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Klaus Holzkamp

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Prima Klima

15.05.2009: Vergessene Einsichten, neue Weitsichten

  
 

Forum Wissenschaft 2/2009

Gegner des Atomenergie-Ausstiegs wittern wieder Morgenluft. Mehrere miteinander verwickelte Krisen, zumal die Klimakrise, scheinen das zu erleichtern. Umso dringlicher ist der Hinweis auf Nutzungsmöglichkeiten alternativer - ungefährlicher und nachhaltiger - Energiequellen. Seit Jahrzehnten werden sie wissenschaftlich erforscht und dargestellt. Rolf Czeskleba-Dupont erinnert daran und reißt den politischen Horizont auf.

Vor 28 Jahren schrieb Florentin Krause, durch einen Werkvertrag von vier Monaten im Öko-Institut für die Ausarbeitung der Studie "Energiewende - Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran" verpflichtet, in der Zeitschrift des BdWi, die damals noch BdWi-FORUM hiess, über die Geschichte dieses Energieprojektes: Es gab keinen großen Computer, es sollte keinen Affront gegen Bundesbürger geben, denen der Verzicht auf Kernenergie ans Eingemachte zu gehen schien; dafür aber methodisch klare Begründungen dafür, dass "bessere Energienutzung die größte Energiequelle ist."1 Wir blicken hier zurück in eine Zeit, in der die Schulkinder, anders als heute, noch nicht das lernten, was in der Wissenschaft damals endlich bewusst geworden war2: dass Kohlendioxidemissionen aus Verbrennungsprozessen, insbesondere aus Kohle und Erdöl, zusammen mit anderen in die Atmosphäre gelangten "Treibhausgasen", etwa Methan, das Strahlungsgleichgewicht der Erde stören, wodurch sich das Klima verändert. Vom kürzlich entdeckten Super-Klimakiller Sulfurydifluorid, einem Insektizid, wussten die Schulkinder damals natürlich erst recht nichts.3

Heute sehen sich Befürworter/innen eines fortgesetzten Ausstieges aus der Kernenergie dem Gegenargument ausgesetzt, es seien alle technischen Möglichkeiten CO2-emissionsarmer Energieversorgung, hierunter Atomkraft, zu nutzen, um der globalen Erderwärmung so effektiv wie möglich entgegenzuwirken. Man kann dem mit Vergleichen von "best available technologies" der Marktversorgung entgegnen, wie es das Öko-Institut 2007 in einer Studie für das Bundesumweltministerium getan hat, die auf Lebenszyklus-Analysen basiert war.4 Wobei deutlich zutage tritt, dass eine kluge Bewirtschaftung terrestrischer Ressourcen für biogasbetriebene Kraftwärmesysteme das wirkliche klimapolitische Plus darstellt.

Energiewende-Szenarien

Allerdings war der Auftrag für dieses Gutachten offensichtlich auf die Frage der Versorgung mit gegebenen Energiemengen beschränkt, so dass die Aussagekraft der Ergebnisse im Vorhinein begrenzt war. Dagegen war das Novum der Energiewende-Studie, das überhaupt erst die Perspektive eines die Energieverbräuche senkenden Alternativszenariums ermöglichte, die Einführung des Begriffs der Energiedienstleistung. Er entspricht dem Begriff des Nutzeffekts produzierter Güter und Leistungen in der materialistischen politischen Ökonomie. Die Wärme oder die Helligkeit eines bestimmten Raums z.B. sind eine erstrebte Energiedienstleistung: "Danach ergibt sich der zu schätzende Energiebedarf als Produkt von zwei Faktoren, nämlich der Zahl und Größe der Energiedienstleistungen einerseits und deren von der jeweiligen Technik abhängigen Energieintensität andererseits."5 Letzterer technologiespezifische Faktor bietet die entscheidende Möglichkeit zur Reduktion des Energieverbrauchs, die in Studien von Großforschungsinstituten wie dem IIASA im Ansatz nicht berücksichtigt worden war (der Mitverfasser der Energiewende-Studie Hartmut Bossel hat dies systematisch kritisiert). Außer der Senkung des spezifischen Energieverbrauchs durch Geräteverbesserungen (z.B. sparsamere Heizanlagen) können zur rationellen Erzeugung einer bestimmten Energiedienstleistung auch veränderte Umfeldbedingungen (z.B. energiesparende Bauweisen) beitragen.

Auch heute wird das Gespenst fehlender Energieversorgungsoptionen an die Wand einfacher Projektionen von Bevölkerungszahlen und Wohlstandserwartungen gemalt. In globalen Aufhol-Überlegungen in Bezug auf die so genannten Schwellenländer geschieht dies auch wieder in der grotesken Form von Pro-Kopf-Schätzungen des Verbrauchs von Primärenergie-Äquivalenten, als seien die technischen Umsetzungen und organisatorischen Arrangements zwischen Minenschacht oder alternativen Aggregaten der Energiegewinnung einerseits und andererseits den Energiedienstleistungen am Ende der Kette immer gleich ineffizient. Obwohl alle Welt von Nachhaltigkeit redet, wird dabei übersehen, dass der Brundtlandbericht der UNO-Kommission für Umwelt und Entwicklung (1987) Energiewendeszenarien klar befürwortete. Der Gegensatz von "Hochenergieszenarien", welche die rationellere Energienutzung links liegen ließen, und "Niedrigenergieszenarien" wurde hier ohne Abstriche vorgeführt, wobei letztere durch rationellere Energienutzung den Weg zur Umstellung auf nachhaltig erneuerbare Potenziale ermöglichten. Bis 2037 könnte die Energienachfrage der Welt mit der Hälfte des Einsatzes von Primärenergien gedeckt werden, war die frohe Botschaft.6

Als theoretischen Grund für diese damals revolutionierende Erkenntnis nannte Krause "die thermodynamische Struktur des End- bzw. Nutzenergiebedarfs. Nur wenn man die Energieverbrauchsstatistik, die nach Verbrauchssektoren und nach Energieträgern organisiert ist, nach der Art der physikalischen Anwendung (Elektrizität, Kraft, Wärme nach erforderlicher Temperatur) neu ordnet, kann man die quantitative Bedeutung von effizienteren Gebäuden, Fahrzeugen, Geräten, Maschinen usw. sowie das theoretische Potential der Kraft-Wärme-Kopplung rasch überblicken."7 Damit wurde in Westdeutschland ein theoretisches Verständnis der Energieproblematik erreicht, wie es 1974 die American Physical Society propagiert hatte, das aber leider in die Planungspraxis eines staatssozialistischen Landes wie der DDR niemals Eingang gefunden hat. Hier mussten sich die Verfasser eines ansonsten paradigmatisch wertvollen Buches über "Umweltgestaltung und Ökonomie der Naturressourcen" von 1979 mit der irrigen Auffassung abspeisen lassen, dass "Nutzenergie nach Ansicht von Energetikern messtechnisch nicht erfassbar ist".8 Vom letztlich interessierenden Nutzeffekt der sog. Nutzenergie, z.B. der unter anderem mithilfe von Heizkörperwärme erzeugten Raumwärme, war sowieso nicht die Rede. Wie sollte dann begriffen werden, dass z.B. die Effektivität der elektrischen Widerstandsheizung nicht 100% ausmacht, wie eine einfache Output-Input-Rechnung in Joule besagt (der ganze Strom wird zu Wärme als energetischem Abfall), sondern mehr als eine Größenordnung niedriger liegt, da komfortable Raumwärme wesentlich durch Umgebungswärme wie z.B. bei Wärmepumpen gedeckt werden kann9. Krause erwähnte in seinem Forum-Aufsatz, dass "die technischen Berichte, die sich aus den Vorarbeiten für die ,Energiewende' ergaben, Günther Altner als Basis für seine Arbeit in der Enquete-Kommission ,Zukünftige Kernenergiepolitik' des Bundestages dienten".10 Hier wurden sie mit den mechanischen Extrapolationen der führenden wirtschaftswissenschaftlichen Institute konfrontiert, die allesamt steigende Energiebedarfe und damit eine Energielücke prognostizierten, die den Zubau von Kraftwerkskapazität zur Überlebensfrage mache. Im Endergebnis erreichte die Kommission eine klimapolitisch wesentliche Schlussfolgerung, die aus weniger systematischen Betrachtungen nicht zu gewinnen war. Der BUND resümiert dies auf einer website folgendermaßen: "Der Deutsche Bundestag setzte 1979 eine Enquete-Kommission ,Zukünftige Kernenergiepolitik' ein, die die aktuellen Themen Ölpreiskrise, Schneller Brüter, Atommüllentsorgung, Energiezukunft politisch und wissenschaftlich abhandeln sollte. 7 Abgeordnete (3 SPD, 3 CDU/CSU, 1 FDP) arbeiteten mit 8 Energiewissenschaftlern zusammen, die ebenfalls nach dem Parteienproporz gewählt wurden. 1980 erzielten sie die politisch außerordentlich überraschende Einigung, dass es möglich sei, die Energieversorgung der beträchtlich wachsenden Volkswirtschaft mit und ohne Atomkraft sicherzustellen. Ab 2000, so die Folgerung aus den unterschiedlichen ,Energiepfaden', könnten die Atomkraftwerke abgeschaltet sein, der CO2-Ausstoß würde sich im Vergleich zur Atomvariante reduzieren."11

Zum Leiden der Nachwelt gingen diese Erkenntnisse nach der politischen Wende von 1982 zur Kanzlerschaft von Helmut Kohl verloren, dem die voreilige Schlüsselübergabe durch den Genossen Gorbatschow 1989/90 zu einem unverdienten Staatsmanns-Effekt verhalf; er erlaubte es ihm, den annektierten Teil Deutschlands auch noch mit einer trügerischen Vision "blühender Landschaften" zu blenden. Der wohlbegründeten Abschaltung der Kernkraftwerke der DDR folgte leider keine substanzielle Energiewende ...

Romantischer Holzrausch

Die Methode ,Kritische(r) Energieanalyse', die Florentin Krause vorgestellt hat, hilft auch andere, zunächst paradox erscheinende Phänomene zu durchschauen. So wird von romantischen Grünen, denen der ,Holzrausch'12 noch kein Problem ist, angenommen, die Einstellung häuslicher Holzfeuerungen würde uns notwendigerweise die Kernenergie ins Haus bringen. Tatsache ist aber, dass das am stärksten von Kernenergie abhängige europäische Land, Frankreich, seit 1999 den Erwerb und die Anwendung von Brennöfen zu Heizzwecken steuerlich begünstigt. In anderen Ländern mag dies zwar auch indirekt der Fall sein, wie etwa in Dänemark, wo es auf Holz im Gegensatz zu anderen Brennstoffen keine Abgaben gibt - einUnterschied, der daher rührt, dass es in Dänemark als Antwort auf die Ölpreiserhöhungen der siebziger Jahre gelungen war, sowohl zentrale als auch dezentrale Kraft-Wärme-Koppelung zur Elektrizitäts- und Wärmeerzeugung durchzusetzen. Da die Auskoppelung von Fernwärme aus Kernkraftwerken wegen des geforderten Sicherheitsabstands von Siedlungszentren nicht sinnvoll ist, sind Kernenergie-Länder wie Frankreich auf eine weniger effektive, gesonderte Wärmeversorgung angewiesen.

Holzheizungen sind aber heute leicht durch elektrisch betriebene Wärmepumpen mit hohen Effizienzfaktoren zu ersetzen. Dem steht ,nur' ein klimapolitisch bedingtes, tendenziell verhängnisvolles Missverständnis entgegen, nämlich die behauptete CO2-Neutralität der Feuerung mit Biomasse generell. Man übersieht, dass nur im Pflanzenanbau mit kurzen Rotationszeiten absehbar ist, wann die gegenüber allen fossilen Brennstofffen, vor allem aber gegenüber Erdgas pro Energieeinheit stark erhöhte Emission von CO2 wieder durch den Pflanzenwuchs gebunden wäre. Zu meinen, man könne sich den Ausgleich der erhöhten CO2-Belastung der Atmosphäre heute schon als gegeben anrechnen lassen, obwohl es sich beim Baumwuchs um Jahrzehnte bis Jahrhunderte handelt, die zur Bindung der emittierten CO2-Beträge erforderlich sind, ist eine Spekulation, die derjenigen nicht nachsteht, die man in der Finanzwelt z.Zt. genügend beobachten kann.

Diese von der internationalen Staatenwelt in den Ausführungsbestimmungen zum Kyoto-Protokoll, die 2001 in Marrakesh beschlossen wurden, eingeführte Praxis muss unbedingt gestoppt werden, wenn anders der Holzrausch nicht in zynische Ernüchterung umschlagen soll. Das Ziel einer low-carbon economy mit verringerten CO2-Emissionen lässt sich nicht durch Umstieg auf den nachwachsenden Kohlenstoff erreichen, wenn dieser im Verhältnis zu den aktuellen Klima-Erfordernissen zu langsam nachwächst.13 Außerdem hat die atmosphärische Verbrennung von kohlenstoffhaltiger Biomasse bei unzulänglicher Rauchgasreinigung auch noch eine Luftverschmutzungskomponente mit dem Abbrennen von Wäldern gemeinsam, nämlich die Rußemission. Rußpartikel sind nicht nur gesundheitsschädlich, sondern wirken auch direkt wärmend auf die Erdatmosphäre. Und zwar auf zweierlei Weise: einmal während ihres Aufenthalts in der Atmosphäre, wo sie Wärme absorbieren, und zum andern bei Ablagerung auf helleren Flächen, vor allem Polareis.14 Die Luftzirkulation ist unglücklicherweise so eingerichtet, dass, wie die Nasa beobachtet hat, grosse Mengen von Rußpartikeln von den Waldbränden Ost- und Südasiens über die Beringstraße in den Polarzirkel gelangen. Auch vom Hausbrand in gemässigten bis nördlichen Breiten ist dies zu erwarten. Statt die Holzfeuerung aus falsch verstandenen klimapolitischen Gründen zu fördern (die dänische Regierung hat diese Gründe sogar als Argument benutzt, um ihre fehlende Intervention gegen die Dioxinemission aus Brennöfen zu legitimieren), wären schneller als die CO2-Reduktion wirkende Erfolge gegen die Erwärmung der Erdatmosphäre zu erreichen, wenn die emittierten Rußmengen verringert würden. Ist die Erderwärmung erst einmal auf mehr als 3 °C über das vorindustrielle Temperaturniveau gestiegen, wozu der Holzverbrennungs-Rausch global beiträgt, droht im übrigen nach Auffassung des IPCC die Vegetation von einer CO2-Senke in eine CO2-Quelle umzukippen.15

Klimapolitische Weitsicht

Aus diesen Verwickelungen herauszukommen, erfordert eine Besinnung darauf, wie kurzsichtige und kleinkarierte Bestimmungen dessen, was klimapolitisch richtig und energiepolitisch erforderlich ist, durch historische Weitsicht und den Problemen angemessene Lösungsstrategien ersetzt werden können. Persönlich fand ich es sympathisch, dass Lord Stern durch jahrzehntelange Erfahrungen in Indien und China der ihm anscheinend anhängenden eurozentrischen Position entwachsen war. Jedenfalls wendete er auf dem Klimaforschungskongress in Kopenhagen, der im März 2009 vom Verband der Forschungsuniversitäten der IARU in Vorbereitung auf die Kyoto-Nachfolgekonferenz veranstaltet wurde, die Initiative auf die Schwellenländer und Entwicklungsländer um und meinte, sie sollten Forderungen nach Technologie- und Finanzhilfen für sich selber an die Gesellschaften des entwickelten Zentrums stellen, statt dass diese weiterhin davon ausgingen, dass die Schwellen- und Entwicklungsländer in ein System westlichen Zuschnitts einzubeziehen seien. Nicht weniger ermutigend war seine Polemik gegen den am Vortag begrüßten keynote-Sprecher William D. Nordhaus, der, von marginalistischen Betrachtungen ausgehend, zur Marktkorrektur durch CO2-Steuern im jeweiligen nationalen Rahmen aufforderte. Dies sei der strukturellen Tiefe des Problems nicht angemessen. Stern bezeugte damit eine weitergehende Einsicht in die Irreversibilität der Klimalage, in der sich die Menschheit befindet und die historische Perspektiven erfordert.

Sterns bekannte Botschaft, dass es in Bezug auf die Erderwärmung weniger kostet, heute vorbeugend als morgen nachsorgend zu handeln, kann auch historisch gewendet werden. So war es die Auffassung von Barry Commoner in seinem 1990 erschienenen Werk "Making peace with the planet", der Klimaproblematik werde am besten durch Substitution fossiler Brennstoffe vorgebeugt, und zwar aus ökologisch-ökonomischen Gründen: Da stets die leicht abbaubaren Vorkommen mineralischer Rohstoffe zuerst abgebaut würden, sei einer progressiven Kostensteigerung entgegenzuwirken durch Übergang auf solare Energiequellen im weitesten Sinn. Da 1990 vor dem Einmarsch der von den US-Truppen geführten Invasion im Irak noch von einer Friedensdividende die Rede war, stellte er (wie auch in geringerem Umfang das Worldwatch-Institut) schon damals ein Investitionsprogramm auf: Demzufolge hätten unter 2% des Bruttosozialprodukts der Welt in maximal 20 Jahren genügt, um nicht nur die Energieversorgung und die Energieanwendungen in der globalen Gesellschaft auf solare Quellen umstellen zu können, sondern dies auch durch Investitionen in ökologische Landwirtschaft, sanfte Chemie und kollektiven Transport abzusichern. Neben Entlastungen der lokalen und der globalen Umwelt gehörte für Commoner auch die technologische Umstellung der Entwicklungsländer zum Auswahlkriterium zu fördernder Technologien. Er hatte schon 1987 dargestellt, dass die Verbreitung von Atomkraft in Entwicklungsländern keinen Wachstumseffekt gezeitigt hatte - wie dies beim Ausbau von Elektrizitätsnetzen der Fall war.16 In den vorgeschlagenen Investitionen war auch eine Entschuldung der Entwicklungsländer einbegriffen.

Die Welt sähe besser aus, wenn dieser Weg damals verfolgt worden wäre. Die Frage ist, ob, unter welchen Bedingungen und wann ein solcher Entwicklungspfad einer Öko-Pax-Strategie gesellschaftlich und historisch eingeschlagen wird. Noch sind die Zeichen einer Wende schwach, aber immerhin ist z.B. der Rückgang der Nachfrage nach geländegängigen Kriegs- und Zivil-Autos, der in Dänemark schon vor September 2008 eingesetzt hat, ermutigend. Das noch immer in den Afghanistan-Krieg verwickelte Staatensystem der Nato bezeugt aber die Zählebigkeit der Illusion, sich die Naturressourcen anderer billig aneignen zu können. Die in dem genannten Buch von Roos und Streibel versammelten DDR-Theoretiker sahen im Kriegführen zur Aneignung von Naturressourcen anderer die Spitze imperialistischer Entfremdung. Sie wird erst überwunden werden, wenn diese exploitative Ressourcenpumpe durch lokal besseres Wirtschaften und eine andere Politik ersetzt worden ist.

Anmerkungen

1) BdWi-Forum, Nr. 45, Januar-März 1981, 29

2) vgl. Karl-Otto Henseling, Am Ende des fossilen Zeitalters, 2009, 146ff.

3) Journal of Geophysical Research, Südd. Zeitung 12. 03. 09

4) Uwe R. Fritzsche, Treibhausgasemissionen und Vermeidungskosten der nuklearen, fossilen und erneuerbaren Strombereitstellung, 2007

5) Florentin Krause, Energieversorgung der Bundesrepublik ohne Kernenergie und Erdöl. Zur Geschichte des Energieprojektes des Öko-Instituts, BdWi-Forum, Nr. 45, 27ff.

6) Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, Unsere gemeinsame Zukunft, 1987, 203; wo ,essential energy-services' fälschlich als ,Grundenergieversorgung' übersetzt wurde.

7) Krause, a.a.O.

8) Hans Roos, Günter Streibel u.a., Umweltgestaltung und Ökonomie der Naturressourcen, 1979, 174

9) Zum Carnot-Faktor als Korrektiv vgl. H. Bossel, Neue Gesichtspunkte bei der Energienutzung; in: Sonnenenergie & Wärmepumpe, Jg.6, 1981, Heft 1, 6-18

10) Krause, a.a.O., 28

11) Vgl. auch den Kommissionsbericht, Bundestagsdrucksache 8/4341 v. 27.06.1980

12) Peter Wohlleben, Holzrausch, Der Bioenergieboom und seine Folgen, 2008

13) Bent Sørensen, Renewable eneregy, Academic Press, 3.Ausg. 2004, 483

14) Ramanathan, V. Und G. Carmichael: Global and regional climate changes due to black carbon, Nature Geoscience, vol.1, 2008, 221-226

15) IPCC 2007, WG II.

16) Barry Commoner, World Policy Journal, vol.1, 1987, 231-255


Rolf Czeskleba-Dupont, PhD, M.Sc., ist Geograf, Gesellschaftswissenschaftler und Umweltforscher. Er arbeitet im Department of Environmental, Social and Spatial Change (ENSPAC) der Universität Roskilde, Dänemark.

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