BdWi - Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

»Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen.«

Klaus Holzkamp

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Grußwort des BdWi zur Gründung eines neuen sozialistischen Hochschulverbandes

Der Bund demokratischer Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen (BdWi) begrüßt die Gründung des neuen sozialistischen Hochschulverbandes, hervorgegangen aus Die Linke.Hochschulgruppennetzwerk. Wir wünschen dem Projekt viel Erfolg und wollen gerne das unsrige dazu beitragen, dass sich zwischen unseren beiden Verbänden eine politisch und intellektuell produktive Zusammenarbeit entwickelt.

Es ist grundsätzlich immer zu unterstützen, wenn die Zahl derjenigen sich vermehrt - und zudem politisch-organisatorische Gestalt annimmt -, die der betriebswirtschaftlichen Ökonomisierung und neoliberalen Restrukturierung der Hochschulen widerstehen wollen. Das sind derzeit noch viel zu wenige. Der Versuch einer solchen Wiedergewinnung politischer Handlungsfähigkeit richtet sich direkt gegen die fundamentale Ent-Politisierung, welche die derzeitige "offizielle" Hochschulpolitik charakterisiert. Deren Grundmuster besteht schließlich darin, dass alle Hochschulmitglieder voneinander isoliert, individualisiert und in ein destruktives Verhältnis der gegenseitigen Konkurrenz um immer knappere Ressourcen versetzt werden. Im gleichen Maße schwindet auch der - politisch wieder anzueignende - Raum einer kritischen Wissenschaft.

Ent-Politisierung und Geschichtsvergessenheit stellen immer eine Synthese dar. Wiedererlangung von Politikfähigkeit ist daher umgekehrt stets mit der Vertiefung eines historischen Gedächtnisses verbunden. Der Gründung des neuen Verbandes liegt eine kritische Würdigung früherer, durchaus vielfältiger linker und sozialistischer Organisationsversuche an deutschen Hochschulen zugrunde. Das ist ebenso zu begrüßen wie die Absicht, diese nicht schematisch zu kopieren, aber dennoch das politisch Produktive früherer Ansätze gemessen an gegenwärtigen Aufgaben weiterzuentwickeln. Die Aufgabe, die der Verband sich selbst stellt, besteht darin, unmittelbare politische Interessenvertretung an Hochschulen mit gesellschaftsverän-dernder Strategie zu verbinden. Damit ist zugleich ein Spannungsverhältnis benannt, für welches es weder entgültige noch "einfache" Lösungen gibt. Es ist wichtig, sich bewusst zu sein, dass die politische Vermittlung zwischen beiden Aspekten ständig geleistet werden muss.

Vor diesem Hintergrund ist zu begrüßen, dass der neue Verband nicht im Gestus des Heilsbringers die politische Bühne betritt, sondern neben den Dingen, deren er sich zu Recht gewiss ist, viele offene Fragen benennt, die sich auch andere politische Verbände, Organisationen, Zusammenhänge und Einzelpersonen stellen. Deren gemeinsame Diskussion und Bearbeitung ist auch eine hervorragende Grundlage von Bündnispolitik und politischer Ko-operation, die dann nicht allein auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner des bereits Vorhandenen und Bekannten stattfindet, sondern neue Erkenntnisse und Ergebnisse zum Nutzen alle Beteiligten erbringt. Ein solcher Ansatz wür-de sich mit der Tradition des BdWi treffen, politische Handlungsfähigkeit und kritische Wissenschaft in ein produktives Verhältnis zu bringen. In diesem Sinne freuen wir uns auf die Zusammenarbeit!

Bonn und Marburg, den 3.Mai 2007

Torsten Bultmann (Bundesgeschäftsführer)

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