aus derselben, weil der Marxismus gerade die Erfahrungen der Menschen aufgreift, um sie zu politisieren und zu strukturieren, als "Anleitungen zum Handeln [...] und zum Begreifen des Handelns in bestimmten Situationen". Insofern sei das Basisgruppenkonzept auch weniger anarchistisch denn rätedemokratisch. Es gehe, so Negt, einfach darum festzuhalten, dass Politik nicht irgendetwas Abgehobenes sei, sondern ein kollektives Handeln, das auf den Erfahrungen und Interessen des Einzelnen aufbaue.

Nach Interessen organisieren

Im Oktober 1972, auf einer SB-Tagung vor 200 Zuhörerinnen und Zuhörern, hielt Oskar Negt daraufhin sein vielbeachtetes Referat Nicht nach Köpfen, sondern nach Interessen organisieren, welches das weitere organisatorische Selbstverständnis des SB prägen sollte.6 Erfahrungen, Bedürfnisse und Interessen sollen im Mittelpunkt eines Organisationskonzeptes stehen, das die bislang nur lose verbundenen Basisgruppen enger zusammenfassen sollte. Es solle keine Direktiven "von oben" geben, man könne sich vielmehr "in der gegenwärtigen Phase nur als Organisator eines Produktionszusammenhangs verstehen". Historisch betrachtet gehe es dabei um die Überwindung der Trennung von Interessen und Politik, einer Trennung, der sich auch die Organisationen der Arbeiterbewegung unterworfen hätten.

Negt plädiert hier für eine Organisationsdebatte, die sich aus den Erfahrungen der Protestbewegung speise. Als Beispiel greift er den SDS als Organisation auf, aus der sozialistische Kader für eine auf Gruppen der Intelligenz gestützte Bewegung hervorgingen. Dem SDS sei es aber nicht gelungen, den politisch-organisatorischen Zusammenhalt dieser Bewegung zu gewährleisten. Deshalb hätten sich informelle Gruppen, Vollversammlungen, Republikanische Clubs und Kommunikationszentren als spontane Formen der Selbstorganisation einer Bewegung gebildet, "in der es vor allem auch um die Emanzipation des einzelnen, um die Bewusstwerdung seiner Interessen und Bedürfnisse, um das Zerbrechen der verinnerlichten und der äußerlichen Gewalt des Systems ging". Allerdings gehe es nicht darum, den vielen, nach dem Ende des SDS entstandenen neuen Organisationen eine weitere beizustellen. Ihm schwebte eher eine Art der zusammenfassenden und organisatorisch stabilisierenden Sammelbewegung vor, der es gelingen müsse, eine Art überfraktionelles Bewusstsein zu entwickeln. Eine solche neue Gruppe müsse zwei Aspekte berücksichtigen: die Zusammenfassung und Politisierung der Interessen und Bedürfnisse der Einzelnen und gleichzeitig die Überwindung jener Zersplitterung und Konkurrenz, denen die Einzelinteressen im Kapitalismus permanent ausgesetzt seien. Würden traditionelle Vereinigungen nach "Köpfen" organisieren, d.h. Mitglieder sammeln, ging es ihm darum, die Interessen in den Mittelpunkt zu stellen. Und einem solchen Organisationsmodell entspreche das Selbstverständnis des SB, Organisator eines "Produktionszusammenhangs" zu sein, in den verstreut und zum Teil lokal begrenzt arbeitende Basisgruppen einzubeziehen seien. Das entspreche dem Räte-Gedanken als Verkörperung der spontanen Organisationsformen der Massen, einer Konzeption, die im Übrigen schon von der antiautoritären Fraktion im SDS aufgegriffen worden sei.

Ende der siebziger Jahre, nach einem sehr erfolgreichen Antirepressionskongress 1976 und der Abspaltung der linkssozialistischen Gründerinnen und Gründer durch Gründung des Komitees für Grundrechte und Demokratie, überschritt das SB schließlich seinen Popularitätszenit. Die aufkommende Alternativbewegung und die neuen sozialen Bewegungen stützten sich anfangs zwar noch stark auf die organisatorischen Überlegungen und Konzepte des Sozialistischen Büros. Die sozialistischen Aspekte gerieten jedoch im Laufe der achtziger Jahre immer mehr in den Hintergrund. Die ökonomische und schließlich auch die programmatisch-inhaltliche Krise nach den weltpolitischen Umbrüchen der 1990er Jahre führten schließlich zum Ende der Zeitschrift links als dem ehemaligen Kernprojekt des SB.

Die Erfahrungen, die rund um den Versuch der Selbstorganisation im SB gemacht wurden, gehören zum Erbe des westdeutschen Linkssozialismus. Dass Oskar Negt zum 40. Jahrestag von "1968" in der Zeitschrift der Bundeszentrale für politische Bildung von der "Demokratie als Lebensform" sprechen kann und die mühsamen, alltäglichen Lernprozesse als Kern einer Erziehung zur Demokratie beschreibt - ohne dabei das SB allerdings zu erwähnen7 -, ist sicher auch als Erfolg der Arbeit des SB zu werten. Ein durchaus ambivalenter Erfolg allerdings, ging es doch damals nicht zuletzt um eine grundsätzliche Kritik am Staat und an der Vereinnahmung gesellschaftskritischer Impulse. Eine "Demokratie als Lebensform" beinhaltete für die vom Sozialistischen Büro Bewegten auch ein systemüberwindendes Moment. Nur spricht heute kaum noch jemand davon.

Anmerkungen

1) Nach Klaus Vack 2005: "Ein weiterer Versuch, Geschichte und Erfahrung darzustellen", in: Komitee für Grundrechte und Demokratie (Hg.): Das andere Deutschland nach 1945 - als Pazifist, Sozialist und radikaler Demokrat in der Bundesrepublik Deutschland - Klaus Vack. Sensbachtal: 79-144.

2) Dieses und die folgenden Zitate: links 0/1969: 2.

3) Sozialistisches Büro (Hg.) 1971: Ansatzpunkte sozialistischer Politik in der Bundesrepublik. Thesen der Arbeitsgruppe Sozialistisches Büro, Offenbach: 25.

4) Angela Davis Solidaritätskomitee (Hg.) 1972: Am Beispiel Angela Davis. Der Kongress in Frankfurt. Reden, Referate, Diskussionsprotokolle, Frankfurt am Main; Sozialistisches Büro (Hg.) 1973: Für eine neue sozialistische Linke. Analysen, Strategien, Modelle, Frankfurt am Main.

5) "Spielt nicht mit der Legalität". Professor Oskar Negt über die Reorganisation der Linken, in: Der Spiegel 25/1972.

6) links 39/1972: 9-11.

7) Oskar Negt 2008: "Demokratie als Lebensform. Mein Achtundsechzig", in: Aus Politik und Zeitgeschichte 14/2008: 3-8.


Gottfried Oy, Dr. phil., außerakademisch tätiger Sozialwissenschaftler mit dem Arbeitsschwerpunkt Geschichte sozialer Bewegungen rund um "1968", im Brotberuf Sozialarbeiter.

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