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»Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen.«

Klaus Holzkamp

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Forum Wissenschaft

Arbeitsproduktivität

03.09.2013: Kolumne

  
 

Forum Wissenschaft 3/2013

Steigerung der Arbeitsproduktivität ist bei denjenigen Tätigkeiten am höchsten, in denen letztere zuvor am geringsten war: im alten (=dem erzeugenden, nicht dem reparierenden) Handwerk, in der Landwirtschaft und in den Geisteswissenschaften, sofern diese etwas Neues hervorbringen, also nicht nur Bekanntes interpretieren wollen.

Nehmen wir als Beispiel einen Historiker oder eine Historikerin.

Von diesen wird erwartet, dass sie Quellen konsultieren. Sind diese nicht gedruckt, müssen sie in Archiven aufgesucht werden. Das kostet Zeit und Geld und wird wohl noch einige Zeit so bleiben, wenngleich nicht für immer. Sind Dokumente erst einmal digitalisiert, gescannt und ins Netz gestellt, entfallen die schönen und teuren Archivreisen.

Fernleihe, einst mit handgeschriebenen und getippten Zetteln betrieben, wird jetzt online erledigt. Immer mehr Bücher sind im Netz zugänglich, Informationen ohnehin.

Exzerpieren war einerseits eine Art der intellektuellen Aneignung, andererseits ohnehin unvermeidlich (auch wenn man dabei abschaltete). Vor einigen Jahrzehnten wurde es durch die Fotokopie abgelöst, heute durch Copy and Paste.

Geschrieben wurde einst mit Federkiel, dann mit Stahlfeder, Füllfederhalter, Bleistift, Kuli, Schreibmaschine. Nur wenige konnten sich Diktate leisten. Oft aber wurde das Hand- oder Maschinengeschriebene durch eine Sekretärin noch einmal reproduziert. Kohlepapier sorgte für Sicherheit, Tipp-Ex tilgte Fehler. War umzugruppieren, musste neu geschrieben werden, oder Seiten wurden auseinander geschnitten und in veränderter Reihenfolge geklebt. Die Texte sind per Post versandt und von Typographen gesetzt worden, es gab Korrektoren. Heute schreiben die Autor(inn)en auf Computern, zuweilen sind sie auch für den Satz verantwortlich, das Ergebnis wird gemailt, dann gedruckt oder auch gleich - und dies zukünftig wohl in wachsendem Ausmaß - ausschließlich im Netz publiziert.

Soweit für den Markt angeboten wird, haben sich inzwischen Überkapazitäten aufgebaut. Im Ergebnis sinken Preise und Einkommen, Bücher werden verschenkt, daneben wird ein Luxussegment mit Leseband etabliert.

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