BdWi - Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

»Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen.«

Klaus Holzkamp

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"Netzwerk der Macht - Bertelsmann": die zweite erweiterte Auflage ist ausgeliefert!

23.10.2007: Pressemitteilung des Bundes demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi)

Marburg und Bonn, den 23.10.07

Nach der enormen medialen und politischen Resonanz und dem raschen Verkauf der im Mai 2007 erschienenen ersten Auflage haben sich der Verlag und die Herausgeber Jens Wernicke und Torsten Bultmann kurzfristig entschlossen, eine erweiterte zweite Auflage zu veröffentlichen. Diese wurde um insgesamt vier Beiträge ergänzt: zwei neue Beiträge beschäftigen sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln kritisch mit der Praxis der Bertelsmann-Tochter Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Ein weiterer neuer Beitrag hinterfragt die Versuche der Bertelsmann Stiftung, die deutsche Einwanderungspolitik zu beeinflussen; schließlich ist noch ein Artikel zu Privatisierungen der Kommunalverwaltungen, vorrangig an den Beispielen Würzburg und Dormagen, hinzugekommen.

Zum lebhaften Medienecho, das der Band bereits ausgelöst hat, trug sicher auch eine wütende öffentliche Stellungnahme der Bertelsmann Stiftung selbst vom 23. Mai 2007 bei. In dieser werden Herausgebern und Autoren "zahlreiche inhaltlichen Fehler" vorgeworfen. Bis heute konnte davon offenbar jedoch kein einziger benannt werden.

Am meisten geschäumt hat man in Gütersloh über die Infragestellung der Gemeinnützigkeit, mit der sich die Bertelsmann Stiftung schmückt. Diese sei, so heißt es, schließlich "vom Finanzamt anerkannt" und würde "laufend überprüft". Der Einwand ist insofern irrelevant als niemand der Autorinnen und Autoren die formale verfahrenstechnische Korrektheit dieses Vorgangs angezweifelt hat. Die Forderung nach einer Aberkennung der Gemeinnützigkeit, die in der größer werdenden bertelsmannkritischen Szene zunehmend konsensfähig ist, ergibt sich aus einer politischen Bewertung der Stiftungstätigkeit. Die Stiftung wird aus den Dividenden der kommerziellen) Bertelsmann AG steuerbegünstigt finanziert. 33 Autorinnen und Autoren des Bandes analysieren die politische Beratungspraxis der Bertelsmann Stiftung auf den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Feldern: etwa Gesundheitspolitik, Bildungspolitik, Sozialgesetzgebung, kommunale Verwaltung usf. Sie kommen alle zu einem ähnlichen Befund: Die Stiftung treibt den Umbau des öffentlichen Sektors in Richtung marktähnlicher Steuerungsmechanismen voran - und konstruiert auf diese Weise exakt jene Geschäftsfelder, auf denen die verschiedenen Unternehmenssparten der Bertelmann AG anschließend ihre Profite realisieren können, aus deren Dividenden sich die Stiftung wiederum refinanziert! Politische Verantwortung und demokratische Beteiligungsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger werden auf diese Weise systematisch minimiert.

Daher ist zu hoffen, dass es auch der zweiten Auflage des Buches gelingt, das kritische Bewusstsein gegenüber einer solchen Praxis in der Öffentlichkeit zu schärfen.

Jens Wernicke, Torsten Bultmann (Hg.) Netzwerk der Macht - Bertelsmann. Der medial-politische Komplex aus Gütersloh - Forum Wissenschaft Studien 54 ISBN 978-3-939864-02-8, 2. erw. Aufl., Oktober 2007, 488 Seiten, 17,00 EUR

  • Hinweis: Weitere Presseinformationen zum Buch finden Sie hier
  • Hinweis: Zum Thema des Buches findet am 27. Oktober an der Fachhochschule Frankfurt ein Kongress "Das Schattenkabinett aus Gütersloh" statt, auf dem auch eine Reihe von Autorinnen und Autoren anwesend sein werden. www.attac.de/frankfurt/
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