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»Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen.«

Klaus Holzkamp

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Unternehmerische Hochschule

29.09.2014: Kolumne

  
 

Forum Wissenschaft 3/2014

In seinem Buch Capital in the Twenty-First Century stellt Thomas Piketty die These auf, dass große Kapitale nicht nur eine erheblichere Profit-Masse erzielen, sondern auch eine höhere Profit-Rate. Die empirische Überprüfung ist dadurch erschwert, dass das Eigentum der Reichsten sich der Erfassung weithin entzieht. Doch immerhin kann Piketty einige Vermögen ausmachen, die transparent sind: die über 800 US-amerikanischen staatlichen und privaten Universitätsstiftungen. Ihre Bandbreite reicht vom kleinen North Iowa Community College (11,5 Millionen Dollar) bis zu Harvard (mehr als 30 Milliarden). 1980-2010 betrug die Durchschnitts-Rendite aller Universitäts-Stiftungen 8,2 Prozent. Harvard, Yale und Princeton, die an der Spitze liegen, erzielen 10,2. Wer weniger als 100 Millionen hat, muss sich mit 6,2v.H. begnügen. Das Wachstum der Universitätsstiftungen wird nicht in erster Linie durch Studiengebühren, Spenden von Alumni oder Einwerbung von Drittmitteln erzielt, sondern auf den Kapitalmärkten. Je größer das Eigentum, desto mehr Spekulationen mit riskanten, aber hochprofitablen Anlagen - z.B.Hedgefonds, Derivaten, Immobilien, Rohstoffen - werden getätigt. Dazu braucht man ein teures Vermögensmanagement, das sich nur die größten Stiftungen leisten können. Wenn Harvard 0,3 Prozent seines Reichtums dafür ausgibt (immerhin 100 Millionen im Jahr), wird eine Rendite von 10,2v.H. erwirtschaftet. Wendete das North Iowa Community College ein ganzes Prozent = 115 000 Dollar für diesen Zweck auf, reichte dies nur für einen Halb- oder Vierteltags-Berater, der dann eben nur 6,2 Prozent herausholt. Für die gesamtwirtschaftliche Profitrate nimmt Piketty fünf Prozent an. Die großen Universitäts-Stiftungen liegen darüber. Anlagen im Finanzsektor bringen eben seit einigen Jahrzehnten mehr als andere.

Es versteht sich, dass mit den Super-Renditen der reichsten Universitätsstiftungen in Spitzenforschung und -personal investiert werden kann. Unter den Studierenden treffen vielleicht arme Hochbegabte auf die nicht immer hochbegabten Kinder von sehr vermögenden Eltern: eine Elite.

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