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Klaus Holzkamp

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Weißes Gold?

15.10.2002: Baumwolle, die Naturfaser mit Licht- und Schattenseiten

  
 

Forum Wissenschaft 4/2002

Baumwolle ist die beliebteste und weltweit am häufigsten genutzte Naturfaser. Weniger populär sind die massiven Probleme für die Gesundheit der Bäuerinnen und Bauern und für die Umwelt, die mit dem konventionellen Anbau von Baumwolle verknüpft sind. Mit dem biologischen Anbau steht jedoch eine Alternativen zur Verfügung, die sich in den letzten Jahren weltweit bewährt hat, jedoch noch viel zu wenig genutzt wird.

Weltweit werden jährlich ca. 20 Millionen Tonnen Baumwolle geerntet. Die Faser, die in über 70 Staaten angebaut wird, ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in vielen Industrie- und Entwicklungsländern. Haupt-Produzenten sind China und die USA, gefolgt von Indien, Pakistan und Usbekistan. Diese fünf Länder stellen gemeinsam mehr als 70% der weltweiten Baumwollerzeugung.1 Ihr Verhalten hat besonderen Einfluss auf den Weltmarktpreis und sie bestimmen damit die Wirtschaft vieler kleinerer baumwollproduzierender Länder.

Um ihre Vormachtstellung auf dem Weltmarkt zu halten, subventionieren nicht nur die USA massiv ihre BaumwollfarmerInnen. Eine Studie im Auftrag der Weltbank kam zu dem Ergebnis, dass die weltweiten direkten Subventionen den ProduzentInnen in den ärmeren Ländern in den letzten vier Jahren einen Schaden von 23 Milliarden US-Dollar zugefügt haben. Gleichzeitig sieht sich die Baumwollwirtschaft einem Rekordtief des Weltmarktpreises ausgesetzt. Die Baumwollpreise werden diese Saison so niedrig sein wie zuletzt 1972/73, rechnet man noch die Inflationsrate hinzu, handelt es sich um ein historisches Preistief. Am härtesten werden die ärmsten Staaten besonders in Afrika betroffen sein.2 Den Verfall des Weltmarktpreises begründet die Bremer Baumwollbörse durch einen Überschuss zur Verfügung stehender Baumwolle. "Mit einer Baumwollproduktion auf Rekordniveau und einer sich weiter verschlechternden Weltwirtschaft sind die Aussichten auf Erholung nicht sehr günstig."3

Geld und Gift

In den letzten 20 Jahren hat die wirtschaftliche Bedeutung des Baumwollanbaus in Westafrika stark zugenommen. Mehr als 6 Millionen Menschen sind in die Produktion involviert. Für Benin, Burkina Faso, Mali und Togo stellt der Rohstoff die Haupteinnahmequelle für ausländische Devisen dar.4Dennoch kann die Region mit einer Jahresproduktion von ca. 1,6 Millionen Tonnen Baumwolle keinen Einfluss auf den Weltmarkt nehmen, stellen sie doch mit dieser Menge weniger als 0,1 Prozent der Gesamtproduktion.

Die Gründe für den Anstieg der Baumwollproduktion in der Region sind vielfältig. Obwohl der Baumwollanbau aufgrund des erheblichen Arbeitsaufwandes und den erforderlichen teuren Investitionen in landwirtschaftliche Hilfsmittel nicht sehr beliebt ist, ist Baumwolle häufig die einzige Möglichkeit, monetäre Einkommen zu erzielen. Zudem haben oftmals staatliche Stellen den Baumwollanbau forciert, um durch Exporterlöse ausländische Devisen zu erwirtschaften.

Der "Boom" wurde möglich durch (agrar-)technische Entwicklungen wie qualitativ hochwertiges Saatgut, synthetische Düngemittel, synthetische Pestizide und den Einsatz von Zugtieren zur Feldbearbeitung. Auf diese Art und Weise konnten die Erträge erhöht und die Anbaufläche ausgeweitet werden.5 Der massive Einsatz von Pestiziden, Düngemitteln, Wuchsstoffen und Entlaubungsmitteln hat immense Auswirkungen für die Bäuerinnen und Bauern, ihre Familien und die Umwelt. Besonders in den Ländern des Südens ist die Gefahr von Vergiftungen groß. Obwohl in diesen Ländern nur 20 Prozent der weltweit ausgebrachten Pestizide zur Anwendung kommen, ereignen sich dort nahezu drei Viertel aller tödlichen Vergiftungsfälle.6

Nur vier Prozent der weltweiten Ackerfläche wird mit Baumwolle bebaut. Dennoch werden mehr als 10 Prozent der weltweit eingesetzten Pestizide auf dieser Anbaukultur ausgebracht, in der Hauptsache Insektizide. Die wichtigsten Insektizide gehören zu den Gruppen der Organophosphate und der Pyrethroide. Von letzteren sind mehr als 100 Wirkstoffe im Einsatz. Viele dieser Stoffe werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als hoch oder extrem gefährlich eingestuft.7 Die am häufigsten verkauften Baumwollinsektizide müssen als Breitbandmittel angesehen werden, d.h. sie bewirken einen "Rundumschlag" gegen sämtliche Insekten, egal ob "Schädling" oder "Nützling". Nur ca. 10 Prozent der insektiziden Wirkstoffe werden spezifischen Produkten zugeordnet, die gezielt gegen bestimmte Schadorganismen wirken. Aufgrund der Zunahme von Resistenzen bei den anvisierten Schädlingen nimmt auch die Zahl der Spritzungen pro Jahr stetig zu.

Es wundert also wenig, dass der Pestizideinsatz im Baumwollanbau viele Probleme bereitet: Beim Verladen von Pestiziden kommt es in heißen Regionen häufig vor, dass Arbeiter die Säcke mit bloßem Oberkörper schultern. Die Aufnahme über die Haut kann zu ernsthaften Vergiftungen führen. Beim Ansetzen der Pestizide auf dem Feld kann oft nicht einmal das absolute Minimum an Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Bei der Ausbringung ist Schutzkleidung oft gar nicht vorhanden, selten jedenfalls vollständige und funktionsfähige. In heißen Regionen ist es zudem fast unerträglich, diese zu tragen. Darüber hinaus haben leere Pestizidbehälter in armen Ländern einen hohen Wiederverwertungswert. In den seltensten Fällen werden sie ausreichend gereinigt, so dass das später darin aufbewahrte Wasser, Öl oder Mehl mit Pestizidrückständen belastet wird.

Baumwolle oder Leben?

Aufgrund der zunehmenden Resistenz gegen Insektenvernichtungsmittel erlaubte z.B. die Regierung des westafrikanischen Landes Benin in der Anbausaison 1999/2000 die Wiedereinführung des umstrittenen Insektizids Endosulfan. Hierbei handelt es sich um einen Organophosphat-Wirkstoff, der als Nervengift bekannt ist und in der Regel akut toxisch wirkt. Wegen Vergiftungsfällen und gesundheitlichen Problemen war das Insektengift zwischenzeitlich nicht zugelassen. Die Folgen der Wiedereinführung waren und sind verheerend: Nicht nur die anvisierten Schädlinge wurden getötet, sondern auch Männer, Frauen und Kinder fielen dem Gift zum Opfer. Allein in der Hauptanbauregion für Baumwolle in Benin wurden in der Anbausaison 1999/2000 offiziell 73 Vergiftungsfälle registriert, 37 davon mit tödlichem Ausgang. Inoffiziell werden die Zahlen noch weitaus höher eingeschätzt. Die Zulassung für Endosulfan blieb dennoch weiter bestehen, und auch in der folgenden Anbausaison wurde das Problem trotz verschiedener Kampagnen und Radiosendungen über die Gefahren des Insektenvernichtungsmittels nicht gelöst. Nach Recherchen der Organisation Béninoise pour la Promotion de l’Agriculture Biologique (OBEPAB) waren in der Saison 2000/2001 in zwei Baumwollanbaugebieten in Benin insgesamt 265 durch Pestizide verursachte Vergiftungsfälle zu verzeichnen, 24 davon mit tödlichem Ausgang. 11 der tödlichen Fälle betrafen Kinder unter 10 Jahren.8

Aber auch indirekt hat die Abhängigkeit von Pestiziden verheerende Auswirkungen für die ProduzentInnen vor allem in den ärmeren Ländern. Meist werden die Pestizide auf Kredit gekauft, die erst durch Erntegewinne zurückgezahlt werden können. Fällt die Ernte aber gering aus, oder ist der Weltmarktpreis gerade niedrig, können die Schulden nicht bezahlt werden. Ein Schlaglicht auf die Ausweglosigkeit dieser Situation warfen 1999 indische LandwirtInnen im Bundesstaat Adra Pradesh, die eine demonstrative Form von Selbstmord wählten, indem sie die Pestizide tranken.9

Pestizide schaden nicht nur unmittelbar der Gesundheit von Menschen, auch die Umwelt hat unter ihrem Einsatz zu leiden. Neben den Schädlingen werden auch Nützlinge vernichtet, und durch Verdunstung, Auswaschung, Abschwemmung und Abdrift gelangen Pestizide in benachbarte Ökosysteme. Oberflächengewässer, Grund- und Trinkwasser werden kontaminiert, es kommt z.B. zu Verschiebungen der Artenzusammensetzung.

Weitere Umweltprobleme infolge des Baumwollanbaus sind der Verlust der Bodenfruchtbarkeit, der Verlust von Biodiversität, Wasserbelastungen und -verschmutzungen sowie nachhaltige Veränderungen des Wasserhaushalts. Künstliche Bewässerung wird immerhin auf mehr als der Hälfte der Anbaufläche notwendig, mehr als drei Viertel der geernteten Baumwolle stammt aus Bewässerungsanbau.

In einigen Ländern ist der Anbau von Baumwolle erst durch umfangreiche Bewässerungssysteme im 19. Jahrhundert ermöglicht worden. Der Preis für diese "Errungenschaft" ist oft hoch: Im Bewässerungsanbau, beispielsweise in bestimmten Regionen im Sudan, im Senegal oder in Usbekistan, werden rund 29 m3 Wasser für den Anbau von einem Kilogramm Rohbaumwolle benötigt. Das Wasser wird anderen Nutzungen entzogen. Bei ungenügender Sachkenntnis versalzt der Boden und das Land verödet.

Das bekannteste Beispiel für die Auswirkungen intensiver konventioneller Baumwollproduktion stammt aus der Aralsee-Region im heutigen Usbekistan. Aufgrund der immensen Wasserentnahmen zur Bewässerung der Baumwollkulturen ist der ehemals viertgrößte Binnensee der Welt auf ein Drittel seiner Größe geschrumpft. Der Salzgehalt stieg um mehr als das Dreifache, die ursprünglich reiche Fauna und Flora ist zerstört. Die Umweltkatastrophe blieb auch für die Menschen nicht ohne Auswirkungen. Seit Mitte der 1970er Jahre haben in der Region infektiöse Erkrankungen von Magen, Darm und Atmungsorganen zugenommen. Die Kindersterblichkeit ist hoch und Missbildungen treten immer häufiger auf.10

Hilfe durch Gentechnik?

Seit 1996 wurde in den USA und später auch in anderen Ländern gentechnisch veränderte Baumwolle kommerziell angebaut. Mittlerweile befinden sich verschiedene Varianten auf dem Markt. So sind manche Gentech-Sorten mit einer Herbizid-Toleranz ausgestattet, so dass während der gesamten Anbauperiode ein bestimmtes Totalherbizid auszubringen ist, das nur den Baumwollpflanzen nicht schadet. Andere Gentech-Varietäten produzieren das Insektengift Bt11 und sollen sich auf diesem Weg selbst gegen bestimmte Schädlinge schützen. Eine dritte Gentech-Variante vereint die beiden Eigenschaften.

Die Fläche mit gentechnisch veränderter Baumwolle hat seit dem ersten kommerziellen Anbau 1996 stetig zugenommen. Weltweit waren in der Anbausaison 2000/2001 bereits mehr als 20 Prozent der gepflanzten Baumwolle gentechnisch verändert. In China wurde 1997 Bt-Baumwolle eingeführt, und bereits im Jahr 2000 wurde diese Gentech-Baumwolle auf 30% der Anbaufläche gepflanzt. Im Jahr 2001 hat sich diese Fläche noch einmal auf 1,5 Millionen Hektar verdreifacht.12 Eine kürzlich von Greenpeace veröffentlichte Studie bestätigt Befürchtungen von UmweltschützerInnen und kritischen WissenschaftlerInnen: Bereits nach wenigen Jahren des Anbaus zeigen Feld- und Laboruntersuchungen, dass der Baumwollkapselwurm, einer der Hauptschädlinge in China, gegen die Wirkung der Bt-Baumwolle immun werden kann. WissenschaftlerInnen gehen davon aus, dass die Bt-Baumwolle bei einem kontinuierlichen Anbau ihre Resistenz gegen den Baumwollkapselwurm in 8 bis 10 Jahren verliert.13 Doch nicht nur Resistenzentwicklungen werden die Bäuerinnen und Bauern zurück in die Pestizid-Abhängigkeit treiben, auch innerhalb einer Anbausaison lässt die Wirkung der Bt-Baumwolle nach, und die FarmerInnen sind schon heute gezwungen, zwei bis drei zusätzliche Insektizidbehandlungen gegen den Baumwollkapselwurm durchzuführen.

Allgemein fallen erste Bewertungen des Einsatzes von gentechnisch veränderter Baumwolle je nach Befragten und auch Auftraggeber sehr unterschiedlich aus. Sowohl BefürworterInnen wie auch KritikerInnen sehen ihre Prognosen bestätigt. Die kritischen Stimmen verweisen auf die Resistenzproblematik, die nicht erfüllten Ernteerwartungen und die widerlegten Versprechen eines verbesserten Umweltschutzes insbesondere durch den Rückgang der eingesetzten Pestizidmengen. Der Worldwide Fund for Nature (WWF) in der Schweiz fand anhand der zur Verfügung stehenden Daten für die USA heraus, dass weder die Bt-Baumwolle zu einer nennenswerten Reduktion des Insektizideinsatzes geführt hat, noch durch den Anbau herbizidtoleranter Gentech-Baumwolle Unkrautvernichtungsmittel eingespart werden konnten. Vielmehr hat eine Verlagerung hin zu einem Mehrverbrauch an Totalherbiziden stattgefunden, insbesondere des bekannten, von der Firma Monsanto vertriebenen Produktes Roundup.14

Biologischer Anbau

Auf der Suche nach nachhaltigen, umwelt- und sozialverträglichen Alternativen gewinnt der kontrolliert biologische (oder ökologische) Landbau weltweit an Bedeutung. Ökologischer Landbau ist mehr als der Verzicht auf den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide. Er stellt das ökologische System in den Vordergrund und bildet ein Geflecht aus der Verminderung von Nährstoffverlusten, dem Anbau lokal angepasster Varietäten, den Einsatz zur Verfügung stehender organischer Dünger wie Mist und Kompost, einer vorausschauenden Planung der Fruchtfolge und einer mechanischen und vorsorgenden Unkraut- und Schädlingsregulierung.15 Der ökologische Anbau sorgt also vor, nicht nach. Baumwoll-Monokulturen sind im kontrolliert biologischen Anbau ausgeschlossen. Es handelt sich beim Biobaumwoll-Anbau noch um eine recht junge Disziplin, die mittlerweile in ca. 17 Ländern praktiziert wird. Darunter befinden sich Ägypten, Indien, Benin, Peru, Tansania, Israel und die USA.

Das größte Problem für die ProduzentInnen ist die Phase der so genannten "Umstellung" auf ökologischen Anbau, der Zeitraum also, in dem konventionelle Rückstände abgebaut und zur ökologischen Bewirtschaftungsweise gewechselt wird. Auf diesem Weg sind meist mehrere Hürden zu nehmen, wie beispielsweise die Anschaffung neuer Geräte oder der Anbau und die Vermarktung anderer Ackerfrüchte, da zur Regeneration der Bodens in unterschiedlichen Fruchtfolgen bebaut werden muss . Durch die Veränderung der Fruchtfolge geht die mit Baumwolle bestellte Fläche zurück. Zudem sinkt in den ersten Jahren der Ertrag pro Hektar. Zwar werden durch den Verzicht auf Pestizide erhebliche Kosten eingespart, aber da der Verkauf von Baumwolle oft die einzige Quelle zur Einnahme von Devisen ist, wird im Rahmen der Umstellung versucht, andere Exportfrüchte in die Fruchtfolge mit einzubauen, wie beispielsweise Weizen in der Türkei oder Erdnüsse in Westafrika. Die mit der Ausweitung der Fruchtfolge vollzogene ökologische Diversifizierung bringt für die Bäuerinnen und Bauern auf der einen Seite eine Minderung des wirtschaftlichen Risikos mit sich, auf der anderen Seite erfordert sie aber auch neue Strukturen und Kompetenzen, auch im Bereich der Vermarktung.16

Politische Aufgaben

Bislang ist der Marktanteil biologischer Baumwolle mit weniger als einem Prozent noch verschwindend gering. Nur wenn in den reichen Industrieländern die Voraussetzungen für einen höheren Marktanteil geschaffen werden, haben mehr Bäuerinnen und Bauern die Chance, ihre Produktionsmethoden umzustellen, um sich eine ökonomische Basis zu schaffen und gleichzeitig die Umwelt zu schonen.

An dieser Stelle sind viele gefragt, auch die Politik: Beim Weltgipfel in Johannesburg kündigte EU-Kommissionspräsident Prodi beispielsweise an, "einen Teil der aus "handelsverzerrenden" Agrarsubventionen frei werdenden Mittel in die Entwicklungshilfe fließen zu lassen".17 Ein solcher Schritt könnte u.a. der Abbau der Subventionen für den Baumwollanbau in Griechenland und Spanien sein.

Auf kommunaler Ebene sind auch Regeln für die öffentliche Beschaffung denkbar, die vorschreiben, umwelt- und sozialverträgliche Produkte vorzuziehen, wie es z.B. bei Büromaterialien hier und da der Fall ist.

Auch Unternehmen stehen in der Pflicht, ihre Produkte möglichst umwelt- und sozialverträglich herzustellen und anzubieten. Dass dies im Bereich der Baumwolle und der weiteren textilen Kette möglich ist, beweisen sowohl zahlreiche kleine Pionierunternehmen der Naturtextilbranchen als auch seit einigen Jahren sog. Global Players. In Deutschland ist beispielsweise der Versandhandel OTTO sowohl in Sachen Biobaumwolle als auch beim Thema Sozialstandards engagiert. Gleiches gilt für die derzeitige Nummer Eins im Verkauf von Biobaumwoll-Textilien, die Schweizer Handelskette Coop.

Informations- und Aufklärungsarbeit der umwelt- und entwicklungspolitisch arbeitenden Nichtregierungsorganisationen kann ein Problembewusstsein bei VerbraucherInnen fördern und zu einem Handeln anregen, das die Alternative Bioanbau von Baumwolle fördert. Doch nicht nur EndverbraucherInnen sind in diesem Kontext gefragt. Das Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany) hat mit der Umstellungsinitiative ein Projekt ins Leben gerufen, das sich gezielt an GroßabnehmerInnen richtet. Die Baumwoll-Kampagne Cotton Connection wendet sich an Vereine, soziale und kirchliche Einrichtungen, Krankenhäuser, Hotels, Schulen, Büros und sonstige Unternehmen, die einen aktiven Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten wollen. Cotton Connection informiert die Institutionen über Fragen rund um das Thema Baumwolle und zeigt konkrete Alternativen für den Textilbedarf auf. Sie begleitet individuell die an einer Umstellung interessierten Einrichtungen, klärt, welche Baumwolltextilien sich am besten für eine erste Umstellung eignen und unterstützt die Institutionen bei der Suche nach geeigneten Anbietern. Ist der passende Zulieferer gefunden, halten die Baumwolltextilien aus kontrolliert biologischen Anbau Einzug in die Einrichtung, die Organisation oder das Unternehmen.

Die Evangelische Bildungs- und Tagungsstätte Haus am Schüberg in Ammersbek bei Hamburg war Pilotprojekt im Rahmen der Umstellungsinitiative. Ende 1999 hat das Tagungshaus 100 konventionelle Bettgarnituren durch Bettwäsche aus umwelt- und sozialverträglicher Herstellung ersetzt. Die positiven Erfahrungen haben dazu geführt, dass im Laufe der Zeit weitere Textilien in kontrolliert biologischer Qualität angeschafft wurden.

Anmerkungen

1) Bremer Baumwollbörse: Jahresbericht 2001, Bremen 2002.

2) Ebro, K.: Cotton Producers Face Losses Because Of Rich Country Subsidies, Says ICAC Report, Worldbank News Release No. 2003/017/S, 2002

3) Bremer Baumwollbörse: Jahresbericht 2001, Bremen 2002, S. 48

4) Ton, P.: cotton production and rural livelihoods in west africa, Dakar 2001

5) ebd.

6) ILO - International Labour Office: World Labour Report 1994, Geneva 1994

7) Weber, C.; Parusel, D. Zum Beispiel Baumwolle, Göttingen 1995

8) Baier, A.: baumwolle.organic, Informationsmappe, Pestizid Aktions-Netzwerk e.V., Hamburg 2001

9) ebd.

10) Haffmans, S.: Baumwolle und Textilien in EFTA: Europäisches Jahrbuch für Fairen Handel 2001

11) Das Bt-Toxin stammt ursprünglich vom Bodenbakterium Bacillus thuringiensis und ist u.a. wegen seiner spezifischen Wirksamkeit eines der wenigen Mittel, das im Ökolandbau zugelassen ist. Eine Resistenzentwicklung der Schädlinge gegen das Bt-Toxin hätte für den Ökolandbau verheerende Wirkung. Ohne den Einsatz der gentechnisch veränderten Pflanzen konnten sich solche Resistenzen nicht bilden, da im Ökolandbau Pulverpräparate ausgebracht werden, die unter Sonneneinwirkung innerhalb weniger Stunden abgebaut werden.

12) James, C.: Global review of Commercialized Transgenic Crops: 2001, ISAAA Briefs No. 24(2002), Exzerpt veröffentlicht unter www.isaaa.org

13) Xue, D.: A summary of research on the environmental impacta of Bt cotton in China, Greenpeace 2002 (Internet Download unter www.greenpeace.de/GP_DOK_3P/HINTERGR/C05HI134.PDF)

14) WWF Schweiz: Transgenic cotton: Are there benefits for conservation? Zürich 2000

15) Stolton, S./Myers, D.: Organic cotton - from field to final product, Intermediate Technology Publications, UK 1999

16) Haffmans, S., a.a.O.

17) Breyer, H.: EU-ÖkoNews Nr. 7/02 September 2002


Alexandra Baier ist Koordinatorin der Baumwollkampagne Cotton Connection des Pestizid Aktions-Netzwerk e.V., Hamburg

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