BdWi - Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

»Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen.«

Klaus Holzkamp

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Klauseln

12.02.2015: Kolumne

  
 

Forum Wissenschaft 4/2014

Anfang der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts traten die GEW, der BdWi und die sozialistischen Studierendenverbände dafür ein, dass in die Universitätsgesetze und -satzungen die Klausel aufgenommen werde, Wissenschaft müsse in gesellschaftlicher Verantwortung betrieben werden. Konservative Ordinarien waren dagegen, jüngere und smartere Professoren zeigten sich flexibler. Sie meinten: Es komme darauf an, was man unter Gesellschaft verstehe. Sehe man diese als Markt, dann spreche nichts dagegen, dass die Hochschulen sich dessen Gesetzen fügten.

Gesagt, getan. Heute sehen sich alle Hochschulen dergestalt in marktwirtschaftlicher Verantwortung. Es gibt auch Gremien - Hochschulräte -, die sich um ihre Verankerung in der Gesellschaft bemühen. Ihre Zusammensetzung zeugt von großem Realitätssinn: Kapitalvertreter fehlen dort nie. Die demokratischen Befürworter(innen) der Verantwortungsklausel in der Bundesrepublik von einst hatten sich das allerdings anders gedacht. Aber sie haben durchaus Einiges erreicht. An den Hochschulen wurde unter anderem über Humanisierung der Arbeitswelt geforscht, es gab Kooperationen zwischen Universitäten und Gewerkschaften. Allerdings wäre das damals wohl auch ohne die Verantwortungsparagrafen gegangen. Es war eine Sache des Kräfteverhältnisses.

Jetzt gibt es eine Bewegung für Zivilklauseln: die Selbstverpflichtung von wissenschaftlichen Einrichtungen, nicht für militärische Zwecke zu forschen. 17 Hochschulen haben sie schon. Kritiker argumentieren mit Dual Use. Leibniz und Newton zum Beispiel hätten mit der Differentialrechnung eine völlig neutrale Sache geschaffen. Hätte man ihnen das verbieten sollen, weil damit auch die Bahn von Kanonenkugeln habe berechnet werden können?

Auch hier gilt wieder: Es kommt auf das Kräfteverhältnis an. Ist eine Gesellschaft so gebaut, dass Krieg für sie grundsätzlich kein Mittel der Politik mehr ist, brauchen ihre Hochschulen keine Zivilklauseln. Vorher schon. Zur Herstellung solcher Zustände können Forschung und Lehre beitragen. Früher nannte man das offensiv: Wissenschaft für den Frieden.

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