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Klaus Holzkamp

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Abschreckung

15.11.2008: Die Instrumente: Studiengebühren und -kosten

  
 

Forum Wissenschaft 4/2008

Jüngst kam es heraus. Die Bildungsministerin, die der Presse häufig und gern erzählt, wie wichtig Studieren sei für den Wissenschafts"standort", zierte sich kurz vor dem "Bildungsgipfel" mit einer Auftrags-Untersuchung, die belegt: Studiengebühren sind unsozial. Sie schrecken vor allem Frauen und Menschen aus so genannten bildungsfernen Schichten vom Studium ab. Das war prognostiziert worden. Sabine Kiel referiert harte Zahlen.

Regelmäßig befragt das Hochschulinformations-System (HIS) im Auftrag der Bundesregierung bundesweit Studienberechtigte nach ihren Studienabsichten bzw. den Gründen, aus denen jemand ein Studium nicht aufnimmt.1 Dabei zeichnet sich ein Trend ab: Immer mehr Studienberechtigte, vor allem Frauen und Menschen aus den neuen Bundesländern, studieren aus finanziellen Gründen nicht (Studiengebühren, Verschuldung etc.). Interessant sind folgende Ergebnisse der Studie: Bei der Entscheidung für oder gegen ein Studium kommt der zum Erwerb der Hochschulreife besuchten Schulart besondere Bedeutung zu. So ist die EURscheinlichkeit einer Studienaufnahme bei Menschen, die Berufsfachschulen und Fachschulen besucht haben, um 17 Prozentpunkte geringer als bei GymnasiastInnen und AbsolventInnen des zweiten Bildungsweges. Auch die Bildungsherkunft spielt eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für oder gegen eine Studiumsaufnahme. Die Chance einer Studienaufnahme ist bei AkademikerInnenkindern dreimal so groß wie bei Studienberechtigten, deren Eltern keinen Hochschulabschluss erlangt haben. Diese Entwicklung einer verstärkten sozialen Selektivität und die verschiedenen Hürden auf dem Weg zum Studium analysieren und kritisieren auch immer wieder die Sozialerhebungen des Deutschen Studentenwerks (DSW) und weitere Studien (OECD).

Im Folgenden setze ich mich mit den Ergebnissen der aktuellen HIS-Studie "Studienberechtigte 2006 ein halbes Jahr nach Schulabschluss - Übergang in Studium, Beruf und Ausbildung" auseinander, um die Gründe für die rückläufige Studierquote darzustellen.

Rückläufige Studierquoten

Ein halbes Jahr nach dem Erwerb der Hochschulreife durch diejenigen, die 2006 ihre Studienberechtigung erlangten, lag die Brutto-Studierquote bei 68 Prozent - 41 Prozent hatten bereits ein Hochschulstudium begonnen und 27 Prozent planten diesen Schritt "sicher" für die Folgezeit. Dabei entschieden sich männliche Studienberechtigte erheblich häufiger für ein Hochschulstudium als Frauen (72 Prozent vs. 64 Prozent) und AbiturientInnen deutlich häufiger als AbsolventInnen mit Fachhochschulreife (73 Prozent vs. 53 Prozent). Hingegen bestanden zwischen SchulabgängerInnen aus den alten und neuen Ländern keine nennenswerten Unterschiede (68 Prozent vs. 66 Prozent).

Daraus folgt: Die seit 2004 beobachtbare Entwicklung einer sinkenden Studierquote setzt sich in abgeschwächter Form fort. Dieser Rückgang gegenüber dem Vorjahr 2005 ist vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen. Zum einen wurde ein Studium inzwischen seltener im gleichen Jahr aufgenommen, in dem auch die Hochschulreife erworben worden war (43 Prozent vs. 41 Prozent). Zum anderen sanken die Studierquoten von Frauen (-4 Prozentpunkte), von AkademikerInnenkindern (-3 Prozentpunkte) und ostdeutscher Studienberechtigter (-4 Prozentpunkte) ebenso wie - dies erstmals - die Studierquote der SchulabgängerInnen mit Abitur (-3 Prozentpunkte). Letztere war nach konstant hohen Werten von 2002 bis 2005 im Jahr 2006 gesunken. Somit stieg der Anteil von Studienberechtigten, die nach dem Schulabgang kein Studium aufgenommen bzw. geplant hatten, auf 32 Prozent. 2002 hatte er noch bei 27 Prozent gelegen.

Beim erneuten Rückgang der Brutto-Studierquote 2006 spielen finanzielle Gründe eine deutlich größere Rolle als vorher. Der Anteil der Studienberechtigten, die ihre Möglichkeit zum Studieren nicht einlösen und als Grund fehlende finanzielle Voraussetzungen nennen, stieg gegenüber 2005 von 19 auf 24 Prozent. Die Studienberechtigten sind zudem häufiger nicht mehr bereit, wegen des Darlehenanteils des BAföG Schulden zu machen. Mit 21 Prozent hat dieses Motiv seinen bislang höchsten Wert erreicht (2005: 11 Prozent). Diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit der steigenden finanziellen Belastung durch die Einführung von Studiengebühren, denn zusätzlich zum Darlehensanteil des BAföG drohen Schulden aus Krediten, die gegebenenfalls zur Finanzierung von Studiengebühren aufgenommen werden müssten. So gaben mindestens einen finanziellen Hinderungsgrund 39 Prozent aller StudienverzichterInnen an.

Geschlechtsspezifisches

Vor allem Frauen schreckt die finanzielle Perspektive bzw. Belastung von einer Studiumsaufnahme ab (28 Prozent vs. 18 Prozent). Auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Bundesländern. So sind für rund ein Drittel (31 Prozent) der Studienberechtigten aus den neuen Ländern finanzielle Gründe relevant; in den alten Ländern gab diesen Grund ein Fünftel der StudienverzichterInnen (22 Prozent) an. Besonders deutlich wird der Vergleich beim Aspekt eines möglichen Schuldenmachens auf Grund des BAföGs. In den neuen Ländern gaben dies 28 Prozent der Studienberechtigten ohne Studienabsicht an, in den alten Ländern "nur" 19 Prozent.

So schrecken Frauen auch häufiger davor zurück, sich mit der Inanspruchnahme von BAföG zu verschulden (23 Prozent vs. 19 Prozent) und sehen sich häufiger nicht in der finanziellen Lage, für die anfallenden Studiengebühren aufzukommen (31 Prozent vs. 19 Prozent). Darüber hinaus empfinden 9 Prozent der Studienverzichterinnen und 3 Prozent der Studienverzichter die Anforderungen eines Studiums als zu unübersichtlich und unkalkulierbar. Zudem fanden Frauen häufiger als Männer kein passendes Studienangebot in der Nähe (6 Prozent vs. 1 Prozent) und hatten häufiger von vornherein nicht die Absicht, zu studieren (19 Prozent vs. 11 Prozent). Hingegen scheuen Männer aus dem Grund häufiger den Weg an die Hochschule als Frauen, dass ihnen ein Studium zu lange dauern würde (34 Prozent vs. 31 Prozent).

Im Vergleich zum Jahrgang 2005 sinkt sowohl bei Männern als auch bei Frauen die Bereitschaft, wegen der Inanspruchnahme von BAföG Schulden zu machen. Frauen geben als Gründe für den Studienverzicht zudem in wachsendem Maß fehlende finanzielle Voraussetzungen sowie unübersichtliche und unkalkulierbare Anforderungen des Studiums an. Männer verzichten seltener auf ein Studium als Frauen aus den Gründen fehlender Studienabsichten sowie Möglichkeiten, Studiengebühren zu finanzieren. Bei Frauen ist die Bedeutung von Studiengebühren indes unverändert hoch.

Ost-West-Ungleichheiten

Zwischen 1999 und 2002 stieg die Studierbereitschaft zunächst sowohl in den alten als auch den neuen Ländern stark an. Während in Westdeutschland bereits beim Jahrgang 2004 wieder ein trendmäßiger Rückgang der Studierbereitschaft einsetzte, in dessen Folge die Studierquote auf das Niveau von Mitte der 1990er Jahre zurückkehrte, hat sich in Ostdeutschland die Quote erst beim Jahrgang 2006 wieder deutlich verringert (2005: 70 Prozent, 2006: 66 Prozent). Dabei ist insbesondere der Anteil jener Studienberechtigten in den neuen Ländern rückläufig, die eine Studienaufnahme für die Zukunft fest planen. Damit hält der seit 2004 zu beobachtende Trend weiter an, dass der Studienbeginn seltener verzögert wird. In den alten Ländern ist demgegenüber 2006 erstmals wieder ein Anstieg der für die Folgezeit geplanten Immatrikulationen bei gleichzeitigem Rückgang des unverzüglichen Studienbeginns zu beobachten.

Für Befragte aus Ostdeutschland spielen finanzielle Aspekte eine wichtige Rolle für den Studienverzicht. Vier von fünf VerzichterInnen (79 Prozent vs. 68 Prozent in Westdeutschland) möchten möglichst bald nach dem Schulabschluss Geld verdienen. Knapp einem Drittel der Ostdeutschen (31 Prozent vs. 22 Prozent) fehlen die finanziellen Voraussetzungen für ein Studium, und 28 Prozent sind nicht bereit, sich wegen des Darlehensanteils des BAföG zu verschulden (vs. 19 Prozent der Westdeutschen).

Im Vergleich zum zuvor befragten Studienberechtigten-Jahrgang 2005 stieg die Bedeutung dieses Verzichtsgrundes vor allem im Osten nochmals (+14 Prozentpunkte im Osten vs. +9 im Westen). Gleichzeitig nehmen die Studienberechtigten die Tatsache offensichtlich verstärkt wahr, dass die neuen Bundesländer keine Studiengebühren erheben: Im Vergleich der Befragungsjahrgänge 2005 und 2006 steigt in den alten Ländern die Bedeutung des Verzichtsgrundes "Studiengebühren" (2005: 23 Prozent; 2006: 27 Prozent); in den neuen Bundesländern nimmt sie deutlich ab (34 Prozent vs. 25 Prozent).

Auch der Typ der erworbenen Hochschulreife hat Folgen für die Studierbereitschaft. Studienberechtigte mit Fachhochschulreife verzichten durchgängig erheblich häufiger auf ihre Studienoption als AbiturientInnen. Studienberechtigte mit allgemeiner Hochschulreife, die auf ein Studium verzichten, geben häufiger an, möglichst bald selbst Geld verdienen zu wollen (72 Prozent vs. 67 Prozent der StudienverzichterInnen mit Fachhochschulreife). Sie lassen sich häufiger durch die Dauer eines Hochschulstudiums abschrecken als StudienverzichterInnen mit Fachhochschulreife (34 Prozent vs. 30 Prozent) oder von schlechten Berufsaussichten in den sie interessierenden Studienrichtungen (10 Prozent vs. 5 Prozent). Befragte mit Fachhochschulreife haben im Vergleich zu AbiturientInnen wesentlich häufiger ein festes Berufsziel, das kein Studium voraussetzt (36 Prozent vs. 23 Prozent), oder sie hatten nie die Absicht zu studieren (24 Prozent vs. 10 Prozent). Darüber hinaus weisen sie etwas häufiger keine Bereitschaft auf, BAföG-Schulden zu machen (23 Prozent vs. 20 Prozent). Die Studiengebühren übersteigen zudem häufiger ihre finanziellen Möglichkeiten (30 Prozent vs. 23 Prozent). Familiäre Hinderungsgründe werden ebenfalls häufiger von Befragten mit Fachhochschulreife angeführt (7 Prozent vs. 1 Prozent der AbiturientInnen, die auf die Aufnahme eines Studiums verzichten).

Bildungsherkunft

Die hohe soziale Selektivität des deutschen Schulsystems (vgl. PISA- und OECD-Studien sowie die Sozialerhebungen des Deutschen Studentenwerks (DSW)) findet ihre Fortsetzung beim Übergang zur Hochschule. So lösten drei Viertel der SchulabgängerInnen aus AkademikerInnenfamilien (75 Prozent) ihre Studienoption ein - knapp die Hälfte (44 Prozent) bereits ein halbes Jahr nach Schulabgang. Hingegen entschieden sich die Studienberechtigten aus Elternhäusern ohne Hochschulabschluss mit 59 Prozent erheblich seltener für ein Studium. Zum frühestmöglichen Zeitpunkt hatten sich 37 Prozent von ihnen eingeschrieben, weitere 22 Prozent erst später.

Der seit 2002 zu beobachtende Trend einer unverzüglichen Studienaufnahme hält indes bei den Studienberechtigten aus nicht akademischen Elternhäusern weiter an (2006: 37 Prozent). Im Gegenzug hat sich der Anteil der verzögert das Studium aufnehmenden SchulabgängerInnen von 34 Prozent in den Jahren 1999 und 2002 auf 22 Prozent beim Jahrgang 2006 verringert. Die Studienberechtigten aus AkademikerInnenfamilien nehmen dagegen 2006 erstmals seit 1999 wieder seltener noch im gleichen Jahr ein Studium auf, in dem sie die Hochschulreife erwarben (2005: 49 Prozent, 2006: 44 Prozent) und verschieben die Immatrikulation wieder etwas häufiger auf später (2005: 29 Prozent, 2006: 31 Prozent). Studienberechtigte aus nicht akademischen Elternhäusern sind sich häufiger noch unsicherer als AkademikerInnenkinder hinsichtlich einer Studienaufnahme; sie ziehen ein Studium öfter nur "wahrscheinlich" (5 Prozent vs. 3 Prozent) oder "alternativ" zu einer anderen beruflichen Qualifizierung in Betracht (3 Prozent vs. 2 Prozent). Die Bandbreite der Studierquote ist mit 59 bis 67 Prozent dementsprechend größer als die der Studienberechtigten aus AkademikerInnenfamilien (75 Prozent vs. 80 Prozent).

Befragte aus akademischen Elternhäusern verzichten häufiger als Befragte mit Eltern ohne akademischen Abschluss auf die Aufnahme eines Studiums, weil ihr ursprünglicher Studienwunsch aufgrund von Zulassungsbeschränkungen nicht ohne Wartezeiten realisierbar war (6 Prozent vs. 3 Prozent) oder weil sie von vornherein mehr Interesse an einer praktischen Ausbildung hatten als an einem theoretischen Studium (58 Prozent vs. 47 Prozent). Hingegen hatten Studienberechtigte aus nicht-akademischen Elternhäusern häufiger einen Berufswunsch, der keine akademische Ausbildung erfordert (30 Prozent vs. 26 Prozent), bzw. generell nie die Absicht zu studieren (18 Prozent vs. 12 Prozent). Familiäre Gründe tragen bei Nicht-AkademikerInnen-Kindern inzwischen ebenso etwas häufiger zum Studienverzicht bei (5 Prozent vs. 2 Prozent), wie finanzielle Restriktionen es tun. Kinder aus nicht-akademischen Elternhäusern sind seltener bereit bzw. in der Lage, BAföG-Schulden zu machen (23 Prozent vs. 18 Prozent). Studiengebühren übersteigen häufiger ihre finanziellen Möglichkeiten (28 Prozent vs. 24 Prozent), oder ihnen fehlen allgemein die finanziellen Voraussetzungen für ein Hochschulstudium (25 Prozent vs. 22 Prozent). Im Vergleich zum Jahrgang 2005 haben finanzielle Gründe bei AkademikerInnenkindern 2006 eine etwas höhere Bedeutung als bei Studienberechtigten aus nicht-akademischen Elternhäusern. Die Differenzen zwischen beiden Studienberechtigtengruppen in dieser Hinsicht haben sich zwar verringert, sind jedoch nach wie vor deutlich vorhanden.

Unabhängig von der Bildungsherkunft stieg die Studierbereitschaft zwischen 1996 und 2005. Seitdem sinkt sie. Während sich dieser Rückgang bei Studienberechtigten aus AkademikerInnenfamilien beim Jahrgang 2006 fortsetzt, bleibt die Studierquote der AbsolventInnen aus nicht-akademischen Elternhäusern konstant auf dem niedrigen Niveau von 2005.

Migrationshintergrund

Erstmals wurde 2004 der Migrationshintergrund der Studienberechtigten erfragt. Ein Migrationshintergrund wird dann als gegeben angesehen, wenn die Befragten eine ausländische oder die doppelte Staatsangehörigkeit besitzen, wenn mindestens ein Elternteil im Ausland geboren ist bzw. wenn zu Hause entweder nicht Deutsch gesprochen wird oder nur in Verbindung mit einer anderen Sprache. Dies trifft auf ein Sechstel der Studienberechtigten des Jahrgangs 2006 zu (16 Prozent). Mit rund drei Vierteln entscheiden sich Studienberechtigte mit Migrationshintergrund (72 Prozent) deutlich häufiger für ein Studium als SchulabgängerInnen ohne ihn (67 Prozent). Zudem immatrikulieren sich MigrantInnenkinder zu größeren Anteilen an einer Hochschule noch im Jahr des Studienberechtigungs-Erwerbs (46 Prozent vs. 40 Prozent).

Während sich die Studierbereitschaft von Studienberechtigten ohne Migrationshintergrund seit 2004 kontinuierlich von 70 auf 67 Prozent verringerte, stieg die Studierquote von MigrantInnen 2005 zunächst von 75 auf 79 Prozent, um 2006 auf "nur" 72 Prozent zu sinken.

Der Anteil von Studienberechtigten, die hinsichtlich einer Studienaufnahme noch unsicher waren, unterscheidet sich kaum zwischen SchulabgängerInnen mit bzw. ohne Migrationshintergrund: Sieben bzw. sechs Prozent möchten "wahrscheinlich" studieren bzw. ziehen ein Studium alternativ zu einer Berufsausbildung in Erwägung. Die Bandbreite der Studierquote liegt somit bei 67 bis 74 Prozent (Studienberechtigte ohne Migrationshintergrund) und 72 bis 79 Prozent (Berechtigte mit diesem Hintergrund). Diese Entwicklung ist darauf zurückzuführen, dass die eigentliche Vorselektion bei den SchülerInnen mit Migrationshintergrund bereits im Schulsystem stattfindet, z.B. beim Übergang in eine weiterführende Schule. Je stärker die Selektionswirkung auf einem Bildungsweg zur Hochschulreife ausfällt, desto kleiner wird die Gruppe der Erfolgreichen - und desto stärker werden die Studienambitionen wegen der bereits erbrachten Anstrengungen und Investitionen.

Wie gehabt: Ungleichheit

Insgesamt zeigt sich: Bestimmte Gruppen von Studienberechtigten (z.B. Kinder aus akademischen Elternhäusern, von allgemeinbildenden Schulen etc.) entscheiden sich nach dem Schulabschluss eher für die Aufnahme eines Hochschulstudiums als andere (etwa Befragte aus Elternhäusern ohne akademischen Bildungsabschluss). Auf Grund dieser Entwicklungen hat sich die soziale Zusammensetzung der Studierenden verändert: Der Anteil von StudienbeginnerInnen, die aus nicht akademischen Elternhäusern stammen, ist deutlich geringer als aus akademischen. Denn nach wie vor gilt: Wer studiert hat, lässt seine Kinder studieren! Die HIS-Studie zeigt aber auch, dass weitere Aspekte für die Aufnahme eines Studiums relevanter wurden. So stiegen die Nennungen von zwei Gründen gegen eine Studienaufnahme: die unübersichtlichen und unkalkulierbaren Anforderungen eines Studiums (2005: 4 Prozent, 2006: 7 Prozent) sowie der Wunsch, möglichst bald selbst Geld zu verdienen (2005: 66 Prozent, 2006: 70 Prozent).

Außer acht darf auch nicht gelassen werden, dass ein Viertel des Studienberechtigten-Jahrgangs 2006 (26 Prozent) ein halbes Jahr nach dem Verlassen der Schule bereits eine Berufsausbildung aufgenommen hatte bzw. dies plante. Das ist interessant vor dem Hintergrund, dass die Berufsausbildungsquote zwischen 1990 und 2002 von 34 auf 24 Prozent sank. Nach wie vor liegt die Brutto-Berufsausbildungsquote von Frauen deutlich über der von männlichen Studienberechtigten (32 Prozent vs. 20 Prozent). Im Vergleich zum Jahrgang 2005 hat sich die Quote bei den Frauen um 4 Prozentpunkte erhöht, während sie bei Männern um einen Prozentpunkt zurückging.

Anmerkung

1) Christoph Heine / Heike Spangenberg / Julia Willich: Studienberechtigte 2006 ein halbes Jahr nach Schulabschluss - Übergang in Studium, Beruf und Ausbildung, HIS: Forum Hochschule 4/2008.


Sabine Kiel arbeitet beim Studentenwerk Hannover als Öffentlichkeitsreferentin. Sie ist Mitglied des BdWi-Bundesvorstandes.

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