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»Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen.«

Klaus Holzkamp

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Dipl. protest.

13.04.2013: Kolumne

  
 

Forum Wissenschaft 1/2013

Kolumne

In ihrer Neujahrsansprache 2013 sagte die Bundeskanzlerin: "Für unser Land bedeutet Forschung Arbeitsplätze. Wenn wir etwas können, was andere nicht können, dann erhalten und schaffen wir Wohlstand. Deshalb investieren wir so viel wie nie zuvor in Bildung und Forschung." Durch ihren Hinweis auf die Hightech-Leistungen der Bundesrepublik widersprach sie indirekt dem Vorwurf, das geringe Wachstum der Lohnstückkosten hierzulande sei die Ursache dafür, dass andere europäische Volkswirtschaften nicht mithalten können. Nein: Deutschland hat die besseren Produkte. Auf Merkels Vorschlag hin wird eine Professorin für Ingenieurmathematik neue Ministerin für Bildung und Forschung.

Ende Januar veröffentlichte das Göttinger Institut für Demokratieforschung eine Studie, in der es heißt:

"Die Ingenieure bilden einen zentralen Typus der aktuellen Bürgerproteste. Während in den Oppositionsbewegungen der siebziger Jahre typischerweise der (angehende) Sozialwissenschaftler den Ton angab, sind es heute die eher technisch geprägten Berufe.

Besonders in den Protestgebieten der Infrastruktur, dem Energiewendekomplex und der Stadtentwicklung sind zu großen Teilen Ingenieure, Techniker, Informatiker und Biologen anzutreffen. Das Engagement in eindeutig definierten Initiativen, die sich auf einen einzigen Punkt hin strategisch ausrichten, kommt ihm [sic] entgegen. Hier kann er [sic] als objektiver Experte auftreten und auf selbstbewusste Weise präzise Gegenvorschläge erarbeiten und vortragen und ›klipp und klare‹ Tatsachen sprechen lassen."

Dem Vernehmen nach sind es vor allem ältere Ingenieure, die sich in dieser Weise engagieren. Insider erklären dies damit, dass diese gegen Ende ihres Berufslebens hin häufig von ihren Arbeitgebern aufs Abstellgleis geschoben und durch Jüngere ersetzt werden. Diese protestieren zunächst noch nicht. Die IG Metall klagt darüber, dass in ihren Kernbereichen lebendige Arbeitskraft zunehmend durch konstantes fixes Kapital ersetzt werde. An die Stelle von blue-collar workers treten da und dort Techniker, die sich weder in einer Gewerkschaft oder gar im BdWi organisieren, sondern im Verein Deutscher Ingenieure (VDI).

Georg Fülberth

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