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Klaus Holzkamp

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Rationalisierung von Kopfarbeit

15.05.2008: Über die Geschichte der "Wissensgesellschaft"

  
 

Forum Wissenschaft 2/2008

Der Hype um die "Wissensgesellschaft" ist nicht neu. Er zeigt sich aber mittlerweile in modischerem Gewand. Was "Wissensgesellschaft" bedeutet, hat entscheidende Modifikationen erfahren. Christine Resch klärt auf über die Geschichte dieses ideologieträchtigen Begriffs und reflektiert einige Implikationen des allgegenwärtigen Geredes.

Was "Wissensgesellschaft" ist, muss dieser Tage nicht mehr erklärt werden. Diese Gesellschaftsdiagnose fungiert in der großen medialen Öffentlichkeit längst als Letztbegründung für politische "Sachzwänge". Genau deshalb ist es notwendig, sich die historische Entwicklung zu vergegenwärtigen. Das soll in einem ersten Teil geschehen. "Wissensgesellschaft" wurde in den letzten Jahren von verschiedenen Fraktionen der gebildeten Schicht propagiert, die sich damit selbst aufgewertet und wichtig gemacht hat. Inzwischen kommt sie bei ihren Trägern1 in aller Härte und zur Kenntlichkeit entstellt an. Der zweite Teil soll davon handeln: der Rationalisierung von Wissensarbeit.

Von Euphorie zur Defensive

In den 1990er Jahren hat sich "Wissensgesellschaft" als Zeitdiagnose durchgesetzt. Seit der Popularität von "Risikogesellschaft" war es nicht mehr gelungen, ein Gesellschaftsmodell verbindlich zu bestimmen. Mit Erlebnis-, Multioptions-, Informations-, Netzwerk- und einigen anderen xy-Gesellschaften wurde das zwar versucht, aber sie haben den Charakter eines (wissenschaftlichen) Gesellschaftsspiels. Auch Wissenschaft ist kulturindustriellen Produktionsbedingungen unterworfen. Eine Möglichkeit, damit umzugehen, besteht darin, zeitdiagnostische Moden zu kreieren. Auch "Wissensgesellschaft" war zunächst ein solcher Versuch, der sich aber erstaunlich stabil etablieren konnte - auch weil er vielen Fraktionen der gebildeten Schicht plausibel war und weil er sich als Ideologie des Neoliberalismus bewährt hat.

Wie das aber mit Moden so ist, so neu, wie es uns manchmal nahegelegt wird, ist "Wissensgesellschaft" gar nicht. Vielmehr wurde sie schon Anfang der 70er Jahre erfunden. Sie hieß damals zwar "postindustrielle Gesellschaft" (Bell) und kam aus den USA, aber die zentralen Bestimmungsstücke von "Wissensgesellschaft" sind darin schon ausgearbeitet. Das wichtigste davon: Wissen werde zur wichtigsten Produktivkraft. Die traditionellen Produktionsfaktoren - Grundbesitz, Arbeit, Kapital - verlören an Bedeutung, der Dienstleistungssektor wachse dagegen. Das sind Motive, die auch für die Beschreibung der gegenwärtigen "Wissensgesellschaft" herangezogen werden. Aber: Die "Wissensgesellschaft I" der 70er Jahre war ein optimistisches Projekt, war Fortschritt, gewollt und machbar. Die "Wissensgesellschaft I" propagierte ein Bündnis zwischen Gebildeten und Facharbeitern: Ingenieure und Techniker waren neben Planern und Verwaltern die attraktiven Figuren. In der gegenwärtigen "Wissensgesellschaft II" sind die Gebildeten dagegen bestrebt, sich für die Herrschenden attraktiv zu machen. Handarbeit wird jetzt abgewertet. Die attraktiven Figuren sind Betriebswirte: Finanzjongleure und Berater. Und die "Wissensgesellschaft II" wird uns jetzt als Sachzwang nahegebracht. Bürokratie und Staat stören nur, der Markt soll es richten. In beiden Fällen beanspruchen die Gebildeten eine wichtige soziale Position: deshalb ist ihnen "Wissensgesellschaft" plausibel und angenehm. Sie ist Politik in eigener Sache. Darin drückt sich ihr Kampf um den Umgang mit ihren Produktionsmitteln aus, wie es Horkheimer und Adorno in der Theorie der Kulturindustrie beschrieben haben.

Was sind die Erfahrungen der Gebildeten, die in deren Diagnose "Wissensgesellschaft" auf den Begriff gebracht werden? Die "Wissensgesellschaft II" hat eine komplizierte Geschichte: In der Hoch-Zeit der New Economy wurde sie wiederentdeckt und begeistert begrüßt. Wissen wurde mit Internet, dieser "Megamaschine Wissen" (Rötzer) gleichgesetzt, die "Wissensgesellschaft" als Gesellschaft des jederzeit und überall verfügbaren Wissens per Mausklick verstanden. Dazu kamen E-Mails als neue und grenzenlose Kommunikationsmöglichkeiten. Darüber, wem diese Möglichkeiten offen standen und welches Wissen da eigentlich abrufbar ist, machte man sich kaum Gedanken. Das Netz, das war Demokratie. Die neue Technologie wurde gefeiert. Entwicklungsländer, die weiter nichts zu bieten haben als Rohstoffe, und die Unterschichten, die nichts als körperliche Arbeitskraft anbieten können, wurden zu "Verlierern" gemacht. Neue, schicke Berufe entstanden: Informatiker und Web-Designer, die unkonventionelle und schnelle Karrieren machten. Wir alle arbeiteten immer mehr am PC, machten unsere Bankgeschäfte dort und kauften am PC auch ein. Bald würden Stereo-Anlage, Fernseher und PC verkabelt sein, der Kühlschrank digital mit dem Supermarkt und dieser mit unserem Bankkonto vernetzt. Eine schöne neue Welt wurde ausgemalt.

Seit dem Zusammenbruch der New Economy um 2000 haben wir es zwar immer noch mit "Wissensgesellschaft" zu tun, aber mit einer defensiven Konzeption davon. Was uns gegenwärtig eingeredet wird, lässt sich kurz zusammenfassen: "Wissensgesellschaft" ist jetzt einfach da, sie ist über uns gekommen, ist ein Sachzwang, überfordert uns, wir müssen uns aber anpassen. Keiner hat sie gewollt und gemacht, entziehen können wir uns aber auch nicht. "Wissensgesellschaft" heißt "lebenslanges Lernen". Das betrifft uns als Individuen, das betrifft Organisationen - "lernende Organisation" ist das Stichwort dafür - und das betrifft die nationalstaatliche Standortpolitik und die Städtekonkurrenz. Wer nicht mitzieht, geht in dem allgegenwärtigen Wettbewerb unter. Dass alle ständig über das allerneueste Wissen verfügen sollen, wird auch behauptet.

Das ist eine Suggestion des Begriffs "Wissensgesellschaft", dass alle jetzt umfassendes und jedenfalls viel mehr Wissen haben müssten. Tatsächlich ist die "Wissensgesellschaft" aber eine Gesellschaft des enteigneten Wissens: Sie funktioniert darüber, dass Experten für alles und jedes den anderen klar machen, wie notwendig sie ihre Beratung in allem und jedem brauchen. Die Verkäuflichkeit dieser Beratung und Schulung hängt genau davon ab, dass die anderen wissen, dass sie nicht wissen. Die "Wissensgesellschaft" braucht verbreitet Halbwissen, gerade genug, dass man um den Beratungsbedarf weiß, gerade genug, dass man die Geräte anschafft, die man dann alleine nicht bewältigen kann. Erfahrung wird reduziert auf den Umgang mit Gebrauchsanweisungen, manchmal ziemlich komplizierte, etwa im Fall des Computers, aber zuletzt nicht mehr als das.2 Die "Wissensgesellschaft" ist eine Gesellschaft von Lehrern und Beratern. Ihr wichtigster Rohstoff ist nicht, wie behauptet wird, Wissen und Information, sondern das Bewusstsein ihres Fehlens.

Die Hochleistungsträger

"Wissensgesellschaft" ist ein Ausschließungsregime. Kategorisierungen wie "die Überflüssigen", "die Dummen", "die Unqualifizierbaren" oder "die Entschleuniger" werden von Sozialwissenschaftlern als naturalistische Beschreibungen verwendet. Der Abbau des Sozialstaats wird etwa so legitimiert. Zugleich sind, auf der anderen Seite, Selbstbezichtigungen und Zuschreibungen wie "Elite", "Exzellenz" und "Leistungsträger" wieder salonfähig geworden. Mit einem solchen Vokabular wurde die gebildete Schicht für das "Projekt" (im Neoliberalismus ist fast alles ein "Projekt") "Wissensgesellschaft" eingekauft. Das ist auch gelungen. Man musste nicht über die verschärfte Konkurrenz reden, die uns zugemutet wird. Persönliches Verdienst oder Versagen als Referenzpunkte sind die aktuelle Formel für "repressive Individualisierung".3 Zugleich wird damit ein "blinder Fleck" im Nachdenken über "Wissensgesellschaft" festgelegt: dass "Wissensgesellschaft" tatsächlich die Rationalisierung von Wissensarbeit meint. "Wissensgesellschaft", wie Soziologen die Produktionsweise des Neoliberalismus gern bezeichnen, tut mit intellektueller Arbeit, was Fordismus seit Beginn des 20. Jahrhunderts mit den handwerklichen Fertigkeiten von körperlicher Arbeit getan hat: Sie rationalisiert sie (weg).4

Zuerst wurden die Setzer und Drucker mit einigem und lautstarkem Widerstand als überflüssig geworden abgeschafft, die als politische und intellektuelle Avantgarde unter den Handarbeitern galten. Die Vorschriften zur Formatierung werden gleich dem Autor übermittelt. Als nächstes wurde mit schon weniger Widerstand Journalismus auf Auswahl von Agenturmeldungen und Konkurrenz der freien Zeilenverkäufer reduziert. Und wir haben es mit erhöhtem Konkurrenzdruck zu tun: Journalisten werden zu "festen freien" Mitarbeitern (also "Schein-Selbstständigen"), die um das Honorar für jede Zeile zu kämpfen haben. Für aufwendige und sorgfältige Recherchen bleibt da kaum Zeit. Das sind auch keine Arbeitsbedingungen, die Themen zuträglich sind, die sich nicht in anderen Medien schon als gut verkäuflich bewährt haben. Aus der Rezipienten-Perspektive ist der Informationsgehalt entsprechend dürftig. Mit "Nachdenklichkeits-Verhinderungsindustrie" hat Brüchert die Produktionsbedingungen im Journalismus auf den Begriff gebracht.5 Kritische politische Intellektualität, für die Journalismus von der Aufklärung bis zum Investigativjournalismus die Ressourcen bereitgestellt hat, ist in der "Wissensgesellschaft" nur mehr gegen die Strukturen möglich.

Im Bücher-Gewerbe sind zunächst die Verlags-Lektoren verschwunden und durch freie Literatur-Agenten ersetzt worden. Beim Roman wurde der nach den Regeln, die die Creative-Writing-Schulen vermitteln, zusammengekleisterte Bestseller dominant. Dazu soll die Produktion von Wissen und Kunst/Künsten bewusst und gezielt nach Imperativen der Verkäuflichkeit geschehen. Das Sachbuch, nicht von Wissenschaftlern, sondern von den freigesetzten Journalisten (siehe oben) geschrieben, griff um sich. In der Sparte Wissenschaft werden Lehrbuch und Einführungen zu den dominanten Genres. Dazu sind akademische Wissenschaftler mit dem Schreiben von Drittmittelanträgen und der gegenseitigen Begutachtung derselben beschäftigt. Die "peer"-Begutachtung, also die durch Konkurrenten, erzeugt ein Übergewicht von mainstream-Forschung, weil, auch das ist bekannt, die antizipierten Ergebnisse plausibel sein müssen.6 Die ideologische Rede von "Innovation" kann nur mühsam zukleistern, dass damit vor allem längst Bekanntes gemeint ist und nicht-etablierte Fragestellungen, einfallsreiche Methoden und reflexive Theorien und Perspektiven allenfalls in Nischen existieren. "Wissensgesellschaft" ist die Verallgemeinerung von Kulturindustrie auf alle Bereiche von intellektueller Produktion.7

Die Kopfarbeiter sind insgesamt zunehmend damit beschäftigt, dem PC die richtigen "Befehle" zu erteilen, weil sonst gar nichts geht. Diese Befehle müssen sie vor allen Dingen beherrschen, um verschiedene Bürokratien mit Berichten und Evaluationen über ihre eigentliche Arbeit, für die immer weniger Zeit bleibt, zu versorgen. Es ist repetitive Teilarbeit, die ihnen von Verwaltungen abverlangt wird. Zugleich wirkt das auf die inhaltliche Arbeit zurück, die von vornherein der Verwaltungslogik angepasst werden muss.

Selbst Richter erscheinen mit dem Laptop in der Verhandlung und sind vor allem damit beschäftigt, das Protokoll zu erstellen; ähnlich wie Ärzte bei der Erhebung von Beschwerden und Anamnese vor allem ihr Anamnese-Programm auf dem PC zufriedenstellen müssen.8 Wie die Leute, die im Supermarkt die Kassen bedienen, sind sie alle dem Computer ausgeliefert: Das richtige Kürzel, die erforderliche "Eingabe" zu finden, damit das Programm weiterläuft, ist viel wichtiger, als sich mit dem gegenüber sitzenden Menschen zu beschäftigen, dessen Hauptfunktion es wird, die nötigen Daten in einer maschinenlesbaren Form zu liefern. Die Liste lässt sich leicht fortsetzen: Wir haben es mit einem Schub von Entqualifizierung der Wissensarbeit und mit einer Instrumentalisierung von Bildung zu tun.

Das geläufigste Beispiel dafür ist gegenwärtig die Universitätsreform: In ihr wird die Wissensproduktion und -weitergabe der Wissenschaftsverwaltung unterworfen. Die Reformer tun ihr Bestes, um aus der Alma Mater eine Berufsakademie zu machen, die als oberstes Organisationsprinzip die "Employability" ihrer Absolventen hat. Dort ist auch sehr sichtbar, dass wir es gegen jede Rede von "schlanken Verwaltungen" mit einem monströsen Verwaltungs-Schub zu tun haben. "Wissensgesellschaft" ist faktisch ein Projekt von Verwaltern und Politikern, das geeignet ist, Bildung und Intellektualität abzuschaffen.

P.S.

Sicher bedeutet die Rationalisierung und Entqualifizierung von Kopfarbeit auch die Aufwertung für einige wenige und damit eine Polarisierung zwischen denen, die hochqualifiziert die Rationalisierung durchführen, und denen, die entqualifiziert die danach verbleibende Arbeit ausführen. Die Maschinen müssen von einigen wenigen Leuten programmiert und eingerichtet werden, damit die vielen anderen sie dann bedienen können und nur noch das zu tun brauchen. Aber die (betriebswirtschaftlich) ganz klugen Köpfe haben schon begriffen, dass sich das Mitmachen an der "Goldgräberei" nicht mehr lohnt. Wie seinerzeit kluge Geschäftsleute die armseligen Schürfer mit Blue Jeans und Schaufeln versorgten, verspricht es jetzt das lukrativere Geschäft, die "Wissensarbeiter" mit der richtigen Ausstattung zu versorgen. Neben Lehrern und Beratern sind das die "Kreativen-Ausstatter": "Der Wandel hin zur zukunftsweisenden Wissensgesellschaft läuft auf vollen Touren und findet seinen Niederschlag natürlich auch in den Büros, den Kreativzellen des wirtschaftlichen Handelns. Damit verbunden sind neue Formen der Büroorganisation, die wiederum nach adäquater Gestaltung des Arbeitsumfeldes verlangen. In einer kleinen Serie stellen wir Möbel vor, die speziell für das innovative Office entwickelt wurden."9

Anmerkungen

1) In meinem Beitrag verzichte ich bei der Nennung von Akteuren auf "weibliche" Endungen. Der Grund: Geschlechtsneutrale Schreibungen sind meiner Meinung nach längst zum Formalismus und zur pc-Norm verkommen.

2) Heinz Steinert (2005): Neue Flexibilität, neue Normierungen: Der zuverlässige Mensch der Wissensgesellschaft. Wien. Dort heißt es zusammenfassend: "Was als neue Qualifikation vor allem benötigt wird, ist die Beherrschung der Gebrauchsanweisungen für die Maschinen, die jetzt die früher lebendige Arbeit ersetzt haben." (45) Vgl. zur notwendigen Ideologiekritik der "Wissensgesellschaft" Heinz Steinert (2007): Das Verhängnis der Gesellschaft und das Glück der Erkenntnis: Dialektik der Aufklärung als Forschungsprogramm. Münster.

3) Vgl. dazu genauer Christine Resch (2007): Über die Strukturähnlichkeit von instrumenteller Vernunft und astrologischem Denken: Zur Ideologiekritik des ,unternehmerischen Selbst', in: Rainer Winter und Peter V. Zima (Hg.): Kritische Theorie heute. Bielefeld, S.235-257.

4) "Wissensgesellschaft" wurde in den Sozialwissenschaften lange Zeit theoretisch hergeleitet, allenfalls mit statistischen Verschiebungen vom Produktions- in den tertiären Sektor belegt. Solche Statistiken sind aber etwa aufgrund von "Outsourcing" (was früher die Buchhaltung in einem Konzern war, der der Produktion zugerechnet wurde, ist jetzt eine Dienstleistung und damit nicht mehr Hand-, sondern Wissensarbeit) nicht leicht zu interpretieren. Inzwischen ist die "Wissensgesellschaft" bei ihren Trägern angekommen und Reportagen geben darüber Aufschluss. Vgl. exemplarisch Barbara Ehrenreich (2005): Bait and Switch. The (Futile) Pursuit of the American Dream; dt.: (2006): Qualifiziert und arbeitslos. Eine Irrfahrt durch die Bewerbungswüste. München. Jill Andresky Fraser (2001): White-Collar Sweat-Shop. The Deterioration of Work and its Rewards in Corporate America. New York.

5) Vgl. Oliver Brüchert (2005): Autoritäres Programm in aufklärerischer Absicht. Wie Journalisten Kriminalität sehen. Münster.

6) Analoges lässt sich für die Interaktionen zwischen Managern und Unternehmensberatern zeigen. Das ist auch deshalb brisant, weil Berater häufig als die Wissensarbeiter beschrieben werden. Tatsächlich ist die Nachfrage nach einer inhaltlichen Expertise aber der Ausnahmefall. Berater erbringen eine teuer bezahlte Dienstleistung als Gewährsleute in Konkurrenz- und hierarchischen Konflikten und als Legitimation (für Rationalisierungen) "nach unten". Vgl. dazu ausführlich Christine Resch (2005): Berater-Kapitalismus oder Wissensgesellschaft? Zur Kritik der neoliberalen Produktionsweise. Münster. In dieser Untersuchung finden sich auch ausführliche Literaturverweise zur "Wissensgesellschaft", auf die ich hier verzichte.

7) Vgl. dazu genauer Christine Resch und Heinz Steinert (2003): Kulturindustrie: Konflikte um die Produktionsmittel der gebildeten Klasse, in: Alex Demirovic (Hg.): Modelle kritischer Gesellschaftstheorie. Traditionen und Perspektiven der Kritischen Theorie. Stuttgart, S.312-339.

8) Was die Privatisierung im Gesundheitswesen (am Beispiel Großbritannien) an bürokratischer Arbeit für das medizinische Personal, das zugunsten von Verwaltungs-Angestellten ohnehin rationalisiert wurde, mit sich bringt, lässt sich nachlesen in: John Clarke und Janet Newman (1997): The Managerial State. Power, Politics and Ideology in the Remaking of Social Welfare. London.

9) www.buero-forum.de/content/con1/aktuell/news/moderne_buerogestaltung/index_html (23.03.08)



PD Dr. Christine Resch vertritt zur Zeit eine Professur am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der J.-W.-Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Kultur-Analysen sowie Untersuchungen zur sozialen Position, den intellektuellen und wirtschaftlichen Praktiken der gebildeten Schicht, zuletzt hat sie über Beratung und Management gearbeitet. Sie ist Mit-Initiatorin von www.folks-uni.org .

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