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Klaus Holzkamp

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Biomacht Familie

15.08.2007: Ein Rückkehr-Plädoyer für feministische Debatten

  
 

Forum Wissenschaft 3/2007

Auf den ersten Blick zieht geschlechtergerechte Politik sogar ins großkoalitionäre Regiment ein. Heike Weinbach wirft einen zweiten Blick darauf, entdeckt viel Altes und konkretisiert Forderungen nach wirklicher Pluralität der Lebensformen in Opposition zur neuen alten Regierungspolitik.

Das von der Bundesrepublik 1985 unterzeichnete Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Diskriminierung der Frau von 1980 (Convention on the Elimination of all Discrimination against Women, kurz: CEDAW)1 war ein erster weltweiter Erfolg der erstarkten zweiten Welle der Frauenbewegungen in den 1970iger Jahren.2 Es existieren sechs Berichte zur Umsetzung der Konvention in der Bundesrepublik. An den Differenzen in den Berichtsinhalten zwischen dem Fünften Bericht von 2002 und dem Sechsten Bericht lässt sich ein Paradigmenwechsel in der Frauenpolitik ablesen.

Der Sechste Bericht der Bundesregierung zur Umsetzung des Abkommens erschien kurz vor der Sommerpause 2007 und wird danach im Parlament debattiert werden. Auf die Debatte dürfen wir gespannt sein, denn in den Bericht sind Frauen-, Gender- und Familienpolitiken des Bundes und der Länder der vergangenen Jahre eingegangen. An ihnen waren auf irgendeiner Ebene faktisch alle im Parlament vertretenen Parteien beteiligt. Grundsätzliche Kritik ist kaum zu erwarten. Dieser Bericht, der sich auf eine Frauenrechtskonvention bezieht, setzt den Fokus kurzerhand auf Familienpolitik: "Die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer ist heute das zentrale gleichstellungspolitische Anliegen: Ohne eine Neuausrichtung der geschlechtsspezifischen Verantwortlichkeiten in Familie und Beruf und ohne das Bereitstellen der hierfür erforderlichen Rahmenbedingungen ist Gleichstellung nicht durchsetzbar."3

Neue alte Regierungspolitik

Diese Umdefinition von Gleichstellungspolitik in Familienpolitik in einer Großen Koalition von SPD und CDU hat eine neue Qualität, für die Anschlusspolitiken existierten. Es werden sowohl rotgrüne Weichenstellungen4 als auch Traditionen früherer Regierungen mit CDU-Beteiligung aufgegriffen.5 Das Neue an dieser modernisierten Familienpolitik ist die deutliche Infragestellung traditioneller Geschlechterrollen zwischen Frauen und Männern in Familien und Berufen mit dem Ziel, verwertungsträchtige Flexibilität in diese Rolle zu bringen: "Mit ein bisschen good will kann man deshalb von einem nachholenden Feminismus der CDU sprechen. Dieser ist aber ersichtlich nicht konservativ, ganz im Gegenteil. Ungeachtet aller Beteuerungen von Kindes- und Frauenwohl dürften die eigentlichen Triebkräfte der christdemokratischen Modernisierer woanders liegen. In erster Linie geht es um die Anpassung der gesellschaftlichen Verhältnisse an die Erfordernisse des flexibilisierten Kapitalismus."6 In dem neuen konservativen Konzept geht es um eine Maßstabpolitik des "auch": Berufstätigkeit/Karriere für den Mann und auch für die Frau, dazu auch Kinder; Erziehungs- und Hausarbeit geleistet durch die Frau und auch den Mann; Familie und auch öffentliche Bildung/Erziehung. Diese Konzepte können sowohl diskutiert als auch in Politikformen gegossen werden, ohne plurale Geschlechterkonstruktionen oder vielfältige Alternativen zu Familien- und Sexualtiätsformen in Bewegung oder ins Gespräch zu bringen.7 Das Gleiche gilt für die kursierenden und akzeptierten Ideen von Familie: Neben der vermeintlichen Normfamilie, Frau-Mann-Kind(er), stehen auch andere Familienformen, die gesellschaftliche Realität sind: Alleinerziehende, Patchworkfamilien, schwule, lesbische, schwullesbische Familien. Es gehe "... um die Vielfalt von Männern und Frauen", heißt es im Bericht.8 Vielfalt bleibt dabei einem dualistischen Konzept von "Frau" und "Mann" verhaftet. Das Neue daran ist, dass selbst Teile der konservativen Partei nicht mehr von Weiblichkeits- und Männlichkeitsessenzialismen ausgehen. Die Frauenbewegungen und ihre Genderfraktionen mit ihrer hartnäckigen Thematisierung des Konstruktionscharakters von Geschlecht sind zumindest in der aktuellen Politik ideologisch-praktisch-politisch hegemonial geworden.9

Alte neue Regierungspolitik

Das Thema gleich berechtigter Vielfalt von pluralen, queeren Familien-, Geschlechter-, Sexualitätslebensweisen als offenes Konzept10 hingegen vertreten weder die Regierungs- noch die Oppositionsparteien offensiv; sie beziehen sie auch wenig in die Diskussion mit ein. Faktisch bedeutet dies bei allem definitiven historischen Fortschritt der Debatten und Politiken im Bereich von Gender- und Gleichstellungspolitik11: Die neue Politik schreibt alte Ausschließungen fort. Auf bewusster und unbewusster Ebene reproduziert sie Machtverhältnisse durch die Herstellung von Familienpolitikmustern und versucht sie zu festigen. Denn wie sehen die Grundstrukturen von Familienverhältnissen in dieser Gesellschaft aus - und welche Funktion haben sie? Judith Butler theoretisiert in vielen Schriften Familienstrukturen als Orte der Abhängigkeit und der potenziellen Unterwerfung, die sich umso heftiger manifestieren können, je gewaltförmiger und alternativloser sie in Gestalt von stereotypen Handlungsmustern auftreten.12 Die ideologisch produzierte Rollenteilung und ihre Verkoppelung mit den Produktions- und Arbeitsverhältnissen in der Gesellschaft haben über Jahrhunderte den Mann als Familienoberhaupt juristisch, ökonomisch und kulturell als dominant und überlegen konstruiert.13 Ebenso stehen Kinder in einem strukturellen Machtverhältnis in Bezug auf ihre Eltern. Sie hatten und haben so gut wie keine Möglichkeiten, sich anders als für ihre jeweiligen Familien zu entscheiden. Ökonomische Abhängigkeiten und gesellschaftliche Stigmatisierungen aufgrund von Scheidungen, Singleleben, lesbischen, schwulen, polyamourösen, polygamen, kommunitären u.a. Liebes- und Lebensformen haben es Frauen (und Männern) lange Zeit erschwert, Alternativen zu traditionellen Familienverhältnissen zu leben. Familienstrukturen in der Vergangenheit und Gegenwart produzieren Abhängigkeits- und Machtstrukturen, die durch ihre engen Grenzen und die Herstellung von Alternativlosigkeiten14 wiederum dazu beitragen, dass sie als vermeintlich richtige Form immer wieder als natürlich und normal erfunden werden können. Dafür gibt es staatliche Unterstützung, weil diese Formen kleiner Machtzellen in der Gesellschaft Herrschaftsstrukturen in Staat und Gesellschaft stabilisieren. Denn Familienkonstruktionen und ihre Formen der Förderung und Unterstützung durch die staatliche Politik ermöglichen es gerade über die frühen Bindungskonstellationen und die Einschränkung von Erfahrungsreichtum in der Kleinfamilie, einfache Autoritätssstrukturen zu reproduzieren und einzuüben. Kritik wird daran im öffentlichen Diskurs nur hier und da verhalten geäußert: "Umgekehrt spricht vieles dafür, dass eine enge Bezugsperson allein den gestiegenen Anforderungen nach Kommunikation immer weniger genügen kann - ja, es vielleicht noch nie konnte."15 Wo alternative Lebensformen sich über längere Zeiträume ein wenig gesellschaftliche Akzeptanz erkämpft haben, werden sie immer noch am Grundmodell Familie gemessen und auf dieser Basis eingeschränkt und abgewertet: Alleinerziehende werden nach dem Kontakt zum anderen Elternteil gefragt, und die Wichtigkeit dieses Kontaktes wird betont. Schwule oder lesbische Paare werden auf ihre Verteilung nach Männer- und Frauenrollen hin befragt, müssen sich legitimieren und erhalten kein allgemeines Adoptions-Eherecht. Mütter und Väter mit mehreren LebenspartnerInnen, alte Mütter oder Väter; schwule und lesbische Beziehungsstrukturen, Menschen mit uneindeutigen Geschlechteridentitäten (Transgender, Transsexuelle u.a.) werden oft als schwierig, wenn nicht gar pathologisierend für Kinder und Gesellschaft angesehen, als nicht der Norm entsprechend. Diese zugeschriebene Abweichung wird an der heterosexuellen, vermeintlich ‚gesunden' Zweierbeziehung von eindeutigen Frauen und Männern gemessen, "am besten" in der Konstellation: Frau ein wenig oder auch mehr jünger, kleiner, weniger gebildet, aber aus ähnlicher Klasse kommend wie der Mann. Das vermeintlich Andere steht so unter Verdacht und/oder wird ins Periphere gedrängt, während die als Norm akzeptierten Lebensformen sich nicht mehr rechtfertigen müssen, sondern mit staatlicher Unterstützung rechnen können, damit das Gesamtsystem aufrechterhalten werden kann. Darunter fallen sämtliche aktuellen Maßnahmen der Bundesregierung unter dem Label Familienpolitik.16

... mit den "Blutsbanden"

Familienpolitik stützt sich dabei sehr selbstverständlich und unhinterfragt auf die vermeintlichen oder so genannten Bluts- oder genetisch bedingten Verwandtschaftsverhältnisse. Der Glaube an die Existenz und besondere Bedeutung solcher Familienverhältnisse schlägt sich in der Familienpolitik als Politik zur Herstellung und Aufrechterhaltung von Eigentum (Erbrecht) sowie als nationalistisch gebundene Bevölkerungspolitik nieder.17 Gefördert werden dementsprechend nicht die Einwanderung und Aufnahme von Flüchtlingsfamilien und Kindern und deren Stärkung und Anerkennung in der Gesellschaft; unterstützt wird nicht die Vereinfachung des Adoptionsrechtes oder die Pluralität von Lebens- und Bildungsformen für Kinder und Jugendliche, die ein großes Maß an eigenständiger Entwicklung unabhängig von Eltern- und Verwandtschaftsstrukturen ermöglichen. Staatlich gefördert wird stattdessen die biologische Produktion von Kindern, unterstützt durch breite Programme zur Förderung künstlicher Befruchtung, um eigene Kinder zu haben, verbunden mit eugenischen Screenings durch die Förderung der Pränataldiagnostik, um behinderte Kinder zu vermeiden. Der bevölkerungspolitische Appell geht zudem an deutsche Familien mit Mittelschichtshintergrund, möglichst gut verdienende AkademikerInnen, Kinder zu machen. Klassistisch wird vor einem Zustand gewarnt, indem die "Falschen" die Kinder bekommen: "Auch die gegenwärtige ‚Reformierung' unserer sozialen Sicherungssysteme geht vom Haupternährermodell aus und versucht dieses durch Gesetze zu verfestigen. Das Bild der heil(ig)en Mittelschichtfamilie wird wieder an die Litfaßsäulen geklebt und auf die Schreibtische gestellt. Die geplante Entlastung von Familien durch Steuervergünstigungen für die Kinderbetreuung soll vor allem den ‚qualifizierten Frauen' zugutekommen, denn sie sind es (angeblich) insbesondere, die zu wenig Kinder bekommen. Auch die Neuregelung für die Besteuerung von Ehepaaren durch den Wegfall der Steuerklasse V und durch ein Anteilsystem, mit dem jeder Ehegatte künftig so viel Lohnsteuer zahlt, wie es seinem Anteil am gemeinsamen Bruttolohn entspricht, begünstigt die Hausfrauenehe gegenüber Ehen, in denen beide Eheleute berufstätig sind."18 Familienpolitik dient der Stabilisierung staatlicher Machtverhältnisse, der Aufrechthaltung von Konstruktion und Fiktionen wie "Nation", "Deutsch-Sein", "Ohne-Behinderung-Sein", "genetische Blutsverwandtschaft", "höhere Intelligenz der Mittelschicht" etc. Immer geht es dabei darum, Normen und eine Ethik der Normalität herzustellen und aufrechtzuerhalten, an denen gemessen Anderes schlechter und negativer, weniger förderungswürdig erscheint, um eine Legitimation für Ausgrenzung herzustellen.

Zusammengefasst: Über die aktuelle Familienpolitik wird u.a. Herrschaft von Männern über Frauen, der Frauen und Männer über die Kinder, der Frauen, Männer und Kinder über polygeschlechtliche Menschen und Menschen mit anderen nationalen und anderen als genetisch nachweisbaren Familienhintergründen konstruiert, die Herrschaft von Frauen und Männern gegenüber solchen Personen, die weder Frauen noch Männer sein wollen, und gegenüber solchen, die in polygamen und/oder polysexuellen Verhältnissen leben möchten, die Herrschaft der Mittelschicht gegenüber Armen und ArbeiterInnen, die Herrschaft gegenüber behinderten Menschen. Diese Politik der "Biomacht" (Foucault) Familie steht zugleich im Widerspruch zu der Vielfalt und Pluralität gesellschaftlicher Möglichkeiten und der Wünsche von Menschen.

Aus diesem Grunde funktioniert diese Politik auch nicht in der gewünschten Form. Steigende Scheidungszahlen und daraus resultierende Neuformierungen von Familienformen, gewollte Kinderlosigkeit, bewusste Entscheidungen für behinderte Kinder, subkulturelle, nicht sichtbare Liebes- und Lebensformen zeigen: Es gibt eine Vielfalt von Wünschen nach einer Vielfalt von Beziehungen - und möglicherweise auch nach einer Vielfalt der Möglichkeiten des Zusammenlebens und Sich-Sorgens um Kinder; es gibt eine Vielfalt der Wünsche von Kindern nach einer Vielfalt von Bezügen und Wahlmöglichkeiten, die ein Ausprobieren von anderen Rollen und Lebensformen möglich machen: "Ein ‚poststrukturalistisches Verwandtschaftssystem' dieser Art würde eine größere Vielfalt ‚sozial lebbarer' Arrangements erlauben, die weniger Gängelei der Kinder durch die Eltern mit sich bringen."19 Dabei darf und kann die traditionelle Familienform nur eine unter vielen gleich berechtigten Möglichkeiten sein. In der Konsequenz darf sie dann auch nicht mehr und nicht weniger gefördert werden als alle anderen gewünschten Formen.

Folgen und Folgerungen

Die aktuellen Diskurse zur Familienpolitik bleiben mehr an der Oberfläche und haben selten das Interesse, Familien- und Machtkonstruktionen zu thematisieren. Damit nehmen sie aber Ungerechtigkeit gegenüber anderen Lebensformen in Kauf sowie Ausgrenzungen und Verletzungen, die damit verbunden sind. McRobbie formuliert mit Butler, "der Feminismus habe in gewisser Weise aufgehört, den Neokonservatismus der gegenwärtigen Familienpolitik zu bekämpfen. Die nachträgliche Selbstkritik an der Politik der sexuellen Freizügigkeit der 1960er Jahre (d.h. an der Nicht-Monogamie), die sogar den Feminismus ergriffen hat, hatte zur Folge, dass eine Rückkehr zu äußerst sittsamen Partnerschaften gerechtfertigt wurde."20 Wo Feminismus nicht mehr weiter denkt und die Ressourcen der kritischen Denkwerkzeuge nutzt, die die lange Geschichte des Feminismus bereitstellt21, ist das Diskussionsfeld den herrschenden Ordnungsmächten überlassen. In einem solchen Kontext finden sich Beiträge wie der von Volker Zastrow in der FAZ.22 Zastrow kann es sich leisten, in seinem Text jede Form der Veränderung - sei es Gender-mainstreaming, seien es familienpolitische Maßnahmen zwecks Unterstützung der Erwerbstätigkeit von Frauen - als Angriff auf die heterosexuelle Ordnung der Gesellschaft zu deuten und von diesem Standpunkt aus abzulehnen und abzuwerten. Seine eigene Position muss er dabei nicht mehr argumentativ vorbringen; er meint a priori Recht zu haben. Diese Form des Diskurses, die die Bringschuld, die Rechtfertigung der Lebensweisen, die Alternativen zur staatlich abgesicherten Hetero- und Familiennormativität bieten, auf diejenigen abwälzt, die mit den herrschenden Modellen nicht einverstanden sind und eine größere gleichberechtigte Vielfalt wünschen, widerspricht einer demokratischen Kommunikationskultur. Politische Meinungen werden in Annahme eines Mehrheitsdiskurses nicht mehr begründet, sondern als quasi historisch und naturgegeben vorausgesetzt. So stellt Zastrow zunächst fest: "Daher liegt in der Annahme der Existenz von Geschlecht eine letztlich gewalthafte Zuweisung von Identität: die heterosexuelle Matrix." Mit dieser durchaus zutreffenden Wiedergabe einer politischen wie wissenschaftlichen und philosophischen Position und Realität setzt der Autor sich aber gar nicht erst auseinander. Ohne Argumente verweist er auf ein unterstelltes allgemeines Bezugssystem, das er als Wahrheit behauptet: "Diese eher philosophische Hypothese widerstreitet der ursprünglichsten Wahrnehmung und Empfindung der meisten Menschen, den Religionen und naturwissenschaftlicher Forschung."23

Ein veränderter Diskurs über Gender, Queer, Familie, Sexualität u.a. wird hingegen ein offener Diskurs im politischen Raum sein müssen, in dem alle Ideen gleichermaßen deutlich, legitimiert und gleich berechtigt vertreten sein müssen, ohne dass irgend jemand eine andere Meinung abwertet oder sie von vorneherein unter Berufung auf Religion oder Wissenschaft als illegitim, unnatürlich, als Mehrheitsmeinung o.ä. erklärt. Aufgabe progressiver Politik in der Bundesrepublik bleibt, diese Räume unentwegt herzustellen, zu öffnen, zu verschieben - kurz: Politik lebendig und spannend zu machen.

Anmerkungen

1) www.un.org/womenwatch/daw/cedaw/

2) 1985 war auch der politische Zeitpunkt, zu dem das seit 1953 existierende, von der CDU begründete Familienministerium um die Frauenpolitik erweitert wurde.

3) Sechster Bericht der Bundesrepublik Deutschland zum Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) Unterrichtung durch die Bundesregierung, Drucksache 16/5807 v. 8.6.2007 (Hervorh. HW)

4) Iris Nowak beginnt ihre Kritik der rotgrünen Familienpolitik "Feminismus für die Elite - Familie fürs Volk" mit einem Zitat von Gerhard Schröder, der neben Menschen mit ganz anderen Positionen zu denen gehörte, die Familienpolitik gerne der Frauenpolitik vorgezogen hätten: "‚Eine solidarische Gesellschaft kann überhaupt erst aus solidarischen Familien entstehen', formuliert Schröder in seiner Regierungserklärung zur Familienpolitik im April 2002." Argument 2002, www.linksnet.de/artikel.php?id=794

5) Während der Regierungszeit von CDU/FDP war Frauenpolitik weitgehend stillgelegt und fand nur unter internationalem Druck statt (s. CEDAW-Abkommen); der Schwerpunkt lag auf wenig innovativen, vor sich hindümpelnden familienpolitischen Initiativen und dem Versuch der Gleichsetzung von Familienarbeit mit Erwerbsarbeit. Vgl. Michael Opielka: Familie und Beruf. Eine deutsche Geschichte, www.sw.fh-jena.de/people/michael.opielka/download/Opielka_Familie_und_Beruf_Vers_10.pdf

6) Annett Mängel: Kampf um die Krippe. In: Blätter für deutsche und internationale Politik, April 2007, www.linksnet.de/autor.php?id=1488

7) Vgl. den Beitrag von Gudrun Perko zu Queer Studies in dieser Ausgabe

8) Sechster Bericht, a.a.O.

9) Weinbach, Heike: Über die Kunst, Begriffe zu fluten, Forum Wissenschaft, 2001, www.linksnet.de/artikel.php?id=379

10) Vgl. dazu den Beitrag von Gudrun Perko zu Queer Studies in dieser Ausgabe.

11) Vgl. Weinbach, Heike: Über die Kunst, Begriffe zu fluten, a.a.O.

12) Vgl. Judith Butler: Psyche der Macht oder Das Subjekt der Unterwerfung, Frankfurt/M. 1997. Diess.: Undoing Gender, New York 2004. Diess.: Antigones Verlangen. Verwandtschaft zwischen Leben und Tod, Frankfurt/M. 2001.

13) Kritik des Patriarchats, der Sexualitäts- und Familienformen waren Herzstücke feministischer Debatten. In den derzeitigen fristen sie ein marginales Dasein und werden vor allem in den Diskursen der Queer Studies geführt. Das könnten Anzeichen eines neu entstehenden und sich formierenden queeren Feminismus sein. Vgl. Gudrun Perko in dieser Ausgabe.

14) Kinder von AkademikerInnen studieren in der Regel, Kinder von ArbeiterInnen nicht; ihr Anteil ist in der Geschichte der Bundesrepublik nie wesentlich über 10% hinausgegangen. Dies hat unter anderem mit den traditionell familienorientierten Bildungsstrukturen in der Bundesrepublik Deutschland zu tun.

15) Annett Mängel, a.a.O.

16) Vgl. Gisela Notz: Schwarz-Rote Kinderwunschpolitik. In: Ossietzky 2006, www.linksnet.de/artikel.php?id=2381 sowie Brigitte Stolz-Willig: Ernährermodell statt Halbtagskultur. In: Forum Wissenschaft 2002, www.linksnet.de/artikel.php?id=727

17) Ulrike Baureithel: Baby-Bataillone. Demografisches Aufmarschgebiet: Von Müttern, Kinderlosen und der "Schuld" der Emanzipation. In: Prokla, 2007, 1, S.25-37

18) Gisla Notz: Schwarz-Rote Kinderwunschpolitik, a.a.O.

19) Angela McRobbie: Wozu Mütter und Väter? In: Das Argument 2004, www.linksnet.de/artikel.php?id=1099

20) Angela McRobbie: a.a.O.

21) Heike Weinbach: Am Anfang war das Projekt ... dann die Universität ... Theorie-Praxis-Veränderungen in den (west-)deutschen Frauen- und Genderbewegungen. In: BdWi-Studienheft "Bildung, Beruf, Praxis", 4, 2006.

22) Volker Zastrow: Gender Mainstreaming-Politische Geschlechtsumwandlung.In: FAZ v. 20.6.2006

23) Zastrow: a.a.O.


Dr. Heike Weinbach, Berlin, ist freie Philosophin und Publizistin, Social Justice-Trainerin sowie Lehrbeauftragte für Gender/Queer, Ethik, Social Justice.

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