BdWi - Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

»Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen.«

Klaus Holzkamp

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Kongress "Ungleichheit als Projekt"

Kongress des BdWi vom 24. bis 26. November 2006 in Frankfurt am Main

Ungleichheiten durchziehen alle Bereiche unserer Gesellschaft - sie strukturieren globale Verhältnisse, Geschlechterverhältnisse, Eigentumsverhältnisse, den Zugang zu Bildung und natürlichen Ressourcen. Die Forderung nach gesellschaftlicher, rechtlicher und sozialer Gleichheit war in der Geschichte immer wieder Kristallisationspunkt emanzipatorischer Bewegungen und die Zusicherung von Gleichheit vor dem Gesetz und "Chancengleichheit" war ein zentrales Legitimationsmoment moderner Gesellschaften. Gleichzeitig sind kapitalistische Gesellschaften grundlegend durch den Widerspruch gekennzeichnet, dass sie auf formaler Gleichheit basieren und reale Ungleichheit reproduzieren. Dieses Spannungsverhältnis produziert immer neue politische, kulturelle und ideologische Verhältnisse.

Die fordistische Gesellschaft hat sich um eine Verwaltung des Gleichheits-/Ungleichheitsdilemmas bemüht, die auf relativer Beschäftigungssicherung und Massenkonsum in den Metropolen beruhte. Zentrale Bestandteile darin waren klare - ungleiche - Geschlechterrollenzuweisungen, ethnische Unterschichtung und globale - ungleiche und neokolonialistische - Arbeitsteilung. Mit der Globalisierung von Wertschöpfungsketten und der Entstehung globaler Standortkonkurrenz haben sich die Rahmenbedingungen für (staatliche) Politik maßgeblich verändert. Neoliberale Politik setzt offensiv auf eine Erweiterung von Ungleichheiten als Dynamisierung von Beschäftigungspolitik und Vermarktlichung.

Die letzten Jahre des alten Jahrhunderts waren in Europa von der Hoffnung auf ein gesellschaftliches Reformprojekt geprägt, das Ungleichheit zurückdrängen sollte. Der Regierungswechsel zur rot-grünen Regierung brachte diese Hoffnungen zum Ausdruck. Die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts waren vor allem durch die Entzauberung dieser Hoffnungen geprägt. Nicht nur in Deutschland wurde ein sozialdemokratisches Projekt verankert, das die Transformation des Sozialstaates und gleichzeitig die offiziellen Verabschiedung des Gleichheitsanspruchs zu Gunsten eines dynamisierten Begriffs von Ungleichheit beinhaltete. Der Anspruch auf Gleichheit ist damit wieder verstärkt zum Thema oppositioneller, kritischer Diskussion und sozialer Kämpfe geworden.

Die Tagung will die Entwicklungen von Ungleichheiten im globalen Kontext vor allem mit Blick auf die letzten zehn Jahre analysieren. Darin soll es um die faktische Verschiebung von gesellschaftlichem Reichtum, der Produktion von Armut und Niedriglohn und ungleiche Entwicklung als Voraussetzung und Produkt der Transnationalisierung von Wirtschaft und Kapital ebenso gehen wie um die Veränderungen von (globalen) Geschlechterverhältnissen, Kultur und Lebensweisen, die Politik um die Akzeptanz des neuen Regimes und die immer neu errichteten Regime von Integration und Exklusion.

Ungleichheit als politisches Projekt zu fassen, bedeutet auch, nach Akteuren und Gegenakteuren zu fragen: es sollen nicht nur unterschiedliche Ansätze - soziologische, feministische, marxistische, kulturwissenschaftliche, ökonomische - der Ungleichheitsforschung produktiv ins Gespräch gebracht werden, sondern auch nach Perspektiven für emanzipatorische Politik und Bewegungen gefragt werden.

Die Vorträge werden ergänzt durch eine Poster-Ausstellung, die empirische Daten und Entwicklungen von Armut und Reichtum veranschaulichen soll.

Weitere Informationen

Unterstützerinnen und Unterstützer

Der Kongress findet statt mit freundlicher Unterstützung durch

  • Hans-Böckler-Stiftung Hans-Böckler-Stiftung
  • Otto-Brenner-Stiftung Otto-Brenner-Stiftung
  • Rosa-Luxemburg-Stiftung Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • AStA der JLU Gießen AStA der Justus-Liebig-Universität Gießen
  • AStA der Philipps-Universität Marburg AStA der Philipps-Universität Marburg
  • Stiftung Umverteilen! Umverteilen! Stiftung für eine, solidarische Welt
  • GEW Hessen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Hessen
  • AStA Uni Frankfurt AStA der JWG-Universität Frankfurt am Main
  • AStA TU Darmstadt AStA der TU Darmstadt
  • FH Frankfurt am Main Fachhochschule Frankfurt am Main, FB Soziale Arbeit und Gesundheit
  • AStA h_da AStA der Hochschule Darmstadt
  • AStA der FH Frankfurt am Main AStA der Fachhochschule Frankfurt am Main

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