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Klaus Holzkamp

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Eingeschränktes Ranking

24.08.2014: ZEIT-Studienführer/CHE-Hochschulranking 2014

  
 

Forum Wissenschaft 2/2014

Auch dieses Jahr sah sich das CHE einer großen Zahl von Rankingverweigerern gegenüber. Erstmals wurden einige Fächer tatsächlich nicht gerankt. Allerdings nur, weil bei diesen auch keine passenden öffentlichen verfügbaren Daten greifbar waren. Oder weil das Ranking verschoben wurde. Oliver Iost hat alles Wissenswerte zum CHE-Hochschulranking in seiner Online-Fassung und der im ZEIT Studienführer zusammengetragen.

Einführung / Neue Entwicklungen 2014

Die Vielzahl an Hochschulen und Studienangeboten macht es für Studieninteressierte oft schwer, eine Wahl zu treffen. Rankings scheinen da eine gute Möglichkeit, bei dieser (Aus-)Wahl zu helfen. Das CHE-Ranking positioniert sich - auch durch die Zusammenarbeit mit dem ZEIT Studienführer - besonders für diesen Zweck und verzichtet darüber hinaus auf platte Rankings ganzer Hochschulen. Selbst bei den einzelnen Fächern wird auf ein klassisches Ranking verzichtet, es werden stattdessen einige Kriterien in Ranggruppen unterteilt und für jeden Fachbereich ihr "Erfolg" innerhalb dieser dargestellt.

Also alles in Butter? Keineswegs, denn viele Kriterien für sich können zwar gerankt werden, die Aussagekraft ist aber begrenzt. Denn bspw. kann ein Fachbereich zwar eine längere Durchschnittsstudiendauer haben, aber eben auch eine andere Struktur von Studierenden (bspw. mehr Studierende mit Kindern, bei denen wohl kaum jemand ein etwas längeres Studium erstaunlich findet), so dass am Ende keineswegs daraus gefolgert werden kann, dass für den einzelnen Studieninteressierten wirklich die Hochschule mit kürzerer Studiendauer "besser" ist.

Aus diesen und vielen anderen Gründen (mehr dazu bspw. hier1, zu Interessen und Hintergrund des CHE mehr hier2) haben sich in den letzten Jahren immer mehr Fachbereiche und Hochschulen dafür entschieden, am Ranking nicht mehr teilzunehmen, d.h. das CHE bei der Datenerhebung nicht zu unterstützen und vor allem die Befragung unter den Studierenden nicht durchzuführen. Die Gründe dafür, die die einzelnen Fachgesellschaften, Hochschulen oder Fachbereiche angeführt haben, wollen wir nicht vorenthalten. Ihr findet sie (bzw. Links zu ausführlicheren Papieren) weiter unten3.

Erstmalig einige Fächer nicht gerankt (aber andere trotz hoher Ablehnung doch)

Bis 2010 hatte sich die Zahl der bewusst nicht am Ranking teilnehmenden Fachbereiche in Grenzen gehalten. Die "Boykotteure" wurden im Ranking überhaupt nicht ausgewiesen, weder im ZEIT-Studienführer, noch in der Online-Fassung des Rankings für einen Fachbereich. Nur wenn man die Informationen zur jeweiligen Hochschule aufrief und über die dort aufgeführte Liste der angebotenen Studiengänge ging, gelangte man schließlich zu einer Seite, auf der sich dann der Hinweis fand, der Fachbereich habe sich nicht am Ranking beteiligen wollen. Die Vermutung liegt nahe, dass so die Boykotteure zu einer "Rückkehr" angeregt werden sollten, da diese um ihre Sichtbarkeit fürchten müssen.

2011 und 2012 blieben Boykotteure im ZEIT Studienführer weiterhin unsichtbar (ebenso wie Fachbereiche, die zwar nicht bokottierten, für die aber - aus welchen Gründen auch immer - trotzdem zu wenig Datenmaterial aus den Erhebungen vor Ort vorlag), online wurden sie aber aufgelistet - ohne Werte bzw. die Boykotteure mit dem Hinweis: "Der Fachbereich stellte keine Daten zur Verfügung".

2013 gab es dann in einigen Fächern so viele Boykotteure wie noch nie. Beim bisherigen Vorgehen wären einige Ranking-Listen sehr kurz ausgefallen (wenn man alle Boykotteure weglässt) bzw. hätten sehr viele Leerstellen gehabt (Boykotteure ohne Daten auflisten). Also wurde stattdessen stärker auf allgemein zugängliche Daten zurückgegriffen und diese gerankt - und somit finden sich auch fast alle Verweigerer der 2013 neu bewerteten Fächer im Ranking. Dazu hat das CHE im ZEIT Studienführer die ausgewiesenen Kriterien verändert. Insbesondere bei den Fächern mit vielen Boykotteuren darf man vermuten, dass die nun gewählten Kriterien keineswegs sinnvoller sind, sondern nur so genügend Ergebnisse zustande kommen konnten. Weiterhin gilt aber: Wenn - auf welchen Wegen auch immer - nur sehr wenige Daten vorliegen, bleibt im ZEIT Studienführer die Hochschule unsichtbar.

In diesem Jahr ist das Vorgehen je nach Fach unterschiedlich ausgefallen. Erstmals wurden einige rankingkritische Fächer tatsächlich nicht gerankt. Bei den Politikwissenschaften ist das Ranking allerdings nur um ein Jahr aufgeschoben, das CHE steht mit den Fachgesellschaften in Verhandlungen über Änderungen. Bei der Soziologie und Kommunikationswissenschaften/Journalistik konnte das CHE nach eigenen Angaben keine geeigneten Daten beziehen, da die vorliegenden öffentlichen Daten die Fächer nicht geeignet unterscheiden. Anders gesagt: Die hohe Ablehnung des Rankings allein hatte nicht genügt. Bei Medienwissenschaften an Unis gab es offenbar nur wenige öffentliche Daten, im ZEIT Studienführer wird für das Fach daher kein Ranking veröffentlicht, online gibt es trotzdem ein Ranking (trotz 56% Boykotteure!). Bei Sozialer Arbeit gab es zwar 30% Boykotteure, aber wegen der hohen Anzahl an Hochschulen, die dieses Fach anbieten, fällt das kaum auf - und die Boykotteure (aber auch alle anderen Fachbereiche, bei denen aus sonstigen Gründen zu wenig aktuelle Daten vorlagen) fallen im ZEIT Studienführer einfach weg.

Vom Ranking erfasste Fachrichtungen, Stand der Erhebung, weitere Details

Das CHE-Ranking erfasst die größten Fachrichtungen. Kleinere Fächer bleiben ebenso unberücksichtigt wie durch die gebildeten Fachrichtungen teilweise durchaus unterschiedliche Fächer in einen Topf geworfen werden. Für eine Übersicht der in Betracht kommenden Hochschulen sollte daher nicht das Ranking bemüht werden, sondern eine Studienfachsuche4 - z.B. die von Studis Online.

Zum Teil werden auch Hochschulen der Nachbarländer betrachtet. Hier ist der Vergleich mancher Daten aber schwierig und wird daher teilweise auch im Ranking nicht vorgenommen, so dass oft nur Teile der Daten vorhanden sind. Aus Österreich und der Schweiz gab es vor allem 2008 Kritik5 am Ranking, zumindest einige Hochschulen und Universitäten sind weiter bzw. wieder dabei. Bei Medizin und Zahnmedizin sind Schweizer Unis im 2012er-Ranking nicht vertreten.

Wann die Daten erhoben wurden, welche "Spezialitäten" (Lehramt oder duales Studium) es umfasst, ob auch entsprechende Studiengänge an Fachhochschulen im Ranking vertreten und ob (einzelne) Hochschulen aus den Nachbarländern dabei sind (meist nur in der deutlich ausführlicheren Online-Fassung des Rankings!), zeigt die folgende Tabelle. Für alle dieses Jahr mit neuen Daten vertretenen Fachbereiche haben wir hier6 zusammengestellt, welche sich nicht an der Datenlieferung an das CHE beteiligt haben, für die also insbesondere Studierenden-Urteile fehlen. Es gibt allerdings darüber hinaus auch ohne "Boykott" je nach Fach mehr oder weniger viele Hochschulen, für die Daten fehlen, bspw. weil zu wenige Studierende sich an der Umfrage beteiligten - oder sie sehr widersprüchlich urteilten. Auch wenn ein Fach gerade neu konzipiert wurde, wird es in der Regel im Ranking nicht aufgeführt.

Dieses Jahr hat die Redaktion die Studienfächer im ZEIT Studienführer teilweise anders gruppiert (und die großen Fachbereiche manchmal anders bezeichnet). Statt "Ingenieurwesen" heißt es nun "Technik & Bau" und die Informatik ist nun dort zu finden. Der Bereich "Wirtschaft" (der letztes Jahr noch "Wirtschaft, Wirtschaft&Technik, Informatik" genannt wurde) umfasst nun auch Wirtschaftsrecht (das dafür nicht mehr bei Gesellschaft & Recht zu finden ist), aber nicht mehr Informatik.

Erstmalig wurden einige turnusmäßig anstehende Studienfächer nicht gerankt. Diese sind in der folgenden Tabelle dennoch aufgeführt und die Jahreszahl (oder Uni - falls die FHs gerankt wurden, aber die Unis nicht) durchgestrichen. Mehr zu den Gründen dann weiter unten.

Die Ranking-"Verweigerer", -"Rückkehrer" und ihre Gründe

Bei den in diesem und letztem Jahr mit neuen Daten ausgewiesenen Studienfächern sind übrigens auch fast alle "Boykotteure" vertreten, da das CHE nun "einfach" mehr auf öffentlich zugängliche Daten zurückgreift und damit auch die Ranking-kritischen Fachbereiche sozusagen "zwangsgerankt" werden. Nur wenn es aus diesen Quellen kaum oder keine Daten gab, wird nichts dargestellt - was in diesem Jahr erstmalig dazu führte, dass einige Fächer als Ganze nicht gerankt werden konnten.

Die Gründe für die Verweigerung reichen von grundsätzlicher Kritik an Rankings über Detailkritik am CHE-Ranking, evt. auch Enttäuschung über die letzten Ergebnisse bis hin dazu, dass aus ihrer Sicht bestimmte Studienformen (Fernstudium oder Mehrfach-Bachelor) oder ihre Fachkultur über das Ranking nicht korrekt abbildbar sind.

Die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Soziologie vom Juni 2012 hat zu einer Welle ähnlicher Erklärungen verschiedener Fachgesellschaften geführt. Dazu gibt es mehrere Universitäten, die als Ganzes nicht mehr an Rankings oder speziell dem CHE-Ranking teilnehmen.

Fachgesellschaften

Hier zunächst die Aufrufe verschiedener Fachgesellschaften an die entsprechenden Fachbereiche, sich vorerst nicht mehr am CHE-Ranking zu beteiligen. Eine echte Auswirkung hat das diesmal bei der Soziologie und Kommunikationswissenschaft/Journalistik gehabt, die tatsächlich nicht gerankt wurden (allerdings nur, weil dem CHE auch keine anderen geeigneten Datenquellen zur Verfügung standen).

  • Deutscher Anglistenverband: Empfehlung des Anglistenverbands zur Aussetzung der Teilnahme am CHE-Ranking7 (24.10.2012)
  • DGfE
  • - Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft: DGfE empfiehlt: keine Beteiligung am CHE-Ranking8 (28.09.2012)

  • DGPuK
  • - Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft: DGPuK empfiehlt Mitgliedern den Ausstieg aus dem CHE-Ranking9 (05.04.2013)

  • DGS
  • - Deutsche Gesellschaft für Soziologie: Wissenschaftliche Evaluation ja - CHE-Ranking nein10 (Übersichtsseite mit Links zu Begründung der Ablehnung, Presseberichten dazu und Liste der Institute, die den Boykott unterstützen); dazu: Artikel zum Boykott-Aufruf der Soziologen11 (Studis Online, 05.07.2012)

  • VHD
  • - Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands: VHD-Ausschuss lehnt CHE-Ranking weiter ab12 (15.08.2012); Stellungnahme des VHS zum CHE-Ranking der deutschen Geschichtswissenschaften13 (17.09.2009)

    Einige Fachbereiche hatten zwar ebenfalls ein Aussetzen des Rankings empfohlen, sich aber offen für Verhandlungen mit dem CHE gezeigt (bzw. ein Boykott nur für den Fall erfolgloser Verhandlungen angedroht). Bei den Politikwissenschaften hat das dazu geführt, dass das Fach erst nächstes Jahr wieder gerankt werden soll (so sich CHE und Fachgesellschaft einigen). Die Chemie wäre sowieso erst 2015 mit neuen Daten erfasst worden - und hat sich inzwischen schon mit dem CHE geeinigt. Hier die Meldungen dazu:

  • GDCh
  • - Gesellschaft Deutscher Chemiker: Vereinbarung mit Fortentwicklung des CHE-Hochschulrankings/ZEIT Studienführer für das Fach Chemie14 (Dezember 2013); vorausgegangen war: Keine weitere Beteiligung am CHE-Ranking - Vorstand der GDCh empfiehlt chemischen Fachbereichen in Deutschland, das CHE-Hochschulranking zu boykottieren15 (24.09.2012)

  • DVPW
  • - Deutsche Vereinigung für politische Wissenschaften / DGfP - Deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaft: CHE Hochschulranking für 2014/15 wird im Fach Politikwissenschaft ausgesetzt16 (14.06.2013); vorausgegangen war: Politikwissenschaftliche Fachvereinigungen empfehlen ein Aussetzen beim CHE-Ranking17 (13.12.2012)

    Einzelne Fachbereiche und ganze Universitäten

    Neben den Fachgesellschaften haben diverse einzelne (andere) Fachbereiche, aber auch ganze Universitäten (Fachhochschulen sind uns bisher nicht bekannt) ihren Ausstieg aus dem Ranking begründet und auch umgesetzt. Wir haben im Folgenden entweder direkt Dokumente dazu verlinkt oder erläutern kurz, was uns zu den Gründen bekannt geworden ist. Sortiert ist die Liste nach Hochschulstandort.

  • FB Sozialwesen FH Bielefeld (15.07. 2010)18
  • Fachbereichsrat Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Emden/Leer (12.11.2009)19
  • FernUni Hagen (2012) Laut der Pressesprecherin der FernUni hat sich diese inzwischen zur Nicht-Teilnahme entschlossen, weil das Studiensystem (Fernstudium!) der FernUni sich nicht mit dem der "normalen" Hochschulen vergleichen lässt. Viele Fragen bspw. an die Studierenden lassen sich von Fernstudierenden nicht sinnvoll beantworten.
  • FH Hannover (Fakultät V, Abteilung Soziale Arbeit) [siehe hier20]

  • HAWK Hildesheim (Fakultät für Soziale Arbeit und Gesundheit)21 (05.11.2010; die Hochschule bietet das Fach auch noch am Standort Holzminden an; dort ist eine andere Fakultät, nämlich für Management, Soziale Arbeit, Bauen zuständig, die keinen Beschluss gegen das Ranking getroffen hatte und daher vertreten ist)
  • Uni Jena, Medizin Auf Grund kritischer Überlegungen der Studierenden hat der Fachbereich wegen Kritik am CHE-Ranking die Teilnahme verweigert. Übrigens trotz sehr guter Ergebnisse beim letzten Mal!
  • Fachbereich Bildungswissenschaften der Uni Koblenz-Landau (09/2009)22

  • Uni Köln (kompletter Ausstieg seit 2011)23

  • Uni Leipzig ("vorläufiger Ausstieg" im aktuellen Ranking)24 Von Senatsmitgliedern hörten wir allerdings, dass das "vorläufig" vor allem auf das Rektorat zurückgeht, der Senat selbst habe keine derartige Einschränkung gemacht.
  • FB Sozial- und Gesundheitswesen der FH Ludwigshafen25 (schon 2008, erneuter Beschluss vom 24.03.2010; weitere Begründung hier26)
  • Leuphana Universität Lüneburg (seit 2009) Die Uni hat sich wegen ihres besonderen Bachelor-Modells vorläufig gegen eine Teilnahme am Ranking ausgesprochen. Zitat aus dem Beschluss: "Das Studienangebot der Leuphana, insbesondere das Bachelor-Modell, ist in der disziplinär ausgerichteten Fächerstruktur der meisten Rankings nicht adäquat abzubilden. Damit fehlt die Grundlage für einen realitätsgerechten Vergleich mit den Studienangeboten anderer Universitäten." Ende dieses Jahres wird die Uni sich möglicherweise erneut damit befassen, wie sie weiter mit dem Ranking umgeht.
  • FB Soziale Arbeit.Medien.Kultur der Hochschule Merseburg27, Begründung28 vom 11.05.2011
  • Fakultät Sozialwissenschaften, Technische Hochschule Nürnberg (11.11.2010)29
  • Uni Vechta (ab 2012er-Ranking) Auskunft der Pressestelle 2012, gilt auch für 2013: Die Formalia der Befragung sind umfangreich, die vorgegebene Struktur sehr eng. Die Studienstruktur unseres polyvalenten Bachelorstudiengangs Combined Studies (mit bzw. ohne Lehramtsoption) kann das Ranking nicht adäquat abbilden. Weiter ist die Befragung innerhalb der einzelnen Fächer teilweise schwierig, da die vorgegebenen Kriterien wie z.B. die Mindestanzahl der Professuren nicht erfüllt sind. Auch die Mindestgröße des Rücklaufs aus der Studierendenbewertung ist schwierig. Daraus resultiert, dass die Umfrageergebnisse nur noch äußerst rudimentär abgebildet werden und in der Print-Version des Rankings gar nicht auftauchen. Deshalb hat die Universität Vechta bei der Befragung 2011, die nun 2012 veröffentlicht wurde, auf eine Teilnahme am Ranking verzichtet. Dies geschah in Absprache mit den beteiligten Fächern.
  • Einzelne Fachbereiche, die sich nicht am Ranking beteiligt haben, ohne das uns eine Begründung bekannt wurde, sind in den Listen auf der nächsten Seite30 aufgeführt (2014er-Ranking) bzw. auf den Seiten 2 in den Artikeln zum Ranking 201331 bzw. zum Ranking 201232.

    Aufrufe von Studierenden

    An einigen Fachbereichen haben sich Studierende - über ihre Gremien oder Gruppierungen - gegen die Beteiligung am Ranking gestellt und zum Boykott aufgerufen. Auch deren Begründungen sollen hier zumindest verlinkt werden.

  • AStA der ASH Berlin33

  • Fachschaftsrat Erziehungswissenschaft, Uni Hamburg34

  • GEW Studierende an der Uni Hamburg35

  • Ranking-Rückkehrer

    Die Uni Bonn war in den Rankings 2010 und 2011 nicht vertreten gewesen, hat ihre Teilnahme aber 2012 wieder aufgenommen, da die ihr wichtigen Kritikpunkte nun ausgeräumt seien (vgl. Pressemitteilung der Uni Bonn vom 29.06.201136). Allerdings scheinen dieses Jahr einzelne Fachbereiche kein Interesse mehr am Ranking zu haben: Medienwissenschaften, Jura und VWL der Uni Bonn sind beim diesjährigen Ranking mit der Bemerkung "Der Fachbereich stellte keine Daten zur Verfügung" vertreten.

    An der Uni Siegen hatten 2009 einige Fachbereiche Ihre Nicht-Teilnahme erklärt (für das Ranking waren dadurch die Sprachen und Erziehungswissenschaften betroffen). Trotz Umstrukturierung dieser Fachbereiche fand sich erneut eine Mehrheit für eine Verweigerung am CHE-Ranking. 2013 hatte sich jedoch das Rektorat einfach darüber hinweg gesetzt (vgl. Meldung vom 03.03. 201337 bei Forschung & Lehre).

    Internationalisierung des Rankings

    Seit Jahren versucht das CHE, auch Hochschulen (insbesondere mit deutschsprachigem Lehrangebot) aus dem benachbarten Ausland für das Ranking zu gewinnen. Diese Bemühungen gehen weiter, vor allem setzt das CHE aber wohl auf die Mitwirkung am Europa-weiten U-Multirank (Hintergründe dazu können unserem Artikel zum Hochschulranking-Report 2013 der europäischen Rektorenkonferenz38 entnommen werden).

    Ergänzungen zu unserer Liste oben (wie auch den Details weiter unten) gerne per Mailformular39 an uns. Danke!

    Kann man mit dem Ranking trotzdem etwas anfangen?

    Wie schon erläutert, (und im Weiteren dann für die einzelnen, dieses Jahr mit neuen Daten versehenen Studiengänge detaillierter aufgezählt) fehlen im Ranking diverse Daten - ob wegen Boykott, zu wenig antwortender Studierender oder anderer Gründe. Man sollte also in keinem Fall die Listen im ZEIT Studienführer zur alleinigen Grundlage der Vorauswahl von in Frage kommenden Hochschulen machen, zu denen man sich weiter informieren will. Auch die Online-Fassung hat ihre Fehlstellen, die vor allem dann zum Tragen kommen, wenn man sich "eigene" Rankings zusammenstellt. Hochschulen, zu denen es für die gewünschten Kriterien keine Daten gibt, können dabei zwangsläufig nicht berücksichtigt werden oder rutschen in den Hintergrund.

    Trotzdem kann man das Ranking als Datensammlung durchaus verwenden. Es nennt Kriterien, die man bei der eigenen Wahl des Studienortes beachten kann (aber ja nicht muss, insbesondere sind manche Kriterien eher Anlass zum Weiterfragen, nicht zum abschließenden Bewerten). Im ZEIT Studienführer wie auch in der Online-Variante sind durchaus nützliche Informationen zu den Hochschulen und Städten zu finden. Auch die "gerankten" Werte kann man in Vergleiche einfließen lassen, sollte aber die diversen Schwierigkeiten dabei nie vergessen. Nicht alles, was gut scheint, muss auch gut sein oder Bedeutung für die eigene Studienwahl haben. Kriterien wie Forschungsgelder oder Forschungsreputation sind für alle, die vor allem für einen (forschungsfernen) Beruf studieren, ziemlich irrelevant. Und selbst wer sich vorstellen kann, später in die Forschung zu gehen, muss mehr vom konkreten Forschungsgegenstand fasziniert sein, anstelle von einer Uni, die zwar viele Forschungsgelder akquiriert, aber diesen gar nicht untersucht. Weiter oben erwähnten wir bereits: Wenn eine Hochschule beim Kriterium "Absolventen in Regelstudienzeit" in der Spitzengruppe ist (also viele AbsolventInnen es schaffen, in der Regelstudienzeit abzuschließen) und eine andere in der Schlussgruppe, so kann das bspw. auch an der Zusammensetzung der Studierendenschaft liegen. Sind an der einen Hochschule bspw. besonders viele Studierende aus "hochschulfernem Elternhaus"? Wie ist die BAföG-Quote? Arbeiten mehr Studierende neben dem Studium? Alles das kann Einfluss auf das Kriterium haben und möglicherweise wäre individuell die vermeintlich schlechtere Hochschule sogar besser geeignet!

    Seit 2013 werden bei einigen der mit neuen Daten versehenen Fächern erstmalig online die Möglichkeit geschaffen, nach Profilen zu filtern. D.h. man kann sich nur die Hochschulen anzeigen lassen, die ein bestimmtes Fachprofil bieten. Das kann unter Umständen hilfreich sein, wenn man schon etwas genauer weiß, in welche Richtung man studieren will.

    Egal wie man schließlich zu einer Auswahl kommt: Optimalerweise sollte man sich die Hochschulen und Städte der Wahl konkret anschauen und mit Studierenden und - wenn es geht - Lehrenden vor Ort sprechen (zur Not eben über Foren, per Mail oder in irgendeiner anderen Form Kontakt aufnehmen). Nur wenn man dann keine Zweifel hat, kann die Suche aufhören, sonst sollte man weitere Hochschulen und Städte besuchen und sich einen persönlichen Eindruck machen.

    Für einige besonders rankingkritische Fächer (konkret Soziologie und Geschichte, vielleicht auch noch mehr) wird es übrigens ab ca. Juni 2014 ein eigenes Portal geben, auf dem sich die Fächer und alle Standorte ausführlich vorstellen. Und zwar ohne (quantitatives) Ranking, dafür mit vielen qualitativen Informationen und Filtermöglichkeiten. Wir werden darüber berichten, wenn das Portal online gegangen ist. Denn in der Tat brauchen Studieninteressierte Informationen - aber diese können hoffentlich auch ganz ohne Ranking sinnvoll präsentiert werden.

    Anmerkungen

    1)www.studis-online.de/HoPo/art-1486-che-ranking-kritik.php.

    2)www.studis-online.de/HoPo/art-689-che-politik.php.

    3)www.studis-online.de/Studieren/art-1639-zeit-che-uniranking-2014.php# nicht_dabei_liste.

    4)www.studis-online.de/StudInfo/studieren.php?aufklappen=alle.

    5)www.studis-online.de/Studieren/art-765-zeit-che-uniranking-2008.php.

    6)www.studis-online.de/Studieren/art-1639-zeit-che-uniranking-2014.php? seite=2#details.

    7)www.anglistenverband.de/news/aktuelles.

    8)www.dgfe.de/fileadmin/OrdnerRedakteure/Stellungnahmen/2012_CHE-Ranking_DGfE.pdf.

    9)www.dgpuk.de/uber-die-dgpuk/che-ranking/.

    10)www.soziologie.de/de/che.html.

    11)www.studis-online.de/HoPo/art-1431-che-ranking-soziologen.php.

    12)www.historikerverband.de/wissenschaft/che-ranking.html.

    13)www.historikerverband.de/mitteilungen/mitteilungs-details/article/stellungnahme-des-vhd-zum-che-ranking-der-deutschen-geschichtswissenschaft.html.

    14)www.gdch.de/index.php?eID= tx_nawsecuredl&u=0&file=fileadmin/downloads/Service_und_Informationen/Presse_OEffentlichkeitsarbeit/PDF/che-ranking_entw.pdf&t=1400077534&hash= 81aae37bc08216fffcd14882482c41e5044755ed.

    15)www.gdch.de/service-information/oeffentlichkeitsarbeit/pressenotizen/archiv-gdch-2012.html#c11270.

    16)www.dvpw.de/news/news-details.html?tx_ttnews[tt_news]=1195&tx_ttnews[backPid]=92&cHash=3b895c89f2.

    17)www.dvpw.de/news/news-details. html?tx_ttnews[tt_news]=1097&tx_ttnews[backPid]=92&cHash=7d0b723193.

    18) www.fbts.de/fileadmin/fbts/Aktuelles/CHE-Ranking/Boykottbeschluss_-_ CHE_-Ranking.pdf

    19)gewweserems.de/hochschule/downloads/Ausstieg%20Che-Ranking_ FB_SAG_Emden.pdf.

    20)www.fbts.de/infos_der_mitglieder. html.

    21)www.fbts.de/fileadmin/fbts/Aktuelles/CHE-Ranking/Beschluss_CHE-Ranking.pdf.

    22)www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=2493.

    23)www.ksta.de/koeln/bildung-uni-steigt-bei-ranking-aus,15187530,1253 7086.html.

    24)www.lvz-online.de/gestaltete-specials/campus_online/kurz_buendig/universitaet-leipzig-entscheidet-sich-fuer-vorlaeufigen-ausstieg-aus-dem-che-ranking/r-kurz_buendig-a-153144.html.

    25)www.fbts.de/fileadmin/fbts/Aktuelles/CHE-Ranking/Beschluss_zur_Fortsetzung_des_CHE_Hochschulranking-Boykotts.pdf.

    26)www.fbts.de/fileadmin/fbts/Aktuelles/CHE-Ranking/Liebe_Kolleginnen_und_ Kollegen.pdf.

    27)www.fbts.de/fileadmin/fbts/Aktuelles/CHE-Ranking/CHE-Boykott_HS-Merseburg.htm.

    28)www.fbts.de/fileadmin/fbts/Aktuelles/CHE-Ranking/EtliCHE.pdf.

    29)www.th-nuernberg.de/seitenbaum/fakultaeten/sozialwissenschaften/infos-fuer-studierende/che-ranking/page.html.

    30)www.studis-online.de/Studieren/art-1639-zeit-che-uniranking-2014.php? seite=2#details.

    31)www.studis-online.de/Studieren/art-1539-zeit-che-uniranking-2013.php? seite=2.

    32)www.studis-online.de/Studieren/art-1406-zeit-che-uniranking-2012.php? seite=2.

    33)www.asta.asfh-berlin.de/che-boykott/.

    34)webapp5.rrz.uni-hamburg.de/fsr-db/wordpress/?p=638.

    35)gewstudis.blogsport.de/2010/07/11/gew-studis-empfiehlt-aufruf-zum-boykott-des-che-hochschulrankings/.

    36)www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/177-2011.

    37)www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=12950.

    38)www.studis-online.de/HoPo/art-1536-eua-ranking-report-2013.php.

    39)www.studis-online.de/Interna/mail-formular2.php.


    Oliver Iost war in den 1990ern jahrelang hochschulpolitisch aktiv und betreibt seit dieser Zeit das Portal studis-online.de, das Informationen vor allem für Studieninteressierte und Studierende bietet, darunter auch Berichte und Kritik an Hochschulrankings.

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