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Klaus Holzkamp

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Religionsunterricht im Bundesländervergleich

  
 

Forum Wissenschaft 3/2013

Zu einer umfassenden Bildung gehören auch religiöse Kenntnisse. Geschichts- und Kunstverständnis ohne die Berücksichtigung der religiösen Einflüsse wären beispielsweise schwer zu erreichen. Fraglich ist, ob die schulische Ausbildung im Religionsunterricht darauf abzielen soll allgemeine Religionskunde zu vermitteln oder ob der Religionsunterricht der Glaubenslehre dienen soll. Mitglieder des AK Lehrer_innenbildung und Schule des freien zusammenschlusses von studentInnenschaften haben sich die Landesschulgesetze angesehen.

Der Vergleich der Regelungen der Landesschulgesetze lässt Folgendes erkennen:

Während in erster Linie im Süden der Republik der Religionsunterricht getrennt nach Konfessionen vorgesehen ist, findet in den meisten anderen Bundesländern gemeinsamer Religionsunterricht statt.

Mit Ausnahme des Saarlandes und Bayerns können sich Schüler_innen bei Religionsmündigkeit vom Religionsunterricht abmelden (in der Regel ab dem 14. Lebensjahr). Bayern und das Saarland gewähren diese Möglichkeit erst bei Volljährigkeit. Lediglich in Brandenburg wird die explizite Anmeldung zum Religionsunterricht erwartet.

Während in anderen Bundesländern Schüler_innen, welche nicht am Religionsunterricht partizipieren, im Regelfall im Fach Ethik/Werte und Normen/Philosophie/o.Ä. unterrichtet werden, findet in Berlin verpflichtend Ethik statt. Der Religionsunterricht ist dort nur eine freiwillige Zusatzoption. Abgesehen von Brandenburg, wo Ethik und Religion ergänzend angeboten werden sollen, und Berlin, gilt in allen übrigen Bundesländern die Ausschlussregelung.

Es ist also im Regelfall nur die Wahl zwischen Religionsunterricht oder der Alternative möglich. Die Möglichkeit, beide Fächer zu belegen, ist mit Ausnahme der genannten Länder so gut wie ausgeschlossen. Dies führt zu Komplikationen bei einem Schulwechsel über die Bundeslandgrenzen hinweg oder wenn ein Wechsel in das jeweils andere Fach erst in höheren Klassen erfolgt. Die in den vorhergehenden Klassenstufen vermittelten Inhalte werden vorausgesetzt, was einen Einstieg erschwert und zu Nachteilen für die Schüler_innen führt, sowohl im Hinblick auf die Benotung der Leistungen als auch den individuellen Lernfortschritt.

Wissensvermittlung statt Glaubensgebot

Die inhaltliche Ausgestaltung des Religionsunterrichts entzieht sich der ausschließlichen Kontrolle der Länder. Federführend sind hier auf unterschiedliche Art die Religionsgemeinschaften, welche nicht nur maßgeblich darüber entscheiden, wer mit dem Religionsunterricht beauftragt wird, sondern auch, was die Rahmenlehrpläne beinhalten und welche Lehrmaterialien verwendet werden.

Während in erster Linie im Süden der Republik, in Sachsen und in Nordrhein-Westfalen der Religionsunterricht gesetzlich getrennt nach Konfessionen vorgesehen ist und in den übrigen Bundesländern dies auch ohne Gesetzesvorgabe so umgesetzt wird, bietet Bremen das bekenntnisungebundene Fach "Biblische Geschichte" an.

Wenn also religiöse Bildung zu den Grundlagen der Allgemeinbildung gehört und gleichzeitig Schüler_innen nicht vor die Wahl gestellt werden sollen, sich für Religion oder Ethik/Philosophie entscheiden zu müssen, ist dann nicht flächendeckend ein vergleichender religionskundlicher Unterricht in den Ethik-/Philosophieunterricht zu integrieren und zum Pflichtfach zu erheben?

Dies schlösse die Möglichkeit der Einbindung der Religionsgemeinschaften nicht aus, sie müsste nur einer entsprechenden Anpassung unterzogen werden.

Wenn Kirche und Staat getrennt zu sehen sind, muss Religionsunterricht eine objektive Herangehensweise an religiöse Themen und Akzeptanz und Kenntnis von anderen Glaubensrichtungen beinhalten. Dies kann in einer Fächerkombination, wie sie beispielsweise das brandenburgische Unterrichtsfach "Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde" vorsieht, umgesetzt werden.


Katharina Mahrt (Jura, Universität Rostock) und Heike Wehage (Lehramt Geschichte und Mathematik, Universität Braunschweig und Universität Göttingen) sind aktiv im AK Lehrer_innenbildung und Schule des fzs.

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