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»Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen.«

Klaus Holzkamp

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Forum Wissenschaft

Die fünfte Frage

11.08.2013: Kolumne

  
 

Forum Wissenschaft 2/2013

Im März berichtete Radio Berlin-Brandenburg über die Wiedereröffnung des Lesesaals der Berliner Staatsbibliothek Unter den Linden. Der Umbau des Gebäudes geht noch bei laufendem Betrieb weiter. In der Sendung bezeichnete der Architekt das, was er da voranbringt, nebenbei einmal als "Luxus". Zwei Nutzerinnen - eine Musikwissenschaftlerin und eine Kunsthistorikerin - sagten, zur Forschung gehöre nicht nur, was in einem Buch drin steht, sondern auch, wie es sich anfasst. Deshalb wollen sie Quellen und Literatur nicht nur zu Hause online nutzen. Außerdem stifte der Lesesaal einerseits Gemeinschaft, andererseits erleichtere er Konzentration. Archivreisen sind für Historiker nicht nur kostspielig, sondern oft auch ein Erlebnis. Sind die Materialien einmal alle digitalisiert, werden sie seltener. Historisch-Kritische Ausgaben können irgendwann von Varianten- und Korrekturenverzeichnissen entlastet werden, wenn Handschriften faksimiliert ins Netz gestellt sind. Das gedruckte Wort - ob gebunden oder in Zeitungen und Zeitschriften - wird inflationiert. Seine denkbare digitale Speicherung und Erreichbarkeit lässt über die Zukunft privater und öffentlicher Bibliotheken nachdenken. Forschungsarbeiten in Natur- und Geisteswissenschaften können auf elektronischem Weg viel leichter als früher kollektiv erarbeitet und universell zugänglich gemacht werden.

Es stellen sich Fragen nach den künftigen Berufsbildern von Wissenschaftler(inne)n. Der alte Hörsaal könnte überflüssig werden. Die Arbeitsproduktivität in der Forschung dürfte steigen.

Wissenschaftspolitik beschäftigt sich traditionell mit vier Problemen (oder sollte es wenigstens tun):

1. Förderung der Effizienz von Forschung und Lehre,

2. Freiheit der Wissenschaft vor staatlichem Eingriff und ökonomischer Abhängigkeit,

3. Hierarchisierung oder Enthierarchisierung von Forschung und Lehre (Demokratie),

4. Verantwortung der Wissenschaft gegenüber der Gesellschaft.

Die fünfte Frage lautet: Müssen die vorgenannten vier Probleme neu formuliert werden, oder ändert sich an ihnen durch die Digitalisierung nichts?

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