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Klaus Holzkamp

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Piratenkampf

24.09.2012: Kolumne

  
 

Forum Wissenschaft 3/2012

Wer publiziert, bekommt von einem Verlag entweder Geld oder keines. Hat man einen Wahrnehmungsvertrag mit der Verwertungsgesellschaft (VG) Wort geschlossen, freut man sich Ende Juni/Anfang Juli jeden Jahres über eine Ausschüttung, bezogen aus Kopiergeräte- und Bibliotheksgroschen sowie aufgrund von Veröffentlichungen im Internet.

2012 aber konnte dieser Termin nicht eingehalten werden. Ein wissenschaftlicher Autor hatte vor dem Landgericht München gegen die VG Wort einen Prozess gewonnen. Ihm missfiel, dass ihm nicht der gesamte Betrag überwiesen wurde, sondern nur 50 Prozent. Die andere Hälfte erhielt sein Verlag. Wäre er ein Dichter, erhielte er 70 v.H., Journalist(inn)en bekommen 60 oder 70.

Als Reaktion auf das Urteil hat VG Wort vorerst die gesamte Ausschüttung für 2012 gestoppt und sich stattdessen an das Deutsche Patent- und Markenamt, das für seine Beaufsichtigung zuständig ist, gewandt. 287.000 Urheber(innen) warten auf ein Zubrot von 120 Millionen. Vielleicht ist die Sache schon geklärt, wenn dieses Heft von Forum Wissenschaft erscheint; mag sein, dass es auch länger dauert.

VG handelte nicht aus Rache, sondern zwecks Erlangung von Rechtssicherheit. Die bisherige Regelung war zum Schutz der Urheber(innen) vor ihren Verlagen gedacht. Bis 2002 stand ihnen die gesamte Ausschüttung zu, nur hatten sie oft nichts davon. Zumeist mussten sie nämlich die Zweitverwertung per Kontrakt an die Verlage abtreten. Damit verzichteten sie auf mehr als die jetzigen 30 bis 50 Prozent. Diese Knebelung wollte VG Wort durch seine Quoten verhindern.

Es geht wieder einmal um Urheberrecht - ein Thema, das in den vergangenen Monaten durch die Piratenpartei aktualisiert worden ist. In diesem Fall handelt es sich aber wohl um einen Kampf unter Deck zwischen armen Teufeln. Nehmen wir das Beispiel eines Kleinverlags, der vielleicht gar kein Honorar zahlen kann oder nur wenig. Seine Autor(inn)en bekommen ein paar Cent von VG Wort, der Rest geht an das Winz-Unternehmen. Wird die Quote aufgehoben, kriegen sie alles. Allerdings wird davon keine der beiden Seiten reicher oder ärmer werden.

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