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Klaus Holzkamp

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Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg

15.11.2008: Das Thema im Schulunterricht (I)

  
 

Forum Wissenschaft 4/2008

Die hiesige Geschichtsschreibung wie die gängigen Schulbücher über das Zwanzigste Jahrhundert stellen den Zweiten Weltkrieg fast ausschließlich aus europäischer Sicht dar. Früh übt sich so nicht nur Eurozentrismus, sondern auch Geschichtsrevisionismus. Birgit Morgenrath und Karl Rössel stellen historische Fehlwahrnehmungen dar und korrigieren sie.1

Den Beginn des Kriegs terminieren Geschichtsschreibung und Schulbücher meist auf den 1. September 1939, den Tag, an dem die deutsche Wehrmacht in Polen einfiel.2 In der Regel fehlt der Hinweis darauf, dass dieses Datum zwar den Kriegsbeginn in Europa markierte, der "Welt"-Krieg auf anderen Kontinenten jedoch bereits im Gange war, ausgelöst und geführt von Italien und Japan, mit denen Nazideutschland im September 1940 den Dreimächte-Pakt schloss. Schon Anfang Oktober 1935, vier Jahre vor dem europäischen Kriegsbeginn, hatten Truppen des faschistischen Italien Äthiopien angegriffen. Bei dieser Invasion setzten die italienischen Streitkräfte auch 150.000 afrikanische Kolonialsoldaten3 ein, die sie in Libyen, Eritrea und Somalia (zwangs-)rekrutiert hatten. Ihnen gegenüber standen eine halbe Million äthiopischer Partisanen (Patriots genannt), die für die Freiheit ihres Landes kämpften. Ab 1940 kamen ihnen weitere Zehntausende Soldaten unter britischem Kommando zu Hilfe. Die meisten dieser Kolonialsoldaten stammten aus den ost- und westafrikanischen Kolonien des britischen Empires, den heutigen Ländern Kenia, Uganda, Tansania, Malawi, Sambia, Nigeria und Ghana. Aber auch Einheiten aus Südafrika, Rhodesien, dem Sudan und Indien marschierten in Äthiopien ein. Letztlich standen sich dort Soldaten aus drei Kontinenten und 17 Ländern gegenüber. Trotzdem wird dieser Krieg nirgends in der Literatur als Teil oder gar Beginn des "Welt"-Kriegs wahrgenommen. Im Gegenteil: In den meisten Schulbüchern kommt er gar nicht vor. Und wenn er denn am Rande Erwähnung findet, dann zeigt nicht nur die falsche Datierung des italienischen Überfalls auf Äthiopien ("Oktober 1937"), wie wenig ernsthaft sich die Autoren mit dem Thema beschäftigt haben, sondern auch die Zusammenfassung des italienischen Angriffskriegs in Ostafrika in dem Satz: "Die Äthiopier hatten dem mit modernen Waffen, Giftgas und äußerster Brutalität geführten Angriff nichts entgegenzusetzen."4 Tatsächlich setzten eine halbe Million äthiopischer Männer, Frauen und Kinder den italienischen Invasoren über fünf Jahre lang strategisch und taktisch versierten Widerstand entgegen und trugen damit wesentlich zur Niederlage der italienischen Truppen im Jahre 1941 bei.

Kriegsanfänge, Kriegsbeteiligungen

Wenn in der Literatur für den Schulunterricht überhaupt zwischen "dem europäischen Kriegsschauplatz" und dem Rest der Welt unterschieden wird, dann erst ab dem japanischen Angriff auf die US-Pazifikflotte in Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 und der anschließenden Kriegserklärung der USA an Japan. Damit, so ist fast wortgleich in zahlreichen Geschichtsbüchern zu lesen, habe sich "der Krieg zum Weltkrieg" ausgeweitet.5

Diese Wertung ist nicht nur historisch unhaltbar, sondern offenbart auch ein fragwürdiges Geschichtsverständnis, das Europäern und US-Amerikanern einen deutlich höheren Stellenwert einräumt als Asiaten und Pazifikinsulanern. Bereits im Dezember 1940, ein Jahr vor dem Angriff auf Pearl Harbor, hatte ein deutsches Kriegsschiff die zentralpazifische Insel Nauru bombardiert. Und schon seit dem Sommer 1937 führten die japanischen Streitkräfte einen grausamen Vernichtungskrieg gegen China. Anfang 1938 hatten die japanischen Truppen allein in der damaligen chinesischen Hauptstadt Nanking 300.000 bis 400.000 Zivilisten und gefangene Soldaten massakriert. Die japanischen Streitkräfte hatten längst die koreanische Halbinsel, die Mandschurei und Formosa (heute: Taiwan) besetzt und waren 1940 auch in das von der französischen Kollaborationsregierung in Vichy verwaltete Indochina (heute: Vietnam, Kambodscha und Laos) einmarschiert. Im selben Jahr gab das mit Japan verbündete Militärregime in Thailand seinen Streitkräften den Befehl, die Grenzen zu Laos und Kambodscha zu überschreiten und Gebiete westlich des Mekong-Flusses zu erobern. Im Dezember 1941, zum Zeitpunkt des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor, tobte der Krieg in Asien also schon mehr als vier Jahre. Millionen Soldaten aus China, Vietnam, Laos, Kambodscha, Korea, Thailand und Japan hatten in einem halben Dutzend Länder gekämpft, und mehrere Millionen Kriegsopfer aus diesen Ländern waren zu beklagen.

Den meisten Historikern und Schulbuchautoren hierzulande sind diese asiatischen Opfer allerdings nicht der Rede wert. Um so mehr bedeuten ihnen dagegen die "2.400 toten und 1.200 verletzten US-Amerikaner", die der japanische Angriff vom 7. Dezember 1941 nach Angaben der regierungsoffiziellen Gedenkstätte in Pearl Harbor forderte, weil angeblich erst damit der europäische Krieg "zum Weltkrieg" geworden sei.

Krieg der Kolonialmächte

Der Zweite "Welt"-Krieg war im wahrsten Sinne des Wortes ein globales Ereignis. Sein Verlauf und seine Folgen können deshalb nur aus einer globalen Perspektive angemessen dargestellt, bewertet und im Unterricht behandelt werden. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit der zentralen Rolle, die den Ländern der sogenannten Dritten Welt6 in diesem Krieg zukam. Bei Kriegsbeginn standen weite Teile Afrikas, Asiens und Ozeaniens noch unter Kolonialherrschaft und die führenden Kolonialmächte (Großbritannien, Frankreich, die Niederlande, Japan und die USA) wussten ihre Kolonien im Krieg für militärische Ziele zu nutzen. (Deutschland hatte seine Kolonien zwar nach dem Ersten Weltkrieg abtreten müssen, aber das NS-Régime verfolgte konkrete Pläne zur Rückeroberung eines Kolonialreiches in Zentralafrika und erhielt 1940 durch den Waffenstillstandsvertrag mit dem Kollaborationsrégime von Vichy Zugriff auf die französischen Kolonien.)

Die Kolonien lieferten im Zweiten Weltkrieg nicht nur Rohstoffe für die Rüstungsindustrien und Nahrungsmittel für die Truppen der kriegführenden Staaten; sie stellten auch Millionen Soldaten. Zu den Befreiern der Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn gehörten deshalb auch etwa eine Million Kolonialsoldaten aus Afrika, 14 Millionen Chinesen, 2,5 Millionen Inder, eine Million Widerstandskämpfer in den Philippinen, Hunderttausende Partisanen aus Vietnam, Malaya, Burma und Indonesien, Zehntausende australische Aborigines und neuseeländische Maoris, Freiwillige und Zwangsrekrutierte von verschiedenen pazifischen Inseln und Tausende jüdische und arabische Soldaten aus Palästina. Sie kämpften an Kriegsfronten vom Südpazifik über Ostasien und dem indischen Subkontinent bis zum Nahen Osten, Nordafrika und Europa. Kolonialsoldaten verstärkten die alliierten Landetruppen in Italien und Frankreich und marschierten 1944/45 mit über die deutschen Grenzen, um dem NS-Régime endlich den Garaus zu machen. Gelohnt hat es ihnen niemand.

Die Rekruten aus den Kolonien wurden nicht nur schlechter bezahlt als ihre weißen "Kameraden", sondern sie mussten sich auch mit einfacheren Unterkünften und schlechterem Essen zufrieden geben. Sie waren rassistischen Angriffen und Schikanen ihrer (fast ausschließlich weißen) Vorgesetzten ausgesetzt und wurden - trotz dürftiger Ausbildung und mangelhafter Bewaffnung - häufig rücksichtslos als "Kanonenfutter" an vorderster Front benutzt. Die meisten der Überlebenden erhielten nie eine Rente für ihre Kriegseinsätze; und die wenigen, die Pensionen bezogen, mussten sich mit Bruchteilen der Bezüge begnügen, die europäischen Veteranen zugestanden wurden. Die kriegführenden Mächte rekrutierten in ihren Kolonien zudem Millionen (Zwangs-)Arbeiter und Zwangsprostituierte. Auch für deren Dienste zahlten sie damals kaum Löhne und später kaum Entschädigungen. Auf Schuldeingeständnisse oder gar regierungsoffizielle Entschuldigungen für diese Kriegsverbrechen warten die meisten der Betroffenen bis heute vergeblich.

Weite Teile der Dritten Welt - von der Küste Lateinamerikas über Nordafrika, den Nahen Osten und Indien bis nach Südostasien und Ozeanien - dienten im Zweiten Weltkrieg auch als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet zurück. Noch heute werden Nomaden in Libyen und Ägypten von Minen zerfetzt, die deutsche Soldaten bei ihrem Afrikafeldzug 1941 im Wüstensand zurückgelassen haben, und noch immer sind zahlreiche Strände auf pazifischen Inseln von verrottendem Militärschrott und rostigen Wracks japanischer sowie US-amerikanischer Flugzeuge und Kriegsschiffe gesäumt.

Vergessene Opfer

Obwohl mehr Menschen aus der Dritten Welt im Zweiten Weltkrieg ihr Leben ließen als aus Europa, kommen sie in Statistiken über die Opfer dieses Kriegs in der Regel nicht vor. Tote Soldaten und Zivilisten aus den Kolonien wurden entweder nicht gezählt oder den Verlusten ihrer jeweiligen Kolonialmächte zugerechnet. Alle Zahlenangaben über Opfer aus der Dritten Welt stellen deshalb allenfalls Annäherungswerte dar. Trotzdem können sie nicht einfach ignoriert werden.

Auch nach Schätzungen deutscher und anderer westlicher Sinologen und Historiker forderte der Zweite Weltkrieg allein in China bis zu 21 Millionen Opfer und damit mehr als in Deutschland, Italien und Japan zusammen.7 In Indonesien sprechen Zeitzeugen von Millionen Toten unter den Zwangsarbeitern der japanischen Armee, die überdies mehr als 100.000 Verschleppte aus besetzten asiatischen Ländern beim Bau einer Eisenbahnlinie von Thailand nach Burma zu Tode schindete. In den Philippinen kam während der dreijährigen japanischen Besatzungszeit jeder Sechzehnte ums Leben - insgesamt eine Million Menschen, und bei der Befreiung der philippinischen Hauptstadt Manila starben 100.000 Zivilisten, weit mehr als bei der Bombardierung Dresdens, Berlins oder Kölns. Auch an europäischen Kriegsfronten fielen Hunderttausende Kolonialsoldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien.

In Büchern für den Schulunterricht finden sich dagegen noch immer Statistiken über "Die Toten des Zweiten Weltkriegs", die nach "5.250.000 Opfern in Deutschland" (an erster Stelle!) und 20.600.000 in der Sowjetunion zwar alle Verluste europäischer Länder bis zu den "1.400 Opfern in Dänemark" auflisten, die Abermillionen Toten in China jedoch verschweigen.8 Das "Taschenhandbuch zur Geschichte" führt in einer Übersicht der "Verluste des Zweiten Weltkriegs" zwar "6.400.000 Soldaten" und "5.400.000 Zivilisten" aus "Ostasien (ohne Japan)" auf - "gesamt: 11.800.000".9 Aber die Autoren machen keine Angaben darüber, aus welchen Ländern diese Opfer stammten. Hier wie in anderen Schulbüchern fehlt zudem jeder Hinweis darauf, dass es sich lediglich um Schätzungen handelt, die je nach Quelle und Herkunftsland um Millionen differieren. Auch für Ostasien (ohne Japan) nennen westliche und asiatische Historiker Opferzahlen, die mehr als doppelt so hoch sind wie die im "Taschenhandbuch ...".10 "Das erste gemeinsame deutsch-französische Geschichtsbuch", für das Historiker beider Länder verantwortlich zeichnen, führt - um ein weiteres Beispiel für die Beliebigkeit der Opferzahlen zu nennen - lediglich 1,5 Millionen gefallene chinesische Soldaten auf, aber keine toten Zivilisten in China und keinerlei weitere Opfer aus anderen Ländern der Dritten Welt.11 Dabei verfügte Frankreich während des Zweiten Weltkriegs über Kolonien in Afrika, Asien und Ozeanien, die insgesamt zwanzig Mal größer waren als das eigene Land und mehr als einhundert Millionen Einwohner hatten. Nicht nur die Kollaborationsregierung von Vichy rekrutierte in diesem Imperium Hunderttausende Soldaten, sondern aus den Kolonien kam auch ein bedeutender Teil der Truppen, mit denen General Charles de Gaulle auf Seiten der Alliierten für das "Freie Frankreich" kämpfte. In der französischen Literatur über den Zweiten Weltkrieg finden sich inzwischen auch ausführliche Darstellungen über die herausragende militärische Bedeutung der Kolonien im Krieg12. Nicht so in dem deutsch-französischen Schulbuch: Darin sind nur Kriegstote "aus Frankreich" aufgelistet ("290.000 Soldaten" und "290.000 Zivilisten"), nicht jedoch die aus den französischen Kolonien in Afrika, Asien und Ozeanien. Nach Schätzungen afrikanischer Historiker kamen schon beim Überfall der deutschen Wehrmacht auf Nordfrankreich im Jahr 1940 mehr als einhunderttausend Afrikaner an der Front ums Leben.

Verdrängte Erinnerungen

"Wie eine Gesellschaft sich zu ihrer Vergangenheit verhält, ist Ausdruck ihres aktuellen Selbstverständnisses. Gerade das macht Vergangenheit bedeutungsvoll und möglicherweise auch kontrovers. Im Zeitalter der Globalisierung müssen Weltbildung und globales Lernen die Geschichte der Beziehungen zwischen Nord und Süd thematisieren und veranschaulichen, um die Gegenwart besser zu verstehen. Die Kenntnislücke zwischen Kolonialismus und Nachkriegszeit muss geschlossen werden." Das schreibt der Schweizer Historiker Aram Mattioli, der mit seinem Buch über den "Absessinienkrieg und seine internationale Bedeutung (1935-1941)" selbst eine Lücke in der Geschichtsschreibung über den Zweiten Weltkrieg geschlossen hat.13 Mattioli fordert, die Kolonialgeschichte, also die Verfügungsgewalt der Kolonialmächte über weite Teile Afrikas, Asiens und Ozeaniens, endlich auch als wesentlichen Teil der Geschichte des Zweiten Weltkriegs zu begreifen und entsprechende Schlussfolgerungen daraus zu ziehen: "Die Europäer messen sehr schnell mit unterschiedlichen Ellen, wenn es um Ereignisse in Weltgegenden geht, die in unserer Hierarchie der Aufmerksamkeit als peripher gelten. Katastrophen in der Dritten Welt berührten sie bis heute nicht in gleicher Weise wie Schicksalsschläge in unseren Breiten. Ein Toter ist nicht immer ein erinnerungswürdiger Toter - dies gilt für die Geschichte der europäischen Expansion in ganz besonderer Weise."14

Tatsächlich haben nicht nur die Kriegsverursacher (Deutschland, Italien und Japan), sondern auch die (Kolonial-) Mächte der alliierten Kriegskoalition (u.a. Großbritannien, Frankreich und die USA) in ihren Geschichtsschreibungen über den Zweiten Weltkrieg unbequeme Fakten Jahrzehnte lang ausgeklammert. Dazu gehörte auch die Rolle der Kolonisierten in diesem Krieg.

Deutsche Opfer statt Täter

In Deutschland (West) wurden wesentliche Aspekte der Kriegsgeschichte schon deshalb verdrängt und verschwiegen, um sich nicht der Verantwortung für die zahllosen Kriegsverbrechen und den Holocaust stellen zu müssen. Schließlich bekleideten NS-Täter in der neu gegründeten Bundesrepublik schon bald wieder Führungsfunktionen auf allen Ebenen der Gesellschaft: in Unternehmen, Parlamenten, Justiz und Verwaltung, Bundeswehr und Medien, Schulen und Universitäten, Bundes- und Landesregierungen. Zwar forderte und förderte die Studentenbewegung ab 1968 eine Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit, aber noch bis in die 1970er Jahre amtierten ehemalige NSDAP-Mitglieder als Ministerpräsidenten (Filbinger), Bundeskanzler (Kiesinger) und Bundespräsidenten (Carstens), und noch in den 1980er Jahren gab es den Versuch, die Verbrechen Nazideutschlands durch Verweise auf andere totalitäre Régimes zu relativieren, was zum sogenannten Historiker-Streit führte. Seit dem Zusammenbruch der DDR im Jahr 1989 und dem Fall der Mauer, der letzten manifesten Erinnerung an die Teilung Deutschlands infolge des Kriegs, traten im Land der Täter schließlich die "eigenen Opfer" immer stärker an die Stelle einer Auseinandersetzung mit der historischen Schuld für die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Seitdem widmeten sich zahllose Fernseh- und Rundfunksendungen, Romane und Sachbücher, Kinofilme und Presseartikel dem "Bombenterror der Alliierten auf deutsche Städte" und dem "Schicksal deutscher Vertriebener". Als die Ausstellung über die Verbrechen der deutschen Wehrmacht und das Buch "Hitlers willige Vollstrecker" von Daniel Goldhagen Mitte der 1990er Jahre noch einmal eindringlich die (Mit-)Verantwortung weiter Teile der deutschen Bevölkerung für die Verbrechen des NS-Régimes thematisierten, löste dies heftige Abwehrreaktionen in der deutschen Öffentlichkeit aus.

Anmerkungen

1) Der Beitrag ist die überarbeitete und gekürzte Fassung der Einleitung des Buches Rheinisches JournalistInnenbüro/Recherche International e.V. (Hg.): Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg. Unterrichtsmaterialien zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte, Köln 2008. Dieses Buch folgt dem vom rjb und Recherche International e.V. hrsg. Band "Unsere Opfer zählen nicht - Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg".Vlg. Assoziation A., Berlin/Hamburg 2005. Seine Einführung hatte Forum Wissenschaft 2/2005, S.36-40, publiziert (leicht gekürzt und bearbeitet); vgl. auch www.bdwi.de/forum/archiv/archiv/97691.html.

2) Vgl. u.a.: Berger, Thomas u.a. (Hg.): Entdecken und Verstehen. Cornelsen Schulbuch-Verlag. Band 3. Berlin 1996. S.118; Bergman, Klaus u.a.: Geschichte und Geschehen A4, Geschichtliches Unterrichtswerk für die Sekundarstufe I. Leipzig 2008, S.11

3) Die AutorInnen haben auf die geschlechtsneutrale Schreibweise mit Hilfe des Anhängsels "Innen" verzichtet. Formulierungen wie z.B. "SoldatInnen" oder "KriegstreiberInnen" suggerieren sprachlich eine Gleichstellung militärischer und politischer Verantwortlichkeiten von Männern und Frauen, die es in der historischen Realität des Zweiten Weltkriegs nicht gab. Wir haben uns - wo es der historische Kontext zuließ - darum bemüht, neben Männern auch Befreiungskämpferinnen und Partisaninnen vorzustellen und einige besonders gravierende Folgen des Kriegs für Frauen darzustellen.

4) Kursbuch Geschichte. Von der Antike bis zur Gegenwart. Berlin 2006/07, S.501

5) Vgl. z.B. Beck, Dorothea u.a.: Zeit für Geschichte. Band 4. Geschichtliches Unterrichtswerk für Gymnasien. Bildungshaus Schulbuchverlage Westermann Schroedel Diesterweg Schönigh Winklers GmbH. Braunschweig 2007. S.84f.; Goerlitz, Erich u.a.: Taschenhandbuch zur Geschichte. Schönigh Verlag. Paderborn 1999. Ausg. 2005, S.128f.; Regenhardt, Hans-Otto u.a. (Hg.): Forum Geschichte. Band 4: Vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zur Gegenwart. Cornelsen-Verlag. Berlin. Ausg. 2006. S.128f.; Bergmann u.a.: Geschichte und Geschehen A 4, a.a.O., S.113

6) Den AutorInnen dieser Unterrichtsmaterialien ist bewusst, dass der Begriff "Dritte Welt" problematisch ist: Er behandelt Länder von Zentralafrika bis in den Südpazifik trotz all ihrer Differenzen als Einheit und ordnet sie sprachlich zwei Stellen unter der "Ersten Welt" ein. Allerdings ist der Begriff in der historischen und zum Teil auch in der aktuellen Literatur aus und über Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika nach wie vor gebräuchlich, und bislang gibt es unseres Wissens keine unstrittigen Alternativen. (Zu den Begründungen vgl. Forum Wissenschaft 2/2005, Das Schweigen brechen, S.40, Fußnote 3, www.bdwi.de/forum/archiv/archiv/97691.html.)

7) Kuhn, Dieter: Der Zweite Weltkrieg in China. Berlin 1999. S.29

8) Regenhardt, Hans-Otto: Forum Geschichte, a.a.O., S.129

9) Goerlitz, Erich u.a.: Taschenhandbuch zur Geschichte. Schöningh Verlag Paderborn 1999. Ausg. 2005. S.131

10) Vgl. hierzu die Übersicht über Schätzungen der Kriegstoten aus verschiedenen Quellen und Ländern in: National Death Tolls for the Second World War. Twentieth Century Atlas, users.erols.com/mwhite28/ww2stats.htm. Die Opferzahlen in diesen Unterrichtsmaterialien beruhen, soweit möglich, auf Schätzungen aus den jeweiligen Ländern selbst. Wenn es erheblich voneinander abweichende Angaben gibt, ist dies jeweils vermerkt.

11) Le Quintec, Guillaume/Geiss, Peter (Hg.): Histoire/Geschichte. Europa und die Welt seit 1945. Deutsch-französisches Geschichtsbuch. Ernst Klett Schulbuchverlage. Stuttgart/Leipzig 2006. S.15

12) Vgl. die kommentierte fremdsprachige Literaturliste auf der CD zum Buch Rheinisches JournalistInnenbüro/Recherche International e.V. (Hg.):

13) Mattioli, Aram: Experimentierfeld der Gewalt. Der Abessinienkrieg und seine internationale Bedeutung 1935-1941. Zürich 2005. S.17

14) Ebd. S.17


Birgit Morgenrath und Karl Rössel arbeiten als JournalistInnen im Rheinischen JournalistInnenbüro Köln (rjb).

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