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Klaus Holzkamp

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Die Regeln des Spiels aufbrechen

13.08.2013: Möglichkeitsräume kritischer Wissenschaft

  
 

Forum Wissenschaft 2/2013

Der neoliberale Umbau des Hochschulsystems hat auch inhaltliche Spuren hinterlassen. Die Spielräume für gesellschaftskritische Wissenschaft wurden so deutlich verengt, dass sich die Frage aufdrängt, an welchem Ort und in welcher Form herrschaftskritische, aufklärerische Wissenschaft überhaupt (noch) möglich ist. Oder müssen Orte dafür erst (wieder) hergestellt werden? Und wenn ja, wie? stellt ihre Überlegungen zur Diskussion.

"Die Rolle des Intellektuellen besteht nicht darin, sich ›etwas vorweg oder etwas seitab‹ zu platzieren, um die stumme EURheit aller auszusprechen; sie besteht vielmehr darin, dort gegen die Formen einer Macht zu kämpfen, wo er zugleich Gegenstand und Instrument dieser Macht ist: in der Ordnung des ›Wissens‹, des ›Bewusstseins‹ und des ›Diskurses‹."1

Wie und wo ist kritische Wissenschaft - verstanden als herrschaftskritische Aufklärung bzw. als radikales Infragestellen vorherrschender Legitimität und Normalität - möglich?2

In dieser Frage spiegeln sich unabgeschlossene Suchbewegungen, die mich seit meinen ersten Annäherungen an das Feld der Wissenschaft in Bewegung halten.3 Eine wichtige Rolle spielen hierbei der Denk-, Diskussions- und Aktionszusammenhang Arbeitskreis kritische Soziale Arbeit (AKS) sowie das 2006 von Wissenschaftler_innen wie Praktiker_innen Sozialer Arbeit gegründete unabhängige Bremer Institut für Soziale Arbeit und Entwicklung e.V. (BISA+E).4 AKS und BISA+E können als lokal-spezifische Reaktionen auf die o.g. Frage gelesen werden: als Versuche, kritische Wissenschaft außerhalb hegemonialer Wissenschaftsstrukturen und -kulturen zu ermöglichen.

Doch damit ist die Eingangsfrage keineswegs beantwortet. Alltag und Erfahrung in und mit diesen ›alternativen‹ Zusammenhängen offenbaren: Zum einen bleibt die Frage nach Möglichkeiten und Orten kritischer Wissenschaft ungebrochen aktuell. Zum anderen kommt kritische Wissenschaft nicht umhin, Kritik auch radikal auf sich selbst zu beziehen - und damit ihre Verwobenheit in die macht- und herrschaftsförmigen Ermöglichungsbedingungen hegemonialer Wissenschaft und Wissensproduktion in den Blick zu nehmen. Damit steht das altvertraute Bild der Wissenschaft auf dem Prüfstand, und es stellt sich die Frage nach Alternativen.

In meinem Beitrag nähere ich mich diesen Gedanken an, indem ich Eindrücke aus Literatur, Diskussionszusammenhängen (Workshops und Tagungen, aber auch inoffizielle ›Kaffeepausen-/Flurgespräche‹) sowie aus der Arbeit im und am Wissenschaftsbetrieb (freiberuflich im BISA+E und an staatlichen Hochschulen sowie nebenberuflich promovierend) miteinander verbinde. Die Thesen und Überlegungen sind perspektivisch gefärbt und kontextgebunden. Ich stelle sie als Denk- und Diskussionsanstöße in den Raum und verbinde damit Neugier und Hoffnung auf Austausch: über Ermöglichungsbedingungen einer alternativen kritischen Wissenschaft, die über bedruckte Papierseiten oder schmückende, dennoch ›zahnlose‹ Selbstbezeichnungen hinaus wirkt.

Wie und wo ist kritische Wissenschaft möglich?

Auf der Suche nach Antworten tauchen u.a. diese Diskursfelder auf:

I. Insbesondere die Sozialwissenschaften verstehen sich als genuin kritisches Projekt.5 Der Nexus Wissenschaft/Kritik gilt als konstitutiv. Somit wäre die o.g. Frage elegant beantwortet: Orte und Akteur_innen kritischer Wissenschaft finden sich dort, wo (sozial-)wissenschaftlich gedacht, geforscht, publiziert, gelehrt und debattiert wird. Das wären, dem hegemonialen (Selbst-)Verständnis von Wissenschaft folgend, Universitäten, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungsinstitute.

II. Doch an eben diesen Orten hat Kritik augenscheinlich keinen Platz. Es mehren sich die Stimmen, die konstatieren, dass insbesondere kritisch-materialistische Gesellschaftstheorie hier "in vielen Hinsichten unmöglich geworden" sei.6 Es ließe sich auch so formulieren: Kritische Wissenschaft wird, nach allen Regeln ›wissenschaftlicher Kunst‹, abgewehrt und geschmäht - und zwar von Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären (staatlich geförderten) Forschungseinrichtungen ebenso wie von hegemonialen wissenschaftspolitischen Beratungsinstitutionen und Think-Tanks (z.B. Wissenschaftsrat, Bertelsmann Stiftung) oder Einrichtungen zur Förderung von Wissenschaft (z.B. Deutsche Forschungsgemeinschaft, regierungsnahe Stiftungen).

III. Angesichts dieser scheinbaren Widersprüche stellt sich die Frage danach, was jeweils gemeint ist, wenn Kritik ins Spiel kommt. Kritik lässt sich für mehrdeutige Anliegen und Praktiken in Dienst nehmen. Die unter I) genannte (Selbst-)Bezeichnung scheint vor allem attraktiv, solange sie inhaltlich vage bleibt. Deutet man Kritik jedoch im Sinne meiner Eingangsfrage als radikales Infragestellen der Legitimität dessen, was als normal, gültig, selbstverständlich gilt, - eine Auslegung, die sowohl im Kontext der Denktradition Kritischer Theorie (vgl. Punkt II), als auch der an Foucault anknüpfenden Kritik-Diskurse geteilt wird, - dann zeigt sich: Es ist dieses Kritikverständnis, das im Kontext hegemonialer Wissenschaft als "unmöglich" bezeichnet wird.

IV. Dass kritische Wissenschaft ihren Platz eher jenseits des ›Mainstream‹ findet (den sie ja kritisch-infragestellend zum Gegenstand hat), mag auf der Hand liegen. Kritische Wissenschaftspraxis ist innerhalb der Scientific Community jedoch mehr als marginalisiert. Sie wird - zumindest dann, wenn sie über die ›kritischen‹ Inner-Circle hinaus wahrnehmbar wird - zu einem mindestens riskanten, nicht selten gefährdenden und beschädigenden Vorhaben: Studierende wie Wissenschaftler_innen, die kritisch im eingangs formulierten Sinne agieren, erleben - mal subtil, mal unverhohlen - Ab- und Gegenwehr, Mobbing, Repression, Diskreditierung bis hin zum Ausschluss aus der Wissenschaft.7 Menschen, die sich auf dem hierarchisierend-selektiven, zugangsbarrieren-gespickten Weg in die Wissenschaft hinein befinden - ungeachtet ihres Alters bzw. ihrer Erfahrungen mit dem infantilisierenden Stigma "Nachwuchs" versehen - werden frühzeitig in die machtvollen Ein- und Ausgrenzungsprozeduren der Universitäten und Hochschulen sozialisiert: frei nach dem Motto: "Schuster_in, bleib bei deinem Leisten" und "säge nicht an dem Ast, auf dem du sitzt". Die Erfahrungen vieler Kolleg_innen (vgl. auch Punkt II) verdeutlichen: Auch wenn hierzulande weder Zensur noch Verfolgung drohen, sind die selbstkorrektiven, ebenso undemokratischen wie herrschaftsförmigen Praktiken der Scientific Community (Berufungskommissionen, Peer-Review-/ Begutachtungsverfahren, ›Zitationskartelle‹ usw.) kritikfeindlich, auch und gerade in Verbindung mit den neoliberalen, ›leistungs‹differenzierenden Steuerungs- und Bewertungsverfahren, - und darin sind sie höchst effektiv. Dass sie primär ›Stromlinienförmigkeit‹ - den sogenannten Mainstream - fördern, problematisiert selbst der Wissenschaftsrat.8

V. Nun mag nicht einmal das verwundern. Auf Angriff (durch Kritik) antworten Abwehr und Gegenangriff - der/die Stärkere siegt; ein bewährtes Spiel, das vorherrschenden Logiken folgt. Wer kein Risiko eingehen möchte, wer sich nicht ausreichend gewappnet fühlt oder wer sich in der Rangordnung der Spielenden nach oben kämpfen möchte, sollte bei den Favorit_innen mitspielen (vgl. Punkt IV). Zudem zeigt ein Rückblick auf die historische Entwicklung der als Idealbild von Wissenschaft konstruierten Universität, dass diese von jeher herrschaftskonform und -stabilisierend ausgestaltet wurde. Kritische Wissenschaft wurde bislang selten von Hochschulen aus betrieben - sie fand vorwiegend an alternativen Orten statt.9 Das jedoch wird in der gegenwärtigen Diskussion mehr oder weniger ausgeblendet.

Kritik (in) der Wissenschaft?

Deutlich wird: Kritik hat ihren Preis, denn sie ›wirkt‹ in viele Richtungen - diejenigen, die im Namen der Kritik sprechen, inbegriffen. Bleibt also lediglich die Wahl zwischen einem (nahezu) völligen Verzicht auf kritische Wissenschaft als ›Brot-Job‹ oder der Alternative, sich auf "marktgängig-schnittige Selbst-Instrumentalisierung" trimmen zu lassen10, um im Feld der Wissenschaft mitzuspielen? Ein Feld, dessen Macht- und Herrschaftswirkungen zwar - gemäß der o.g. kritischen Praxis - infrage zu stellen wären, die aber doch - auch im Namen der Kritik - anerkannt und reproduziert werden müssen, um überhaupt - ›akademisch legitimiert‹ - agieren zu können?11

Diese kursorischen Einblicke in Spannungsverhältnisse kritischer Wissenschaft stellen zwar keine klassischen ›Antworten‹ dar, sie ermöglichen es jedoch, meine Eingangsfrage zu präzisieren: Wie und wo lässt sich Kritik üben in einem Feld, in welchem diejenigen, die im Namen der Kritik sprechen, Legitimität einzig um den Preis des riskanten Mitspielens erhalten? In einem Feld, dessen Regeln sich gegenwärtig an neoliberal gefärbter Leistungsideologie und Wettbewerb, an Effizienz und ›Exzellenz‹ ebenso ausrichten wie an Praktiken der Grenzziehung, Distinktion, an Selektion, Ausschluss, Diskriminierung, die Wissenschaft auch jenseits des neoliberalen Zwangskorsetts prägen?

Angesichts dessen fällt eine Blindstelle auf: So scheint (kritische) Wissenschaft eigentümlich immunisiert gegenüber einer radikalen Kritik des Feldes, in dessen Namen tagtäglich EURheiten und Wirklichkeiten re-/produziert werden: der Wissenschaft selbst. Zwar zielt Kritik, die gegenwärtig seitens der Wissenschaftler_innen geübt wird, durchaus auf Verwerfungen des eigenen Feldes (auf neoliberale Überformungen der Universitäten z.B. oder ausbeutende, prekäre Arbeitsbedingungen wissenschaftlicher Angestellter). Der Kern jedoch bleibt meist unangetastet. Mit dieser Selbstimmunisierung werden jedoch all die Machteffekte und Ausschließungsprozeduren verschleiert, mittels derer im Namen von Wissenschaft Herrschaft ausgeübt wird: nach innen ebenso wie gegenüber den vom wissenschaftlichen Diskurs disqualifizierten Stimmen, Akteur_innen, Erfahrungen.

Wie können wir als Wissenschaftler_innen - auch ich kann mich nicht außerhalb des Diskurses verorten - dann aber ›kritisch‹ sein, wenn wir unseren eigenen Standort, unsere Positionierung, das uns Geltung, Anerkennung und Macht verschaffende Feld der Wissenschaft von Kritik ausnehmen? Wenn wir die Kontexte, die Ermöglichungsbedingungen unseres Handelns weder analysieren, geschweige denn offenlegen und selbstreflexiv in unsere ›Erkenntnisprozesse‹ einbeziehen?12

Kritische Wissenschaft wäre somit aufgefordert, "zur Herrschaft auf Abstand zu gehen und sich dadurch selbst neu zu begründen".13 Das hieße, Kritik radikal auf den Komplex Wissen/Wissenschaft/Gesellschaft zu richten, mit Selbstverständlichem zu brechen, und vertraute wie ›bewährte‹ Praktiken selbstkritisch auf ihre Macht- und Herrschaftswirkungen zu befragen.

Bedingungen alternativer Wissensproduktion

Wie und wo ist das möglich? Im Feld hegemonialer Wissenschaft (beispielsweise an Universitäten und Hochschulen) ginge es darum, die vorhandenen Nischen, in denen und von denen aus Kritik möglich ist, zu sichern und zu erweitern. Hier könnten diejenigen, die mit feldspezifischer Macht versehen sind, diese entsprechend einsetzen (Power-Sharing), um scheinbar Undenkbares, gar Unmögliches mindestens denkbar, besser jedoch sagbar und idealerweise realisierbar zu machen. Dem sind notwendigerweise Grenzen gesetzt. Diese sichtbar und damit thematisierbar zu machen, könnte Denkräume und Wege öffnen bezüglich der Frage nach Alternativen. Den aus der Aufforderung der Kritik resultierenden Spannungsverhältnissen und Widersprüchen werden kritische Wissenschaftler_innen ohnehin nicht entkommen: Selbstverständlichkeiten infrage zu stellen ist immer herausfordernd. Anstrengend und unbequem, aber auch riskant und bedrohlich kann dies werden, wenn es um das radikale Infragestellen dessen geht, was uns Halt, Orientierung und Anerkennung verspricht.

Es wäre also Abstand zu nehmen: beispielsweise von der Vorstellung, kritische Wissenschaft müsse im Gewand existenzsichernder Erwerbstätigkeit betrieben werden. Der gescheiterte "Marsch durch die Institutionen" sowie die Erfahrungen vieler kritischer Kolleg_innen, die im Dienst dieser Institutionen stehen oder standen, sprechen für sich (vgl. auch die Punkte I-V). Kritik zielt darauf, die Bedingungen jener Anerkennung zu dekonstruieren, die uns gegenwärtig zu Wissenschaftler_innen macht. Das Ablehnen, Versagen respektive der Verlust akademischer Anerkennung wäre dann möglicherweise der ›Preis‹, den kritische Wissenschaft zu zahlen hätte.

Es käme darauf an, dem ›Teufelskreis‹ zu entkommen, der kritische Wissenschaftler_innen dazu zwingt, fortlaufend die Risiken ihres Wirkens bezogen auf die Frage: ›Wie komme ich ins Spiel - wie halte ich mich bestmöglich darin, ohne meine materielle Existenz (oder die meiner Kolleg_innen) zu gefährden?‹ im Auge zu haben. Vielleicht lässt sich kritische Wissenschaft anders denken, indem die Frage neu gestellt wird. Wenn es nicht länger um die Alternative ›drinnen oder draußen?‹ ginge - womit auch die Frage des Mitspielens obsolet würde. ›Mitzuspielen‹ hieße ja, das Spiel und dessen Regeln, also die Vormachtstellung von Wissenschaft anzuerkennen. Kritische Wissenschaft in die Rationalitätsordnung des hegemonialen Wissenschaftssystems einzuschließen hieße, der Kritik von vorneherein den Stachel zu ziehen. Da dies nicht das Ziel sein kann, wäre die Frage nach den Ermöglichungsbedingungen alternativer Wissensproduktion zu stellen. Diese Frage ließe sich ebenso aus dem legitimierten Wissenschaftsbetrieb heraus formulieren, wie auch aus anderen Feldern. Entscheidend scheint mir, dass kritische Wissenschaft, von wo aus immer sie prozessiert wird, den Diskursraum für diese Frage offen hält: für all die heterogenen Stimmen, Wissen, Akteuren, die ›neben‹ Wissenschaft existieren und um Geltung ringen.

Was also tun?

An vielen Orten, in heterogenen Denk-, Diskussions- und Aktionszusammenhängen wurden und werden bereits alternative Wissenschaft/en gelebt. Oftmals in enger Verwobenheit mit sozialen Bewegungen, oppositionellen Bündnissen, Interessengruppen, Initiativen. Es wäre spannend, all dies einmal sichtbarer zu machen: um Erfahrungen austauschen und bündeln zu können, um zu inspirieren oder zu ermutigen. Innerhalb wie außerhalb der Hochschulen können Anlässe und Foren geschaffen werden, in denen die Selbstverständlichkeiten des Wissenschaftsfeldes hinterfragt werden können. Es können alternative Formen der Wissensdistribution, beispielsweise enthierarchisierte Lehr-, Lern- und Forschungsverhältnisse, initiiert werden; es kann über alternative Finanzierungsmöglichkeiten (Crowdfunding?) nachgedacht werden; Kooperation und Austausch zwischen Wissenschaft und den sogenannten nicht-wissenschaftlichen Feldern auf ›Augenhöhe‹ und jenseits des vielbeschworenen Distinktionszwangs sind möglich. In Anerkennung dessen, dass die ›Grenzen‹ zwischen Wissenschaft und weiteren gesellschaftlichen Feldern a) machtvoll installiert und aufrecht erhalten, b) unscharf und c) kontingent sind, können Formate geschaffen werden, in denen immer wieder neu ausgehandelt wird, wie kritische Wissensproduktion und -distribution aussehen könnten.

Das alles müsste, konsequent zu Ende gedacht, auf ein alternatives Spielfeld hinauslaufen: Ein Spielfeld, das - in Anerkennung der Gewordenheit und der Kontingenz, aber auch der Macht- und Herrschaftswirkungen von Wissen/Wissensproduktion - Mehrdeutigkeiten, Unschärfen, Brüche, Widerspenstiges zulässt; das von einer Vielfalt an Akteur_innen immer wieder neu geformt und gefüllt wird. Kritische Wissenschaft ist weder ›gut‹ noch ›besser‹. Sie ist in wertenden Kategorien nicht zu denken. Kritik ist Infragestellen von Selbstverständlichem. Damit ermöglicht sie Alternativen. Immer wieder auf's Neue.

Gedanken dieser Art können nur begrenzt auf dem Papier entwickelt werden. Sie bedürfen des Austausches und der Auseinandersetzung - in vielen verschiedenen Foren und Räumen und auf vielfältige Weise. Lautstark, öffentlich, enthierarchisiert - und damit auch und gerade ›außerhalb‹ vorherrschender (Wissenschafts-)strukturen und -praktiken.

Anmerkungen

1) Michel Foucault 2005: Analytik der Macht, Frankfurt: 54.

2) Vgl. zu diesen Kritikverständnissen Oliver Brüchert /Alexander Wagner (Hg.) 2007: Kritische Wissenschaft, Emanzipation und die Entwicklung der Hochschulen. Reproduktionsbedingungen und Perspektiven kritischer Theorie, Marburg; Michel Foucault 1992: Was ist Kritik?, Berlin; Rahel Jaeggi/Tilo Wesche (Hg.) 2009: Was ist Kritik?, Frankfurt a.M. .

3) Vgl. Maren Schreier 2013: "Soziale Arbeit, Wissenschaft und Kritik", in: Wolfram Stender/Dany Kröger (Hg): Soziale Arbeit als kritische Handlungswissenschaft. Beiträge zur (Re-)Politisierung Sozialer Arbeit, Hannover: 191-204.

4) In Arbeitskreisen kritischer Sozialer Arbeit vernetzen sich bundesweit (in z.Zt. 17 Regionalgruppen) Akteur_innen Sozialer Arbeit aus Wissenschaft, Praxis, Politik, Gesellschaft.

5) Albert Scherr zitiert aus einem "der weltweit verbreitetsten Lehrbücher der Soziologie [...]: ›Sociology is the systematic and critical study of society‹" (Albert Scherr 2012: "Reflexive Kritik. Über Gewissheiten und Schwierigkeiten kritischer Theorie, auch in der Sozialen Arbeit", in: Anhorn/Bettinger/Horlacher/Rathgeb (Hg.): Kritik der Sozialen Arbeit - kritische Soziale Arbeit, Wiesbaden: 107-121.

6) Alex Demirovic 2005: Zur Neuformierung kritischen Wissens. eipcp.net/transversal/0806/demirovic/de (Abruf 10.05. 13): 1; ähnlich die Beiträge in Brüchert/Wagner 2005, a.a.O..

7) Vgl. die Beiträge in Brüchert/Wagner 2007, a.a.O., sowie Sabine Hark 2005: Dissidente Partizipation. Eine Diskursgeschichte des Feminismus, Frankfurt a.M..

8) Vgl. Wissenschaftsrat 2011: Empfehlungen zur Bewertung und Steuerung von Forschungsleistung, Halle .

9) Vgl. zu Punkt V: Pierre Bourdieu 1992: Homo academicus, Frankfurt a.M.; Heinz Steinert 2007: "Die Universität als Ort von Kritischer Theorie?", in: Brüchert/Wagner, a.a.O.: 17-28; Joachim Hirsch 2007: "Die Universität: Elfenbeinturm, Wissensfabrik oder Ort kritischer Theoriebildung?", in: Brüchert/Wagner, a.a.O.: 241-248.

10) Heinz Steinert 2007, a.a.O.: 19.

11) Vgl. Pierre Bourdieu 1992, a.a.O. sowie Sabine Hark 2005, a.a.O..

12) Das Feld der Wissenschaft entsprechend ›seziert‹ haben u.a. Bourdieu 1992, a.a.O. und Hark 2005, a.a.O..

13) Judith Butler 2011: Kritik, Dissens, Disziplinarität, Zürich: 47.


Maren Schreier, M.A. Social Work/Diplom Sozialarbeiterin, ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des Bremer Instituts für Soziale Arbeit und Entwicklung e.V. und aktiv im Arbeitskreis kritische Soziale Arbeit. Als Freiberuflerin arbeitet sie seit 2004 dozierend und forschend an Hochschulen in Deutschland und der Schweiz und promoviert nebenberuflich an der Universität Duisburg-Essen.

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