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Dimensionen der Armut

29.07.2011: Herausforderungen bei der Erforschung sozialer Ungleichheit

  
 

Forum Wissenschaft 2/2011

Was ist das Maß der Armut? Vordergründig betrachtet: zu wenig Geld zu haben. Wer jedoch die Armutsdefinition auf ein zu geringes Markt- oder Transfereinkommen reduziert, verfehlt das Problem. Stefanie Schröder und Konstantin Bender zu den Dimensionen der Armut als gegenseitige Beeinflussung verschiedener Ungleichheitsachsen.

Armut ist kein Zustand, sondern ein Prozess, an dessen Herstellung und Dauerhaftigkeit verschiedene soziale Instanzen beteiligt sind: die Politik, das Bildungssystem, das Rechtssystem, die Ökonomie und die auf der Diskursebene angesiedelten symbolischen Repräsentationen. Genauer gesagt handelt es sich im Fall von Armut um einen gesellschaftlich vermittelten Abstiegsprozess mit der teils größeren, teils kleineren Möglichkeit zum erneuten sozialen Aufstieg.

Bereits für die 1990er Jahre stellen Böhnke / Delhey fest1, dass die Dynamik von Armutsverläufen zunehmend in den Mittelpunkt von Analysen gestellt wird. In ihrem Gefolge wird nunmehr angenommen, dass es zu einer Vervielfältigung von Wegen in die Armut gekommen sei. Seither sind zahlreiche theoretische und empirische Bemühungen erkennbar, die verschiedenen Armutslagen zu systematisieren. Innerhalb der für Deutschland bisher erforschten Armutsdynamik sind selbstverständlich auch verfestigte Armutslagen zu erkennen. Die ebenfalls Ende der 1990er Jahre einsetzende Exklusionsdebatte will dem Problem begegnen, dass "Arme nicht nur materiell, sondern umfassend vom normalen gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sind. Dieses Konzept beinhaltet ökonomische, soziale, politische, rechtliche und kulturelle Dimensionen"2.

Sowohl im Fall der Dynamisierung von Armut wie auch bei den verfestigen Armutslagen ist davon auszugehen, dass die Bewältigungspraxen der Einzelnen infolge von Deklassierungserfahrungen heterogener sein dürften, als es viele soziologische Beschreibungen vermuten lassen. Übertragen auf die Ebene der sozialen Praxis bedeutet dies, dass die gesellschaftlichen AkteurInnen mit systematisch unterschiedlichen ökonomischen, sozialen, kulturellen und kognitiven Ressourcen ausgestattet sind, um ihre jeweilige soziale Situation zu bearbeiten und zu bewältigen. Dabei soll auch der subjektive Faktor berücksichtigt werden. Je nach Kombination, Verschränkung und Wechselwirkung von sozialen Merkmalen entwickeln die Einzelnen wie in einem Zerrspiegel ein vergrößertes bzw. verkleinertes Bild von sich selbst. Das Erleben der eigenen sozialen Position ist Ausgangspunkt und Folge des auf der Basis des Bildes entwickelten Verhaltens, der Denk-, EURnehmungs- und Handlungsstrukturen, wie Bourdieu sagen würde. Dadurch wird es eingebettet in soziale Interaktionen sowie in den jeweils relevanten Handlungskontext, die das Zerrspiegelbild beständig aktualisieren. Damit wird angenommen, dass sich die Bedingungen, Chancen und Risiken von Bearbeitungsstrategien in Armutslagen danach ausrichten, welche "Achsen der Ungleichheit"3 beim Abstieg in die Armut eine Rolle gespielt haben bzw. das Erleben und die Bewältigung von Armutslagen strukturieren.

Wie erklärt sich eine solche Annahme? In der Armuts- wie auch in der Ungleichheitsforschung wird seit langem der Anspruch formuliert, von einer Mehrdimensionalität von Armut bzw. sozialer Ungleichheit auszugehen. Lutz4 erinnert in diesem Zusammenhang mit Nachdruck an eine Forderung Kreckels von 1983(!) nach einer Integration von neuen und alten, nationalen und internationalen, vertikalen und horizontalen Ungleichheitsachsen in einen gemeinsamen theoretischen Rahmen. Die soziale Lage, in der sich ein Mensch befindet, wird in der Regel durch die Überschneidung mehrerer Ungleichheitsachsen bestimmt. Schwinn schlägt angesichts dieses Umstands "Konstellationsanalysen" für die Ungleichheitsforschung vor: "Der Konstellationsbegriff setzt voraus, dass das, was in Konstellation steht [...] sich wechselseitig beeinflussen und prägen kann. Es gibt sich gegenseitig verstärkende, schwächende oder ausgleichende Effekte. Das setzt Modellannahmen über die Konvertierbarkeit oder die Beeinflussbarkeit unterschiedlicher Ungleichheitsdimensionen voraus. Dies muss theoretisch geklärt werden."5

Intersektionalität als Ausweg?

Der Begriff der Intersektionalität tauchte erstmals in den 90er Jahren in der englischsprachigen Debatte auf (intersectional analysis). Intersektionalität verfolgt nach Winker / Degele das Ziel, genau diese Verwobenheit von Ungleichheitsdimensionen systematisch zu untersuchen: "Statt die Wechselwirkungen von zwei, drei oder mehr Unterdrückungen lediglich zu addieren (was schon schwer genug ist), betonen die ProtagonistInnen des Konzepts, dass die Kategorien in verwobener Weise auftreten und sich wechselseitig verstärken, abschwächen oder auch verändern können."6 Wir weisen an dieser Stelle darauf hin, dass die Debatte, welche Differenzkategorien in der Forschung Berücksichtigung finden sollen, bis heute nicht abgeschlossen ist. Es existiert bis heute in der Armutsforschung kein allgemein akzeptiertes und angewandtes Konzept zur Messung von Armut. Dies gilt es jedoch anzustreben.

Eine intersektionale Analyse von Armutslagen muss aus unserer Sicht zunächst einmal dem Umstand Rechnung tragen, dass Ungleichheiten nicht auf Marktprozesse reduzierbar sind, wie es herkömmliche Analysen zu Armut und Ungleichheit in der Regel tun. Die Erfassung der Multidimensionalität von Armut kann nur gelingen, wenn auch Mechanismen benannt werden, die Armut als Ausdruck von Macht- und nicht von Marktverhältnissen auffassen. Dies ist deshalb notwendig, weil nicht-meritokratische Prinzipien wie Geschlecht, soziale Herkunft, Behinderung und Alter auf die Entstehung von Armut einwirken.7 Dementsprechend kann davon ausgegangen werden, dass den genannten Dimensionen ein statistisch signifikanter Effekt auf das Armutsrisiko eines Menschen zukommt.

Ein Berechnungsmodell

Im Anschluss an diese ersten einleitenden Überlegungen wird hier von uns eine intersektionale Analyse von Armut vorgeschlagen, welche die Ungleichheitsachsen Behinderung, Geschlecht, Alter und Klassenposition berücksichtigen wird.

Dabei wird im Rahmen der von Bender 2010 vorgelegten empirischen Analyse8 betont, dass Armut ein multidimensionales Konzept ist und diese Betrachtung ein Mehr an Komplexität aufwirft. Auf Grundlage der Daten aus dem 2005er Mikrozensus werden die mit den einzelnen genannten Dimensionen von Armut verbundenen Armutsrisiken mit denen verglichen, die sich aus der Kombination mehrerer solcher Risiken ergeben.

Aus Gründen der Messbarkeit und der verfügbaren Datenbasis wird Armut zunächst als ein Mangel an materiellen Ressourcen angesehen, womit das Armutsrisiko als Resultat eines marktvermittelten Austauschprozesses konzipiert wird. Es wird als Risiko verstanden zur Gruppe derer zu gehören, denen in Bezug auf das sog. "bedarfsgewichtete Netto-Äquivalenzeinkommen"9 weniger als 730 Euro im Monat zur Verfügung stehen. Dies entspricht dem damaligen HartzIV-Regelsatz zuzüglich der Kosten der Unterkunft. Diesem liegt die Annahme zugrunde, dass ein Unterschreiten dieser Grenzen durch die Gesamtgesellschaft nicht mehr akzeptiert werden könne und somit staatliches Handeln erforderlich werde. Allerdings stellt diese Grenzziehung letztlich eine willkürliche Setzung dar.

Die Berechnungsmethode10 folgt der These, wonach es gerade das Zusammenwirken unterschiedlicher Ungleichheitsdimensionen ist, welches über das persönlich verfügbare Einkommen hinaus unterschiedliche Armutsrisiken birgt.

Die Tabelle zeigt in einem ersten Schritt die Armutsrisiken, die jeweils aus den einzelnen Ungleichheitsmerkmalen resultieren. Zahlenwerte, die größer als 1 sind, bilden ein steigendes Armutsrisiko ab, während Werte kleiner als 1 eine Verringerung des Armutsrisikos anzeigen.

Das männliche Geschlecht allein wirkt sich mit einem Faktor von 1,08 leicht armutssteigernd aus. Menschen mit einer Behinderung trugen mit 1,10 ein leicht erhöhtes Armutsrisiko im Vergleich zu einer nicht behinderten Person. Dieses Ergebnis erstaunt zunächst, weicht es doch von der weit verbreiteten Auffassung ab, dass Armut weiblich sei. Allerdings ist dieser Wert auch nicht sonderlich stark ausgeprägt im Vergleich zu beispielsweise dem Abitur.

Ein vorhandener Hauptschulabschluss wirkt sich mit einem Faktor von 2,55 nachteilig auf das Armutsrisiko aus. Mit einem leicht geringeren negativen Effekt wirkt sich der Realschulabschluss aus. Deutlich negativ wirkt sich die (Fach-)Hochschulreife mit 3,47 aus. Dieses Ergebnis erstaunt nicht. Es resultiert aus dem Sachverhalt, dass das Armutsrisiko in diesem Fall über das gewichtete Äquivalenzeinkommen berechnet wurde und somit den Haushaltskontext statt des individuell erzielten Einkommens berücksichtigt. Der Verbleib im Bildungssystem verursacht doppelte Kosten. Im Haushaltskontext spielt zunächst der Zeitfaktor eine wichtige Rolle. Je länger Haushaltsmitglieder im Bildungssystem verweilen, desto größer ist auch die Zeitspanne in der potenziell zusätzliches Einkommen durch den Haushaltskontext kompensiert werden muss. Vermittelt über den Faktor Zeit spielt auch die materielle Seite eine Rolle. An dieser Stelle ist es immens wichtig auf die Langzeiteffekte von Bildungsprozessen hinzuweisen. Das, was sich in der Momentaufnahme als Verzicht auf Einkommen und damit das Armutsrisiko steigernd auswirkt, bedeutet für die Zukunft eine Verringerung des Armutsrisikos. Im Klartext: Je länger die Verweildauer im Bildungssystem ist, umso höher sind in der Regel die Schul- und die Ausbildungsabschlüsse.

Ebenso ist es aber angezeigt, im Zusammenhang mit dem Bildungssystem die oben erwähnten nicht-meritokratischen Prinzipien zu diskutieren. So zeigen beispielsweise die Ergebnisse der sog. PISA-Studie in regelmäßigen Abständen, dass es einen engen Zusammenhang zwischen dem Bildungserfolg eines Menschen und dessen sozialem Hintergrund gibt. Es handelt sich hier um Merkmale eines Menschen, die von diesem nicht zu beeinflussen sind. Niemandem kann vorgeworfen werden in einen Haushaltskontext hineingeboren zu werden, in dem es über 500 Bücher und einen Doktortitel gibt oder eben nicht. Dies wirkt sich jedoch gravierend auf den Bildungserfolg aus und damit auf die Platzierung beim Zieleinlauf um die besten Plätze in einer Gesellschaft. Aus einer Lebenslaufperspektive wirkt sich der Bildungserfolg nachhaltig auf die Teilhabechancen in ökonomischer, sozialer und kultureller Hinsicht sowie über die Stellung in der beruflichen Hierarchie und die Absicherung im Alter aus. Davon hängt etwa ab, ob es einem Menschen also vergönnt ist, sein Leben über körperliche Arbeit oder doch eher geistige Arbeit zu finanzieren. Mit der körperlichen Arbeit sind wiederum Risiken des Verschleißes verbunden, die sich auf die Möglichkeit und die Ausgestaltung der Erwerbsarbeit auswirken. Sprich: ein Landschaftsgärtner mit Bandscheibenproblemen kann keine schweren Gegenstände mehr tragen und ist damit berufsunfähig. Ein Professor an einer Hochschule kommt entweder gar nicht erst zu einem Bandscheibenvorfall bzw. kann über eine entsprechende Arbeitsplatzgestaltung weiterhin arbeiten.

Allerdings stellen die Schulabschlüsse noch keine berufliche Qualifizierung dar und tragen somit auch nicht direkt zur Erhöhung des Einkommens bei. Erwartungsgemäß verringern denn auch eine abgeschlossene Berufsausbildung mit 0,43 und ein abgeschlossenes Fachhochschulstudium mit 0,17 bzw. das Universitätsstudium mit einem Faktor von 0,19 das individuelle Armutsrisiko.

Interessant wird es allerdings, wenn die einzelnen Bestandteile miteinander kombiniert werden. Mittels der Berechnung von sog. Interaktionseffekten zeigen sich gravierende Effekte. Wie sieht es beispielsweise mit dem Armutsrisiko von Frauen mit einer Behinderung aus Ostdeutschland, keinem Schulabschluss und ohne auf dem Arbeitsmarkt verwertbare Berufsabschlüsse aus. Diese Personengruppe weist mit einem Faktor von 11,75 ein extrem erhöhtes Armutsrisiko auf. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang dann der Verweis auf die Kombination Frau, kein Schulabschluss, kein Berufsabschluss, mit Behinderung aus Westdeutschland. Diese Personengruppe weist bei einem Armutsrisikofaktor von 3,03 im Vergleich zur sonst identischen Kombination eine dreimal geringere Armutsgefährdung auf. Eine einfache Addition der einzelnen Merkmale ist mithin methodisch nicht zu rechtfertigen und würde auch nicht zu demselben Ergebnis führen.

Politische und konzeptionelle Folgen

Wir konnten an dieser Stelle lediglich einige Spotlights auf offene Fragen, Einflüsse und neuere Überlegungen werfen.

In diese Richtung weiter zu denken und zu forschen ist mithin dringend angezeigt. Angesichts des Europäischen Jahres der Armut (2010) verwundert es doch sehr, dass es bis heute keine einheitliche Definition von Armut geschweige denn deren Messung gibt. Warum wird dieser Bereich nicht besser erforscht? Weshalb leistet sich ein Gemeinwesen eine solche konzeptionelle Unklarheit? Wenn eine solche besteht, so sind Ergebnisse und Aussagen prinzipiell aushebelbar, da stets eine Methodenkritik und damit eine Ablehnung der Aussagen und Forderungen möglich ist. Sozialpolitische Maßnahmen - so sie gewollt sind - können nur dann sinnvoll greifen, wenn sie auf Grund einer breiten Datenbasis und einem umfassenden Konzept geplant und durchgeführt wurden.

Die Lehre aus vielen Jahrzehnten der sozialwissenschaftlichen Armutsmessung muss es sein, immer wieder die Frage nach den gesellschaftlich notwendigen Ressourcen aufzuwerfen. Was wird benötigt, um ein Leben durch gerechte Teilhabe an dieser Gesellschaft zu führen? Dass dies nicht sonderlich einfach ist, hat nicht zuletzt das Bundesverfassungsgerichtsurteil zu den HartzIV-Regelsätzen für Kinder gezeigt. Also muss diese politische Debatte auf Basis der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zwingend eingefordert werden.

Mit unserem Berechnungsverfahren sind auch wir einer weiteren zentralen Herausforderung für die Analyse sozialer Ungleichheit aus dem Weg gegangen.11 Entscheidend für die Messung von Armut wird es in Zukunft sein, auch Kompensationseffekte der Ungleichheitsdimensionen zu berechnen. Ihnen sollte auch schon allein deshalb ein Ort innerhalb von Theorie und Erforschung sozialer Ungleichheit zugewiesen werden, um einer zu kulturalistischen Fehlschlüssen neigenden Defizit-Perspektive auf ›die Armen‹ zu entgehen, wie sie beispielsweise für die Geschichte des US-amerikanischen Exklusionsbegriffs charakteristisch ist.12 In keinem Fall darf implizit von einer homogenen Gruppe der Armen ausgegangen werden. Dies ist schon deshalb angezeigt, weil die Totalisierung ›der Armen‹ an den öffentlichen Diskurs äußerst anschlussfähig ist. Welche Konsequenzen das hat, zeigt sich in der eben schon angesprochenen Tendenz zur Kulturalisierung von Armut. Durch "Kategorisierung und Klassifizierung nach begrifflich festgelegten Unterscheidungsmerkmalen" wurden ›die Armen‹ als geschlossene "Gruppe mit gemeinsamen Eigenschaften fixiert"13. Nach Hark wird Armut damit zum master status erklärt und als dominierendes Merkmal einer Person aufgefasst.14 Ebenso wichtig ist es aber auch, Armut dabei nicht zu individualisieren, indem ihre Komplexität als Ausrede verwendet wird, um Armut von den grundlegenden gesellschaftlichen Ungleichheitsstukturen zu entkoppeln. Das Armutsrisiko, so konnten wir es hoffentlich zeigen, variiert systematisch entlang verschiedener gesellschaftlicher Ungleichheitsachsen.

Anmerkungen

1) Petra Böhnke / Jan Delhey, 1999: Lebensstandard und Armut im vereinten Deutschland, Berlin: Wissenschaftszentrum für Sozialforschung, 10

2) ebd., 4

3) Cornelia Klinger / Gudrun-Axeli Knapp / Birgit Sauer (Hg.), 2007: Achsen der Ungleichheit. Zum Verhältnis von Klasse, Geschlecht und Ethnizität. Frankfurt a.M.

4) Helma Lutz, 2007: "›Die 24-Stunden-Polin‹ - Eine intersektionale Analyse transnationaler Dienstleistungen", in: Cornelia Klinger / Gudrun-Axeli Knapp / Birgit Sauer (Hg.), Frankfurt a.M., 210-235 (hier: 220)

5) Thomas Schwinn, 2007: Soziale Ungleichheit, Bielefeld, 105

6) Gabriele Winker / Nina Degele. 2009: Intersektionalität. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten. Bielefeld, 10

7) Michael Klundt, 2004: "Ursachen, Strukturen und Folgen von Armut und Reichtum in Deutschland", in: Ada-Charlotte Regelmann / Marco Tullney / Holger Kindler (Hg.): Die Folgen der Agenda 2010. Alte und neue Zwänge des Sozialstaats. Hamburg, 36-57 (hier: 41)

8) Konstantin Bender, 2010: Der Zusammenhang von Behinderung und Armut - Ein Beitrag zur Sozialberichterstattung, Marburg

9) Jedem einzelnen Haushaltsmitglied wird ein festgelegtes Gewicht entsprechend seiner Position im Haushalt zugeordnet. Kinder unter 16 gehen beispielsweise mit dem Faktor 0,3 in die Berechnung ein. Hintergrund sind Annahmen über die Verwendungspraxen gesellschaftlich notwendiger Güter.

10) Logistische Regression: Die Logistische Regression ist ein statistisches Verfahren, welches in Anlehnung an die Allgemeine Geradengleichung (y=m*x + b), die Auswirkung eines Merkmals auf die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses berechnet. In diesem Fall also die Wahrscheinlichkeit zur Gruppe der Armen zu gehören. Weist ein Faktor einen Wert von > 1 auf, so erhöht dieser die Eintrittswahrscheinlichkeit des Ereignisses. Ist der Wert kleiner als 1, verringert dies die Wahrscheinlichkeit. Weist ein Merkmal in einer Logistischen Regression (z.B. Geschlecht) zwei Merkmalsausprägungen auf (Frau, Mann), so ist stets das nicht genannte Merkmal als Referenz zu betrachten. Somit hat ein Mann im Vergleich zu einer Frau ein um den Faktor 1,08 erhöhtes Armutsrisiko. Etwas Ähnliches gilt für die Kombinationen der Dimensionen. Hier sind die Werte für das Armutsrisiko im Vergleich zu all jenen zu verstehen die keines oder nicht alle dieser Merkmale aufweisen.

11) Wie dargelegt war dies jedoch nicht anders möglich, da es schlicht keine anderen regelmäßig in der Qualität durchgeführten Datenerhebungen über die Lebensumstände einer großen Anzahl von Menschen gibt und es bis heute kein einheitliches, umfassendes und umsetzbares Konzept zur Armutsmessung gibt.

12) Vgl. Enrico Reuter, 2008: "Weniger ist mehr. Plädoyer für einen ›exklusiven‹ Exklusionsbegriff", in: Rolf Eickelpasch / Claudia Rademacher / Philipp Ramos-Lobato (Hg.): Metamorphosen des Kapitalismus - und seiner Kritik. Wiesbaden, 171-193

13) So Eva Barlösius; zit. nach: Sabine Hark, 2007: "›Überflüssig‹: Negative Klassifikationen - Elemente symbolischer Delegitimierung im soziologischen Diskurs?" in: Cornelia Klinger / Gudrun-Axeli Knapp / Birgit Sauer (Hg.), Frankfurt a.M., 151-163 (hier: 156)

14) Ebd., 157



Stefanie Schröder arbeitet an der an der Universität Hamburg als wissenschaftliche Mitarbeiterin im BMBF-Projekt "USuS - Untersuchung zu Studienverläufen und Studienerfolg".Konstantin Bender hat Soziologie an der Universität Mainz studiert und arbeitet seit mehreren Jahren insbesondere zu bildungs- und sozialpolitischen Fragestellungen. Derzeit ist er Fraktionsgeschäftsführer der Fraktion DIE LINKE im Landtag von Schleswig-Holstein. Kontakt: Konstantin_bender@yahoo.de

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